Demenz erkennen Bin ich dement?

Frau mit leicht zu erkennender Demenz

Im hohen Alter nimmt das Risiko einer Demenzerkrankung stark zu. Etwa ein Drittel aller über 80-Jährigen leidet darunter. Bei rechtzeitigem Erkennen der ersten Anzeichen kann der Verlauf hinausgezögert und abgemildert werden.

Lesedauer 15 Min.
Schwerpunkt Gesundheit
Psychische Erkrankungen

Altern ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Nicht jeder erlebt das älter werden gleich. Für viele Menschen bedeutet es ein Nachlassen der Leistungsfähigkeit und neue Herausforderungen. Dazu zählen etwa eine herabgesetzte Gedächtnisleistung oder Probleme bei der Konzentration.

Eine Abnahme der geistigen Fähigkeiten ist also weitgehend normal. Dadurch kann eine frühe Erkennung von Demenz schwierig sein. Nicht nur als Angehöriger ist man dann häufig ratlos. Was ist normal? Womöglich sind die Symptome nur ein Zeichen des hohen Alters? Was deutet auf eine Erkrankung hin?

Dazu kommt oft ein Gefühl der Scham. Schließlich möchte man niemandem zur Last fallen. Viele Betroffenen neigen dazu, ihre Schwierigkeiten zu überspielen und verbergen sie vor Angehörigen. Gerade in der Frühphase der Demenz funktioniert das sehr gut: Man hatte dann eben „gerade viel um die Ohren“ oder einen „schlechten Tag“. Schließlich kennt jeder Situationen, in denen man sich an bestimmte Dinge nicht mehr erinnern kann oder Schwierigkeiten hat sie im Gedächtnis zu finden.

Erste Anzeichen der Demenz

Auffälligstes Merkmal ist ein Nachlassen des Gedächtnisses. Auch im Alter sollte das Speichern neuer Informationen funktionieren. Man mag dafür zwar mehr Zeit benötigen und sich nur kleinere Informationsmengen merken, die grundsätzliche Fähigkeit dazu bleibt aber erhalten. Dies gilt auch für das Abrufen und das Weiterverarbeiten von Gedächtnisinhalten. Es fällt einem womöglich nicht mehr so leicht, ist aber machbar.

Natürlich vergessen auch gesunde Menschen bisweilen Dinge oder können sich an etwas nicht erinnern. In den meisten Fällen ist dies auch nicht problematisch: Das Vergessene war vielleicht nicht so wichtig und mit ein wenig Mühe fallen uns viele Dinge dann doch wieder ein.

Die Demenz geht über diese normale Vergesslichkeit hinaus: Selbst wichtige Dinge werden nicht behalten, trotz Konzentration und gutem Willen bleiben sie nicht im Gedächtnis.

Zunächst kommt es nur zur leichten kognitiven Beeinträchtigungen. Die Gedächtnisstörungen sind häufig kaum merkbar und werden zu Beginn als normale Alterserscheinung angesehen. Noch liegen keine anderen Beeinträchtigungen vor und die Vergesslichkeit kann gut kompensiert werden.

In der Anfangsphase der Demenz fällt es den Patienten leicht, das nachlassende Gedächtnis zu verheimlichen. Manche ziehen sich zurück oder leugnen ihre Probleme.

Dabei kann es auch zu Konflikten mit dem Partner oder innerhalb der Familie kommen: Etwa, wenn die Ursache für Veränderungen in der Partnerschaft gesucht wird oder Angst und Scham das Zusammenleben erschweren.

Manchmal treten die Symptome zunächst in veränderten Umgebungen auf, wie etwa im Urlaub, während eines Ausflugs oder eines Krankenhausaufenthalts.

Früherkennung der Demenz

Häufig machen sich die ersten Anzeichen einer Demenz im Alltag zwar bemerkbar, werden aber leicht übersehen. Erst im Nachhinein wird dann klar, dass schon längere Zeit etwas nicht in Ordnung war.

