Formen der Depression

Frau leidet unter endogener Depression

Wer an Depressionen leidet kennt die Leere, Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit. Doch was sind die Ursachen der endogenen Depression? An welchen Symptomen erkennt man die Erkrankung und welche anderen Formen der Depression gibt es noch? Wir haben das Wichtigste zusammengefasst.

Lesedauer 10 Min.
Psychische Erkrankungen
Schwerpunkt Gesundheit
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Letzte Aktualisierung:

Die Klassifizierung der unterschiedlichen Depressionstypen hat sich im Laufe der Zeit geändert. Die klinischen Richtlinien werden regelmäßig aktualisiert und überarbeitet. Da kann es passieren, dass bestimmte Begriffe nicht mehr verwendet werden bzw. als veraltet gelten. Da manche Betroffenen ihre Diagnosen jedoch bereits vor vielen Jahren erhalten haben und sich viele der Begriffe nach wie vor in der Fachliteratur finden, scheint es sinnvoll, diese kurz zu erklären.

Depressionen treten in bestimmten Typen und Verlaufsformen auf. Die Symptome sind oft ähnlich, die Ursachen können jedoch sehr unterschiedlich sein.

In medizinischen Fachkreisen werden verschiedene Typen von Depressionen nach zwei internationalen Standards klassifiziert: dem ICD-11 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) oder dem DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders).

Vergessen Sie nicht, dass eine genaue Diagnose nur von einem Facharzt oder klinischen Psychologen gestellt werden sollte. Der folgende Überblick soll Ihnen helfen, die Krankheit ein wenig besser kennenzulernen.

Bipolare und unipolare Depressionen

Häufig findet man die Einteilung in einen von drei Untertypen:

Typ

Beschreibung

Unipolar

Die Stimmung ist gedrückt, unterhalb des Bereiches, der als normal angesehen wird. Die Stimmung kann phasenweise besser werden und ist dann weitgehend im Normalbereich. Depressive Phasen liegen deutlich unterhalb der Norm.

Bipolar I

Depressive und manische Phasen wechseln sich ab. Während der manischen Phase ist die Stimmungslage übertrieben positiv, weit über dem, was als normal gilt.

Bipolar II

Depressive und hypomanische Phasen wechseln sich ab. Hypomanisch bedeutet, dass die Stimmungslage nicht das Ausmaß einer manischen Phase erreicht, sich also „unterhalb“ davon befindet.

Psychogene Depression

Auslöser für psychogene Depressionen sind in der Regel gut erkennbar und im psychischen Bereich zu suchen. Beispiele wären etwa Krisen, Todesfälle oder andere psychische Erkrankungen. Zu den psychogenen Depressionen zählen:

Typ

Beschreibung

Reaktive Depression

Sie entsteht als Reaktion auf belastende Ereignisse. Der Tod eines nahen Angehörigen, selbstverschuldete Unfälle, Trennung oder die Diagnose einer schweren Krankheit können Auslöser einer reaktiven Depression sein. Da solche Erfahrungen relativ häufig vorkommen, machen reaktive Depressionen einen großen Teil der diagnostizierten Depressionen aus.

Neurotische Depression

Es wird eine Störung des Erlebens angenommen. Die Betroffenen bewerten aufgrund früher gemachter Erfahrungen bestimmte Ereignisse in ihrem Leben anders. Ursache einer neurotischen Depression können etwa traumatische Erlebnisse in der Kindheit, Beziehungsprobleme oder ein Seitensprung des Partners sein.

Depressive Entwicklung

Kennzeichen ist eine langsame Entwicklung während dauerhafter Belastungszustände. Sie entsteht durch anhaltende emotionale Belastungen, wie beispielsweise das Pflegen eines Angehörigen, familiäre Schwierigkeiten oder chronische Schmerzen. Ursache sind nicht die körperlichen Symptome der Belastung, sondern der damit verbundene emotionale Druck. Häufig wird auch von Erschöpfungsdepressionen gesprochen – irgendwann sind „die Batterien leer“, Resignation und Hoffnungslosigkeit stellen sich ein.

Somatogene Depression

Somatogene Depressionen haben ihren Ursprung in körperlichen Erkrankungen oder sind direkte Folge einer Substanz. Die Krankheiten können verschiedene Bereiche des Körpers betreffen und wirken auf die Stimmungslage. Beispiele sind etwa Demenz, Schilddrüsenstörungen oder bestimmte Krebserkrankungen. Dazu kommen Störungen des Affekts durch Substanzmissbrauch oder Medikamente. Typisch wären etwa Suchtmittel, aber auch Medikamente gegen Bluthochdruck, Neuroleptika oder Zytostatika können depressive Verstimmungen auslösen.

Abzugrenzen hiervon ist eine depressive Symptomatik als psychische Reaktion auf eine körperliche Erkrankung. In diesen Fällen steht nicht die direkte biologische Wirkung der Erkrankung im Vordergrund, sondern die emotionale Verarbeitung der Belastung der Krankheit (z.B.: Einschränkungen, Schmerzen, veränderte Lebensperspektiven). Die depressive Symptomatik tritt dabei als nachvollziehbare Reaktion auf die Erkrankung auf und erfüllt nicht zwingend die Kriterien einer eigenständigen depressiven Störung.

Depression in besonderen Lebenslagen

In manchen Phasen des Lebens ist man für Gemütsschwankungen besonders anfällig. Je nach Ursache haben sich verschiedene Bezeichnungen für die Depressionen etabliert:

Typ

Beschreibung

Klimakterische Entwicklung

Während der Wechseljahre kann es aufgrund der hormonellen Umstellungen und Änderungen im Lebenswandel vermehrt zu Depressionen kommen.

Postpartale
Depression

Kurz nach der Geburt eines Kindes kann es bei Müttern zur sogenannten Wochenbettdepression kommen. Auslöser sind die körperlichen und hormonellen Änderungen im Körper, aber auch Überforderung und die plötzliche Änderung der Lebensführung. Diese kann fallweise auch erst Monate nach der Geburt auftreten.

Altersdepression

Ab etwa dem 65. Lebensjahr steigt die Wahrscheinlichkeit einer Altersdepression. Die Gründe sind vielfältig:

  • eine Zunahme an körperlichen Gebrechen
  • der Wechsel vom Berufsleben in die Pension
  • der Verlust des Partners oder enger Freunde
  • nachlassende Leistungsfähigkeit
  • weniger soziale Kontakte, Vereinsamung
  • Abhängigkeit von Pflege und Fürsorge

Häufig werden depressive Symptome bei älteren Menschen nicht richtig gedeutet. Freud- und Lustlosigkeit wird fallweise als „Folge des Alters“ bagatellisiert oder als Symptom des geistigen Abbaus interpretiert.

Unabhängig von der jeweiligen Form der Depression ist eine Behandlung dringend empfohlen!

Endogene Depression

Der Begriff „endogene Depression“ stammt aus älteren Klassifikationen und wird heute nicht mehr verwendet.  Endogen bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Ursachen der Depression im Inneren liegen, also körperlich bedingt sind. Es mag zwar äußerliche Auslöser geben, Hauptgrund der depressiven Stimmung sind jedoch nicht näher definierte körperliche Vorgänge.

Moderne Modelle gehen von einem Zusammenspiel biologischer (z.B.: Genetik, Hormone), psychischer (z.B. Emotionen, Traumata) und sozialer (z.B.: Krisen, Lebensereignisse) Faktoren aus.

  • Manfred Wolfersdorf, Springer Verlag: Depressionen verstehen und bewältigen
Redaktionelle Bearbeitung: Benjamin Slezak
Erste Veröffentlichung:
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