Die richtige Psychotherapie finden Welche Therapie ist für mich geeignet?

Mann fragt sich, welche Psychotherapie die richtige ist.

Die Suche nach dem „richtigen“ Therapeuten ist gar nicht so einfach. Welche Therapieschule ist die passende? Wie wähle ich aus der Vielzahl an Angeboten das beste aus? Und wie findet man eine Therapie, die man sich auch leisten kann? Wir haben die Antworten.

Schwerpunkt Behandlung
Lesedauer 5 Min.
Psychische Erkrankungen

Wer bereits auf der Suche nach einer Psychotherapie war weiß: Das Angebot ist groß, unübersichtlich und für Laien kaum zu durchblicken. Welche Kriterien sind wichtig? Hier kann es helfen, sich Schritt für Schritt heranzutasten.

Noch eine Warnung

Wer sich im Internet auf Therapeutensuche begibt, kann schnell den Eindruck bekommen, (fast) jeder Therapeut wäre Experte für (fast) alles. Viele Therapeuten neigen dazu, ein breites Angebot ohne erkennbaren Schwerpunkt anzubieten. Von Depressionen bis Sucht, von Burnout bis Trauer werden scheinbar alle Themen abgedeckt.

Teilweise sind diese Angaben auch korrekt, schließlich helfen psychotherapeutische Methoden bei einer Vielzahl an Problemfeldern. Aus Sicht des Klienten ist weniger aber oft mehr: Wer Experte für alles ist, ist kein Experte. Achten Sie daher auf klar definierte Angaben zur tatsächlichen Erfahrung in dem gewünschten Bereich.

Da viele Therapeuten in freier Praxis tätig sind, kann es auch zu finanziellen Hintergedanken kommen. Mehr Arbeitsschwerpunkte bedeuten mehr Reichweite und mehr Klienten. Bleiben Sie daher kritisch und fragen Sie im Zweifelsfall einfach nach.

Schritt 1: Kosten der Psychotherapie

Idealerweise wären die Kosten für Psychotherapie kein Auswahlkriterium. Tatsächlich ist die Preisfrage durchaus berechtigt. Es ist gut und wichtig, sich auch Gedanken über die Finanzierung zu machen.

Überlegen Sie zunächst, welchen Betrag Sie für Ihre Behandlung aufbringen möchten. Bedenken Sie dabei folgende Dinge:

  • Würde die finanzielle Belastung zu einer Verstärkung Ihrer Probleme führen?
  • Eine teure Therapie ist nicht automatisch eine bessere Therapie.
  • Bei Gefahr für Ihr Leben (z. B. bei Selbstmordgedanken) ist unbedingt sofortige Hilfe notwendig.
  • Sind die Kosten der einzige Grund, der Sie von einer Therapie abhält?

Es gibt auch die Möglichkeiten einer kostenlosen Therapie oder einer teilweisen Kostenübernahme. Trotzdem sollten Sie sich zunächst Gedanken zu Ihrem persönlichen Budget machen. Notieren Sie sich bei der Therapeutensuche auch in Frage kommende Angebote ohne Kostenübernahme. Sollte die Suche nach kostenfreien Plätzen erfolglos sein, haben Sie dann bereits eine Reihe an Alternativen.

Im ersten Schritt sollten Sie alle Therapieangebote berücksichtigen, die im Rahmen Ihres Budget sind. Auch wenn es verlockend erscheint, einfach das Billigste zu wählen, ist es doch sinnvoll, zunächst eine größere Auswahl zu haben. Die Kosten sind zwar ein wichtiges Kriterium, aber nicht das einzige. Wer sich hier zu stark einschränkt, findet womöglich zu wenige Angebote.

Besser ist es, hier zunächst auch die etwas teureren Angebote zu berücksichtigen – Sie können diese noch später aussortieren. Sie werden merken, dass viele Therapeuten ohnehin eine ähnliche Preisgestaltung haben.

Einige Tipps:

  • Beachten Sie, dass es unterschiedliche Preise für Erstgespräch und Therapiesitzungen geben kann.
  • Manche Therapeuten geben die Preise für 45 Minuten an, andere für 50 oder 60 Minuten. 50 Minuten sind der Standard.
  • Manche Therapierichtungen haben eine längere Therapiedauer oder häufigere Sitzungen und können so zu höheren Kosten führen.
  • Manche Therapeuten bieten Sozialtarife für einkommensschwache Personen an.
  • Machen Sie eine Therapie nur, wenn Sie davon überzeugt sind.
  • Auch eine kostenlose Therapie sollte kritisch hinterfragt werden.

