Tipps für die Psychotherapie Was Sie während einer Therapie beachten sollten

Therapeut gibt Tipps für Psychotherapie

Wer Hilfe sucht, wünscht sich eine optimale Behandlung. Bei einer Psychotherapie kommt es dabei nicht nur auf den Therapeuten an – Sie spielen eine ebenso wichtige Rolle.

Lesedauer 12 Min
Schwerpunkt Gesundheit
Schwerpunkt Behandlung

Das Wichtigste zuerst: Eine Psychotherapie benötigt immer eine gute therapeutische Beziehung. Das bedeutet ein wohlwollendes, verständnisvolles Gesprächsklima zwischen Ihnen und Ihrem Therapeuten.

Eine gute Gesprächsbasis erkennen Sie an:

  • Akzeptanz für Sie und Ihr Problem
  • einfühlsame Gesprächsführung
  • emotionale Geborgenheit
  • gegenseitige Sympathie
  • Interesse an Ihrem Wohlergehen

Zwar ist die therapeutische Beziehung die wichtigste Grundvoraussetzung für einen Therapieerfolg, allerdings nicht die einzige. Ein Therapeut mag einfühlsam und sympathisch sein und doch „schlechte“ Arbeit verrichten. Wie Sie einen guten von einem schlechten Therapeuten unterscheiden können, erfahren Sie hier.

Aktive Mitarbeit

Sie haben es wohl schon vermutet: Ihr Problem wird sich nicht von heute auf morgen lösen. Womöglich haben Sie erfolglos gehofft, dass es von alleine verschwindet. Vielleicht haben Sie auch bemerkt, dass Sie aktiv werden müssen und möchten sich nun Ihrem Problem stellen.

Dann erfüllen Sie bereits eine wichtige Voraussetzung. Denn Psychotherapie ist ein fortlaufender Prozess, welcher Ihre aktive Mitarbeit erfordert. Veränderungen in Ihrem Leben kommen nicht von alleine und ein Psychotherapeut kann keine Wunder vollbringen. Daher ist Ihre Motivation und Mitarbeit eine Grundbedingung für eine Besserung.

Psychotherapie ist Hilfe zur Selbsthilfe.

In diesem Sinne versteht sich Psychotherapie als „Hilfe zur Selbsthilfe“. Sie kann Lösungsstrategien aufzeigen, Impulse geben und Hindernisse abbauen – eine tatsächliche Änderung können aber nur Sie alleine herbeiführen. Es reicht nicht, regelmäßig Therapiesitzungen zu besuchen und auf Besserung zu warten. Motivation und Mitarbeit sind daher zwei zentrale Aspekte einer erfolgreichen Psychotherapie.

Häufig ist man zu Beginn hoch motiviert: Man leidet und die Therapie verspricht endlich eine Lösung der Probleme. Dabei handelt es sich um eine sogenannte negative Motivation – unter dem Druck des Problems sehnt man sich nach Erleichterung und ist überzeugt, Veränderungen durchsetzen zu wollen.

Bei vielen Problemen wie Depressionen, Süchten oder Zwangsstörungen bedeutet wollen nicht unbedingt auch können. Man möchte sich zwar gerne verändern, kann es aber aus verschiedenen Gründen nicht. Das ist völlig normal – Ihr Therapeut sollte dafür Verständnis aufbringen. Achten Sie daher bereits bei der Therapeutensuche auf bestehende Erfahrung bei der Behandlung Ihres Problems.

Versuchen Sie Ihre Motivation auch während der Therapie aufrechtzuerhalten. Gerade wenn sich erste Erfolge einstellen verschwindet häufig die Lust auf weitere Anstrengungen. Dabei kann es helfen, sich positiv zu motivieren: Haben Sie Ihre Ziele bereits erreicht? An welchen Dingen könnte man noch arbeiten? Wo sehen Sie noch Verbesserungspotenzial?