Gerade in einem geregelten Alltag und in gewohnter Umgebung fällt die nachlassende Gedächtnisleistung kaum auf. Leben die Betroffenen alleine, ist es für Angehörige noch schwieriger eine beginnende Demenz zu erkennen. Es ist daher wichtig, sich Zeit für Gespräche zu nehmen und aktiv zuzuhören. Achten Sie vor allem auf folgende Warnzeichen:

  • Vergessen von Terminen, etwa ein bereits vereinbarter Besuch oder ein gemeinsamer Spaziergang.
  • Vergessen von kürzlich passierten Ereignissen, wie die Erinnerung an Tage zurückliegende Gespräche oder gemeinsame Erlebnisse der letzten Woche.
  • Häufiges Wiederholen von bereits erledigten Dingen. Auch beim Sprechen sind – weitgehend unbewusste – Wiederholungen von Sätzen oder Phrasen auffallend.
  • Schwierigkeiten beim Merken von Gesichtern und Namen. Achten Sie vor allem auf Namen, die früher bereits gut bekannt waren.
  • Probleme beim Auffinden persönlicher Gegenstände. Etwa wenn Schlüssel oder Brillen nicht gefunden werden.
  • Häufige Umschreibung von Wörtern im persönlichen Gespräch. Bestimmte Worte oder Bezeichnungen werden nicht „gefunden“, stattdessen werden Füllwörter oder Umschreibungen verwendet. Die Sprache ist weniger präzise als früher.
  • Mühe bei Tätigkeiten, die früher einfach gefallen sind. Zum Beispiel Schwierigkeiten bei eigentlich bekannten Arbeitsabläufen im Beruf oder im Haushalt.
  • Orientierungslosigkeit (zeitlich und räumlich). Dazu zählen etwa das Verwechseln von Monaten oder das Vergessen des aktuellen Jahres.
  • Veränderung der Persönlichkeit, Umschlagen der Stimmung. Auffallend sind vor allem überraschende Reaktionen, die man der Person nicht zugetraut hätte. Etwa plötzlicher Jähzorn oder grundlose Aggression einer sonst liebenswürdigen Person.
  • Hinauszögern von Entscheidungen und eingeschränkte Urteilsfähigkeit
  • Schwierigkeiten bei der Orientierung in neuen Situationen, etwa bei Besuchen in fremden Häusern.
  • Verringertes Interesse an Hobbys und Freizeitbeschäftigungen. Motivation und Antrieb sind nicht mehr so stark wie früher. In manchen Fällen kann es aber auch zu einer Übersteigerung kommen, die Betroffenen sind dann getrieben und aktiver.

Andere Ursachen von Gedächtnisstörungen

Beachten Sie aber, dass durchaus auch andere Ursachen in Frage kommen könnten. Eine schlechte Gedächtnisleistung kann etwa Resultat folgender Gründe sein:

Körperliche Ursachen

  • Müdigkeit oder Erschöpfung
  • Medikamente, Alkohol
  • Verringerte Flüssigkeitsaufnahme, zu wenig Trinken
  • Schmerzen und andere Erkrankungen
  • Schlechtes Sehen / Hören

Psychische Gründe

  • Stress
  • Desinteresse
  • Geringe Motivation
  • Nervosität
  • Ängste

Anderes

  • Lärm, Ablenkungen
  • Temperatur (etwa im Sommer)
  • Angespannte Atmosphäre
  • Schlechte Sitzposition, Bettlägrigkeit
  • Sauerstoffmangel (in schlecht belüfteten Räumen)
  • Schlechte Lichtverhältnisse (bei schriftlichen Informationen)
  • Streit, innere Konflikte

Ältere Menschen nehmen oft mehrere verschiedene Medikamente ein. Manche davon können sich auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirken. Insbesondere Beruhigungsmittel, Psychopharmaka und Herz-Kreislauf-Medikamente können die Gedächtnisleistung stark herabsetzen. Auch die Kombination verschiedener Wirkstoffe können sich auf die die Konzentrationsfähigkeit bzw. das Gedächtnis auswirken.

Auch andere Krankheiten können der Demenz ähnliche Symptome verursachen. Daher sollte zunächst eine Altersdepressionen oder eine Parkinson-Erkrankung ausgeschlossen werden. In allen Fällen empfiehlt sich daher eine Abklärung durch den Facharzt.

Bin ich dement?

Bei Verdacht auf Demenz sollte möglichst früh eine Diagnose durchgeführt werden. Für den Betroffenen ist das in jedem Fall sinnvoll: Selbst, wenn es sich um keine Demenzerkrankung handelt, sollten die Ursachen (beispielsweise eine Altersdepression) behandelt werden.

Wenn eine beginnende Demenz diagnostiziert wird, stehen eine Reihe an Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Rechtzeitig erkannt kann der Verlauf der Krankheit dadurch deutlich hinausgezögert und abgeschwächt werden.