Da die möglichen Beihilfen bei der Finanzierung von Psychotherapie etwas unübersichtlich sein können, finden Sie hier weitere Tipps und Ratschläge:

Finanzierung von Psychotherapie in Deutschland

Finanzierung von Psychotherapie in Österreich

Schritt 2: Psychotherapeutischer Ansatz

Bei der Auswahl einer bestimmten psychotherapeutischen Schule sollten Sie vor allem auf zwei Dinge achten:

  • Eine für das Problem geeignete Methode
    Nicht jeder Therapieansatz ist für jedes Problem gleichermaßen gut geeignet. Während für manchen Methoden die Wirksamkeit wissenschaftlich belegt ist, stehen für andere empirische Studien noch aus.

    Da die Wirksamkeit nicht ausschließlich von der Methode abhängig ist, kann die Psychotherapie trotz fehlender Wirksamkeitsnachweise, dennoch sinnvoll sein. Vorsicht ist allerdings bei Therapierichtungen geboten, die nachweislich keine oder wenig Wirkung bei spezifischen Problemfeldern haben.

    Zwar kann auch in solchen Fällen eine Therapie zum Erfolg führen, die Chancen dafür stehen aber deutlich schlechter.

    Eine genaue Beschreibung der einzelnen Therapierichtungen mit entsprechenden Anwendungsgebiete finden Sie hier.
  • Ein Behandlungskonzept, das Ihnen vernünftig erscheint
    Wenn Sie sich mit verschiedenen Therapieschulen auseinandersetzen, wird Ihnen womöglich die eine oder andere Methode vernünftiger erscheinen:

    Vielleicht entspricht das philosophische Menschenbild mehr Ihrer eigenen Meinung und scheint Ihnen daher sinnvoller. Unter Umständen halten Sie nicht viel von langen Gesprächen und bevorzugen einen praktischeren, direkteren Zugang? Genauso denkbar wäre es, dass Sie den Ursachen gerne auf den Grund gehen und sich bei einer Psychoanalyse gut aufgehoben fühlen.

    Wenn Sie nicht an die Sinnhaftigkeit glauben, nützt es wenig, Zeit und Geld zu investieren.
    Vermutlich werden Ihnen bei den meisten Konzepten die eine oder andere Methode seltsam vorkommen – das ist in Ordnung, solange es mit den Grundgedanken der jeweiligen Therapieschule zusammenpasst.

Vorsicht ist aber bei fragwürdigen oder esoterisch anmutenden Behandlungskonzepten geboten. Wenn im Laufe der Therapie Ihre Überzeugung oder Weltsicht in Frage gestellt wird, sollten Sie das offen ansprechen. Unter Umständen kann es dann helfen, eine zweite Meinung einzuholen oder in letzter Konsequenz einen Therapeutenwechsel in Erwägung zu ziehen.

Über die einzelnen Therapiekonzepte können Sie sich hier informieren.

Wenn Sie von einem Behandlungskonzept noch nicht zu 100 % überzeugt sind, bietet sich das Erstgespräch zur Klärung Ihrer Fragen an.

Schritt 3: Die Person des Therapeuten

Eine gute Gesprächsbasis ist die wichtigste Voraussetzung für einen erfolgreichen Therapieverlauf. Wenn Sie mit Ihrem Therapeuten nicht können oder das gegenseitige Vertrauen fehlt, ist eine Zusammenarbeit nicht möglich.

Suchen Sie daher unbedingt eine Person, mit der es bereits beim Erstgespräch „passt“. Wenn Sie der erste Eindruck nicht überzeugt, sehen Sie sich ruhig nach einem anderen Therapeuten um. Verlassen Sie sich dabei einfach auf Ihr Bauchgefühl und beginnen Sie eine Therapie erst, wenn Sie sich verstanden und respektiert fühlen.

Während des Erstgesprächs merkt man in der Regel sehr schnell, ob man sich eine Zusammenarbeit vorstellen kann. Leider werden die meisten Erstgespräche bereits verrechnet – es ist also möglich, dass Sie für eine Leistung bezahlen, mit der Sie nicht zufrieden waren. Trotzdem sollten Sie nicht den Mut verlieren: Ein ergebnisloses Erstgespräch ist besser, als monatelang mit dem „falschen“ Therapeuten zu arbeiten.