Manchmal unterschätzt man den notwendigen Veränderungsprozess oder erwartet mehr Unterstützung durch den Therapeuten. Wenn Sie sich überfordert, wenig motiviert oder sogar enttäuscht fühlen, sprechen Sie darüber. Im Rahmen der Therapie können daraufhin die eigene Motivation verstärkt und unrealistische Erwartungen abgeklärt werden.

Tipps für die Psychotherapie

Eine Psychotherapie ist eine sehr persönliche und individuelle Angelegenheit. Dennoch gibt es einige Ratschläge die gleichermaßen gültig sind:

  • Verständliche Therapiemethoden
    Therapeuten arbeiten mit unterschiedlichen Methoden. Achten Sie bei der Therapiesuche auf eine Methode, mit der Sie sich persönlich identifizieren können. Wenn Ihnen die Methode sinnvoll und zielführend erscheint, steigert dies nicht nur die Motivation, sondern erhöht auch die Erfolgschancen.
  • Nachvollziebahres Konzept der Problematik
    Die einzelnen therapeutischen Schulen haben teilweise unterschiedliche Konzepte zur Entstehen und Entwicklung von Problemen. Auch hier ist es wichtig, dass Ihnen die zugrunde liegenden Erklärungsansätze vernünftig erscheinen.
  • Erfolge spürbar machen
    Im Laufe der Behandlung werden Sie Erfolge und Rückschläge erleben. Genießen Sie erreichte Verbesserungen und nutzen Sie das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein. Halten Sie sich dabei vor Augen, dass Sie es aus eigener Kraft erreicht haben. Auch kleine Erfolge können Freude bereiten und stärken das Selbstvertrauen.
  • Spezifische Therapieverfahren
    Nicht jedes Therapieverfahren ist für jedes Problem gleichermaßen gut geeignet. Zwar ist keine bestimmte Methode den anderen grundsätzlich überlegen, allerdings kann es für bestimmte Probleme bessere und schlechtere Verfahren geben.
  • Spezifische Therapeuten
    Fachwissen und Erfahrung sind wichtig! Achten Sie bei der Therapeutensuche auf die Berufserfahrung und Zusatzausbildungen. Gibt es womöglich jemanden mit mehr Erfahrung mit Ihrer spezifischen Situation?

Kritisch bleiben

Klar, Vertrauen ist Grundlage einer jeder Behandlung. Trotzdem sollten Sie Ihren Therapeuten bzw. den Therapieverlauf kritisch gegenüberstehen. Hat sich nach einigen Sitzungen eine Besserung eingestellt? Hat das Interesse Ihres Therapeuten an Ihren Problemen nachgelassen? Fühlen Sie sich auf dem richtigen Weg?

Versuchen Sie sich an objektiven Kriterien zu orientieren. Setzen Sie sich ein Ziel und evaluieren Sie nach einigen Wochen Ihren Fortschritt. Es kann passieren, dass man sich zwar gut betreut fühlt, der gewünschte Erfolg aber ausbleibt. Dann kann es sinnvoll sein, zunächst die Gründe zu analysieren.

Denken Sie auch an die Möglichkeit eines Therapeutenwechsels – allerdings ohne die Entscheidung zu überstürzen. Besser ist es, im Rahmen der Therapie zu klären, was genau nicht „gepasst“ hat. Das erleichtert die Wahl eines neues Therapeuten und hilft möglicherweise begangene Fehler zu vermeiden. Vergessen Sie aber nicht, dass Sie niemandem Rechenschaft schulden. Wenn Sie mit dem Verlauf der Behandlung nicht zufrieden sind, ist dies zu respektieren. Ein guter Therapeut wird Verständnis für Ihre Entscheidung zeigen und Ihnen bei der Suche nach einem neuen Therapieplatz behilflich sein.

  • Hans Morschitzky, Springer Verlag: Psychotherapie Ratgeber
Redaktionelle Bearbeitung: Benjamin Slezak
Erste Veröffentlichung:
Letzte Aktualisierung:
Das könnte Sie auch interessieren:
Behandlung von Depressionen
Der erste Besuch beim Psychiater
Formen der Depression