Die Diagnose wird in der Regel anhand einiger einfacher Tests durchgeführt. Im Vordergrund stehen dabei Fragen und Aufgaben zur Gedächtnisleistung. Bekannt ist etwa der Mini-Mental-Test, welcher die wichtigsten Bereiche wie Konzentrationsfähigkeit, Sprache, Merkfähigkeit und Orientierung abdeckt. Darüber hinaus stehen eine Reihe anderer Verfahren zur Verfügung, welche von Ihrem Facharzt individuell ausgewählt werden.

Die Diagnose einer Demenz beinhaltet auch medizinische Untersuchungen. Zur Abgrenzung anderer Störungen können bildgebende Verfahren (CT, MRT oder PET), ein EEG oder Blutuntersuchungen notwendig sein.

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Angehörige spielen beim Erkennen von Demenz eine wichtige Rolle.

Eine fachgerechte Diagnostik ist nicht nur zum Ausschluss von anderen Ursachen notwendig, sondern dient auch der genauen Bestimmung der Demenzerkrankung. Einzelne Demenzformen wie Alzheimer-Demenz, vaskuläre Demenz oder alkoholische Demenz können so unterschieden und optimal behandelt werden.

Der Fortschritt der Krankheit wird ebenfalls abgeklärt, etwa ob man sich in einer frühen, mittleren oder späten Phase der Krankheit befindet.

Eine ausführliche Diagnose beinhaltet:

  • Genaue Anamnese und Analyse des bisherigen Verlaufs.
  • Medizinische Untersuchungen, beispielsweise Blutbild, psychiatrische Untersuchungen und bildgebende Verfahren.
  • Psychologische Testverfahren zur Messung von kognitiver Leistungsfähigkeit und geistigem Zustand.
  • Eine Außenanamnese, bei der Erzählungen und Berichte von Angehörigen berücksichtigt werden.

Eine ärztliche Diagnose ist unbedingt notwendig, eine selbst durchgeführte Eigendiagnose reicht nicht aus. Zwar ist es wichtig, sich über Anzeichen und Symptome der Demenz zu informieren bzw. sie rechtzeitig zu erkennen, eine tatsächliche Diagnose muss aber vom Facharzt durchgeführt werden.

In den meisten Fällen ist der Hausarzt die erste Ansprechperson. Er kann nach einem ersten Gespräch und einer kurzen Untersuchung alternative Ursachen wir Herz-Kreislauf-Probleme oder die Nebenwirkung von anderen Medikamenten ausschließen. Unter Umständen wird er auch ein Blutbild erstellen oder Sie an ein entsprechendes Labor verweisen.

Wenn der Verdacht auf eine Demenzerkrankung besteht, ist der nächste Schritt der Besuch beim Facharzt für Neurologie oder Psychiatrie. Dort wird die endgültige Diagnose gestellt. Auch für die Planung der weiteren Behandlung und der Verschreibung von Medikamenten bleibt der Facharzt Ihre Ansprechperson.

Alle Untersuchungsverfahren sind schmerzlos und stellen keine Gefahr dar.

Nach der Diagnose der Demenz

Die Diagnose „Demenz“ bedeutet für viele Betroffene und deren Angehörige eine tiefgehende Änderung des Lebens. Es ist normal, dass man – auch als Angehöriger – Angst und Unsicherheit verspürt. Zögern Sie daher nicht, Ihre Fragen und Sorgen klar auszusprechen. Aufklärung und Beratung zählen ebenso zu den Aufgaben Ihres Arztes wie Diagnose und Behandlung. Besprechen Sie also ruhig alle Dinge, die Sie im Zusammenhang mit der Krankheit beschäftigen.

Gerade wenn Demenz frühzeitig erkannt wird, besteht kein Grund für übertriebenen Ängste. Die erste Phase der Krankheit kann mehrere Jahre dauern. Während dieser Frühphase ist ein weitgehend normales Leben möglich. Zunächst ist es wichtig, sich zu informieren und mit der Behandlung zu beginnen. Sie müssen nicht gleich zu Beginn alle Probleme lösen – dazu ist auch noch später Zeit.

Welche Herausforderungen und Änderungen auf Sie zukommen, erfahren Sie im Artikel über die Frühphase der Demenz.

Der Beginn der Demenz

Redaktionelle Bearbeitung: Benjamin Slezak
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