In einzelnen Fällen kann es passieren, dass der Therapeut die Behandlung ablehnt. Das mag sich im ersten Moment seltsam anfühlen, ist aber zu respektieren. Weitere Tipps und Ratschläge zum Erstgespräch finden Sie hier.

Bei der Suche im Internet ist es natürlich schwierig, sich einen verlässlichen Eindruck zu verschaffen. Die meisten Therapeuten haben eine eigene Webseite, auf denen Sie ihr Foto sowie eine kurze Beschreibung der Person finden. Versuche Sie auch, das Erstgespräch am Telefon zu vereinbaren. Solche Gespräche dauern zwar nur sehr kurz, aber zumindest hat man eine ungefähre Vorstellung von Stimme und Auftreten.

Verlassen Sie sich nicht auf Vorschläge von Therapeutenverzeichnissen im Internet. Die Reihenfolge der Suchergebnisse entspricht nicht unbedingt Ihren Erwartungen und unter Umständen versteckt sich der „richtige“ Therapeut auf den hinteren Plätzen.

Achten Sie auch auf die angegebene Erfahrung. Viele psychische Probleme gehen mit spezifischen Symptomen, typischem Verlauf oder bewährten Behandlungsmethoden einher. Daher ist es sinnvoll, jemanden mit praktischer Erfahrung auf diesem Gebiet zu finden. Das muss nicht unbedingt bedeuten, dass junge Therapeuten schlechter sind – die Frage nach Fachwissen und Erfahrung ist bei Jung und Alt gleichermaßen berechtigt.

Manche Therapeuten konzentrieren sich auch auf bestimmte Zielgruppen; behandeln etwa vorrangig Jugendliche oder Senioren. Solche Spezialisierungen können ein Zeichen von Erfahrung mit den Problemen, Sorgen und Nöten der jeweiligen Personengruppe sein. Gerade Jugendliche und Kinder fällt es leichter, sich mit Therapeuten zu unterhalten die „ihre“ Sprache sprechen und mit der Jugendkultur vertraut sind.

Weitere Tipps, wie Sie einen „guten“ von einem schlechten“ Therapeuten unterscheiden können finden Sie hier:

Einen schlechten Therapeuten erkennen

 

Schritt 4: Rahmenbedingungen

Worauf ist weiters zu achten, wenn sich nun einige Kandidaten in Ihrer engere Auswahl befinden? Hier weitere Punkte, die im Laufe der Therapie relevant werden könnten:

  • Supervision
    Im Laufe ihrer Ausbildung müssen angehende Therapeuten eine gewisse Zeit unter Supervision arbeiten. Das bedeutet, sie haben zwar ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen, dürfen aber bereits als Psychotherapeut arbeiten. Häufig bieten Sie etwas reduzierte Preise und der Zusatz „unter Supervision“ muss klar ersichtlich sein. Es handelt sich dabei nicht unbedingt um „schlechtere“ Therapeuten, sie verfügen nur über weniger Berufserfahrung. In der Regel werden die Berufsanfänger im Rahmen der Ausbildung von erfahrenen Therapeuten betreut und verrichten durchaus gute Arbeit.

    Ein Therapeut unter Supervision kann genauso gut oder schlecht sein wie dessen ältere Kollegen. Sie sollten daher die selben Kriterien zur Beurteilung seiner Arbeit anwenden.
  • Stornierung
    Es ist üblich, am Beginn einer Therapie eine Terminvereinbarung zu treffen. Wenn Sie einen vereinbarten Termin absagen müssen, sollte dies rechtzeitig geschehen. Erfolgt die Absage zu kurzfristig oder gar nicht, wird die Sitzung verrechnet.

    Diese Regeln sind normal und helfen bei der Organisation bzw. der Terminvergabe. Die Vereinbarungen können unterschiedlich streng ausfallen. Wenn Ihnen etwas zu strikt vorkommt, sollten Sie es im Rahmen des Erstgesprächs ansprechen.
  • Uhrzeit und freie Termine
    Viele Klienten sind berufstätig und können Gesprächstermine erst am Abend wahrnehmen. Wenn Ihr Terminkalender nur wenig Spielraum lässt, sollten Sie womöglich schon vor einem Erstgespräch nach geeigneten Terminen fragen.
  • Setting
    Denken Sie auch an die Möglichkeit einer Gruppen-, Familien- oder Paartherapie. Ob eine solche Therapieform geeignet ist, kann im Rahmen des Erstgesprächs geklärt werden.
Redaktionelle Bearbeitung: Benjamin Slezak
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