Wirksamkeit von Psychotherapie Hilft eine Psychotherapie wirklich?

Frau nach einer wirksamen Psychotherapie

Ja, Psychotherapie wirkt – allerdings nicht immer. Ob eine Psychotherapie in Ihrem persönlichen Fall effektiv sein wird, lässt sich zu Beginn noch nicht beurteilen. Wenn Sie jedoch einige Rahmenbedingungen beachten, stehen die Chancen dafür sehr gut.

Schwerpunkt Behandlung
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Schwerpunkt Gesundheit

Eine Psychotherapie kann zeitaufwendig und kostspielig sein. Da ist es nur verständlich, dass man sich früher oder später die Frage der Wirksamkeit stellt. Schließlich verdient jeder Patient eine optimale Behandlung und eine wirkungslose Therapie wäre reine Zeitverschwendung. Dazu kommt, dass Psychotherapie großes Vertrauen voraussetzt: Nicht nur zum Therapeuten, auch in die Methode.

Hier ist es nicht ausreichend, dass Psychotherapie generell gut wirkt. Viel wichtiger ist nämlich die Frage, ob Psychotherapie bei Ihnen hilft, bei Ihrem Problem

Vermutlich können Sie diese Frage erst im Laufe der Therapie beantworten. Allerdings können Sie mit der richtigen Wahl des Therapeuten Ihre Erfolgschancen deutlich verbessern.

Fakten zur Wirksamkeit von Psychotherapie

Die wissenschaftliche Erforschung von Psychotherapie ist nicht immer einfach und liefert selten eindeutige Ergebnisse. Trotzdem haben sich einige Sichtweisen weitgehend durchgesetzt:

  • Keine Psychotherapiemethode ist generell besser als eine andere.
    Alle Methoden und Schulen haben ihre Stärken und Schwächen. Zwar wirken manche Methoden bei bestimmten Problemfelder besser, daraus lässt sich aber keine grundlegende Überlegenheit ableiten.
  • Die angewandte Methode macht nur einen Teil der Wirksamkeit aus.
    Die Wirksamkeit wird durch viele verschiedene Faktoren bestimmt. Dazu zählen neben dem Behandlungskonzept etwa die therapeutische Beziehung, das Setting oder die Art des Problems.
  • Die Ergebnisse der Psychotherapieforschung lassen sich nicht auf Einzelfälle übertragen.
    Ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis bedeutet nicht, dass bei jedem Patienten Erfolge erzielt werden können. Daher ist eine Prognose bei Einzelfällen nicht möglich.
  • Effizienz ist wichtig.
    Es scheint sinnvoll, Psychotherapie auch hinsichtlich der Effizienz zu beurteilen. In welchem Verhältnis stehen Erfolg und Aufwand? In Anbetracht der Kosten stellt sich auch die Frage der Wirtschaftlichkeit.
  • Es gibt nicht die „beste“ Methode.
    Selbst für klar definierte, spezifische Anwendungsgebiete besteht derzeit noch keine übereinstimmende Meinung darüber, welche Therapiemethode die „Beste“ wäre.
  • Bei etwa 25% der Psychotherapien stellt sich kein messbarer Erfolg ein.
  • Auch eine Verschlechterung ist möglich.
    Bei Behandlungsfehlern ist auch eine Verschlechterung möglich. Bei etwa 5–10% kommt es zu einer Verschlimmerung.

Wann ist eine Therapie erfolgreich?

Die Frage nach der Wirksamkeit einer Methode hängt auch von den gesetzten Zielen ab. Ein typisches Ziel wäre etwa die Linderung des empfundenen Leids. Das können etwa das Nachlassen von Ängsten, wiedergefundene Lebensfreude oder ein besseres „Funktionieren“ im Alltag bedeuten.

Eine erfolgreiche Therapie bringt nachhaltige Verbesserung.

Doch reicht das bereits aus, um von einer erfolgreichen Therapie zu sprechen? Womöglichen haben die Ängste nur während der Therapiesitzung nachgelassen, vielleicht schwindet die wiedergefundene Lebensfreude am nächsten Regentag wieder. Die Wirkung sollte also nachhaltig sein.

Andererseits kann auch schon eine kleine Verbesserung einen Erfolg bedeuten. Womöglich konnte das Problem zwar nicht vollständig gelöst, aber eine Reduktion der Symptome erreicht werden. Wenn dadurch die psychische Belastung sinkt und man wieder Freude im Alltag verspürt, kann dies ein großer Fortschritt sein.

In diesem Sinne wäre eine Therapie vor allem wirksam, wenn eine Verbesserung über einen längeren Zeitraum erreicht werden kann.

Was macht eine Psychotherapie wirksam?

Trotz der unterschiedlichen Konzepte einzelner Therapieansätze haben sich generell gültige Merkmale einer wirksamen Behandlung etabliert. Diese lassen sich in 4 Bereiche gliedern:

Bereich Merkmale
Methode
  • anerkannte Methoden mit wissenschaftlichem Wirkungsnachweis
  • nicht jede Methode ist für jedes Problem gleichermaßen geeignet
  • die Behandlungsmethode sollte dem Klienten plausibel erscheinen
Therapeut
  • eine gute, vertrauensvolle therapeutische Beziehung zum Klienten
  • die Erfahrung des Therapeuten mit der Methode und dem Problembereich
Klient
  • aktive Mitarbeit
  • Motivation
  • Unterstützung durch das Umfeld
Problem
  • Nicht alle Probleme sind durch Psychotherapie gut behandelbar. Womöglich kann nur ein Teilaspekt behandelt werden.
  • Krankheitskonzept des Klienten: Worin sieht der Klient die Ursache seines Problems?

Effizienz von Psychotherapie

Jeder Klient wünscht sich rasche eine möglichst rasche Linderung seiner Beschwerden. Doch sind schnelle Therapieerfolge auch nachhaltig? Was ist die optimale Dauer einer Psychotherapie?

Wieder kommt es auf die Ziele an: Soll nur eine Reduktion der Symptome erreicht werden oder möchten Sie die Ursache finden? Je nach Therapieschule finden sich unterschiedliche Ansätze. Während etwa Verhaltenstherapeuten häufig ihre raschen Erfolge betonen, sehen Psychoanalytiker ihre Aufgabe in der dauerhaften Auflösung von inneren Konflikten und Störungen.

Für Sie als Klient empfiehlt sich ein abwägen von Vor- und Nachteilen. Nicht jeder kann sich eine langwierige Psychoanalyse leisten – womöglich ist es aber auch gut investiertes Geld, wenn man jahrelanges Leid endlich überwinden kann. Die Effizienz ist daher einer von vielen Punkten, die bei der Therapiesuche berücksichtigt werden sollte.

Sie sollten das Gefühl haben, auf dem richtigen Weg zu sein. Eine Therapie ist dann OK, wenn Sie Ihren Zielen, Wünschen und Möglichkeiten entspricht.

Gerade bei langer Therapiedauer kann es sinnvoll sein, das Erreichte kritisch zu hinterfragen. Sind Sie mit dem Verlauf zufrieden? Würden Sie sich wünschen, dass es schneller voran geht? Sind Sie Ihrem Ziel näher gekommen? Sprechen Sie Ihren Therapeuten ruhig darauf an, wenn Ihnen der Therapieverlauf zu langwierig erscheint.

Bei kurzer Therapiedauer ist die Gefahr eines Rückfalls in alte Verhaltensmuster womöglich größer. Überlegen Sie, ob Sie bereit sind, den Rest des Weges alleine zu gehen. Dabei kann es helfen, im Rahmen eines Abschlussgesprächs, die nächsten Schritte zu planen und sich auf die Zeit nach der Therapie vorzubereiten.

Wenn Ihnen Ihre Behandlung nicht wirksam oder effizient erscheint, sprechen Sie zunächst mit Ihrem Therapeuten darüber. Wird keine Lösung gefunden sollten Sie einen Therapeuten- bzw. Methodenwechsel überlegen. Es ist normal, einige Versuche zu benötigten, um den „eigenen“ Weg zu finden.

  • Hans Morschitzky, Springer Verlag: Psychotherapie Ratgeber
  • Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie (WBP): Methodenpapier
    (Online, letzer Zugriff am )
Redaktionelle Bearbeitung: Benjamin Slezak
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