Einem Spielsüchtigen helfen

Hilfe für Spieler

Spielsüchtiger benötigt Hilfe

Als Angehöriger eines spielsüchtigen Menschens haben Sie vermutlich das Bedürfnis zu helfen. Doch in den meisten Fällen ist man wenig erfolgreich: Man stößt auf Ablehnung oder die guten Vorsätze und Versprechen werden schon bald gebrochen. Kann man denn gar nichts tun?

Lesedauer 10 Min.
Thema Glücksspiel
Sucht

Tatsächlich gibt es eine Reihe an Möglichkeiten, Ihrem spielsüchtigen Angehörigen zu helfen. Allerdings sollte man sich keine Wunder erwarten: Eine Sucht überwindet man nicht von heute auf morgen und Rückschläge sind vorprogrammiert.

Als helfender Angehöriger sollten Sie sich über einige Dinge im Klaren sein:

  • Erwarten Sie keinen Dank. Womöglich werden Sie zunächst sogar mit Ablehnung und Ärger konfrontiert.
  • Eine Verhaltensänderung kann immer nur vom Betroffenen selbst ausgehen – Sie können lediglich dabei helfen.
  • Es gibt keine 100% Sicherheit – selbst die beste Hilfe garantiert keine dauerhafte Besserung.
  • Achten Sie auf Ihre eigenen Bedürfnisse und Grenzen.

Motivation

Eine Verhaltensänderung kann sich nur einstellen, wenn Ihr spielsüchtiger Angehöriger das auch möchte. In den meisten Fällen ist die Bereitschaft zu einer Abstinenz allerdings (noch) nicht vorhanden. Daher ist es zunächst wichtig, den Angehörigen zu motivieren.

Motivieren bedeutet jedoch nicht, Druck auszuüben, Drohungen auszusprechen oder ein Ultimatum zu stellen. Versuchen Sie stattdessen, Ihren Angehörigen zu einer Therapie oder zumindest zu der Kontaktaufnahme mit einer Beratungsstelle zu bewegen. Da vielen Betroffenen zunächst die Einsicht fehlt, wird Ihr Vorschlag vermutlich auf wenig Begeisterung stoßen. Hier kann es helfen, mit gutem Beispiel voranzugehen.

Da Sie als Angehöriger ebenfalls unter dessen Sucht leiden, können Sie zunächst selbst Beratung und Hilfe in Anspruch nehmen. So erleichtern Sie nicht nur die eigene Situation, sondern senden auch ein Signal an Ihren Angehörigen: Es ist gut und wichtig, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Der Besuch bei einer professionellen Beratungsstelle ist nichts, wofür man sich schämen müsste.

Betroffene äußern immer wieder verschiedene Gründe, warum sie keine Therapie möchten. In der folgenden Tabelle finden Sie eine Argumentationshilfe:

Einwand Antwort
Man würde sich ja helfen lassen, weiß aber nicht wo. Bieten Sie an, die Suche der passenden Stelle zu übernehmen. Kümmern Sie sich um notwendige Schritte wie die erste Kontaktaufnahme und begleiten Sie Ihren Angehörigen (sofern gewünscht) zum ersten Termin. Eine Übersicht möglicher Hilfsstellen finden Sie hier.
Das Problem soll selbst, ohne externe Hilfe gelöst werden. Die Erfolgschancen sind deutlich geringer. Zeit und Energie wären im Rahmen einer Therapie besser eingesetzt. Es alleine zu versuchen bietet keinerlei Vorteile, warum probiert man es dann nicht gleich „richtig“?
Auch wenn es häufig nicht ausgesprochen wird, Scham und Angst sind ein häufiger Grund, keine professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Viele professionell arbeitende Einrichtungen können auch anonym besucht werden. Darüber hinaus besteht kein Grund für Scham: Spielsucht ist eine Krankheit. Es ist völlig normal, eine Krankheit behandeln zu lassen. Genauso wie es normal ist, mit Fieber einen Arzt aufzusuchen, ist es normal, bei einer Spielsucht auf Hilfe angewiesen zu sein. Knapp 500.000 Menschen leiden in Deutschland unter problematischem Spielverhalten, man ist also nicht alleine.
Weigerung, das Problem einzugestehen Verdeutlichen Sie das Problem anhand nüchterner Zahlen und Fakten, ohne dabei zu urteilen. Verzichten Sie auf Vorwürfe und bleiben Sie möglichst neutral. Finanzielle Probleme sind gut anhand von Zahlen zu belegen. Denken Sie aber auch an andere Lebensbereiche: Das Vernachlässigen von Familie und Hobbys sind ebenso Folgen der Spielsucht wie eine häufige aggressive oder depressive Stimmungslage. Vergleichen Sie beispielsweise die aktuelle Situation mit dem Leben vor der Sucht.

Viele Spielsüchtige begeben sich erst in Behandlung, wenn der äußere Druck zu stark wird. Dazu zählen etwa Probleme in der Familie, mit dem Arbeitgeber oder sogar Strafanzeigen und Gerichtstermine. Es kann sein, dass dieser hohe Druck notwendig ist, um endlich eine Therapie zu beginnen – besser wäre es allerdings, die Krankheit schon früher zu behandeln. Hoher Leidensdruck ist zwar ein guter Motivator, kann aber auch Ängste, Kränkungen und Konflikte fördern. Die Mühen, Ihren Angehörigen über Gespräche und Argumente zu motivieren, sind also in jedem Fall sinnvoll.

Motivation ist ein dynamischer Prozess – die Motivation ändert sich je nach Stimmungslage, Umgebung, Tageszeit, etc... Es kann also vorkommen, dass man von Entscheidungen, die man bei guter Laune getroffenen hat, manchmal schon nach wenigen Stunden nichts mehr hören möchte. Versuchen Sie trotzdem konsequent zu bleiben: Hat Ihr Angehöriger zu einer ersten Kontaktaufnahme mit einer Beratungsstelle zugestimmt, sollten möglichst bald Taten folgen.

Finanzielle Probleme

Früher oder später kommt es zu finanziellen Problemen. Diese werden jedoch zunächst nicht in vollem Ausmaß wahrgenommen. Für den Spieler kann es schwierig sein, sich mit der Realität abzufinden: Er lebt den Traum vom großen Gewinn, vom schnellen Geld und unbegrenzten Möglichkeiten.

Versuchen Sie, Ihrem Angehörigen ein realistisches Bild von seinen Finanzen zu vermitteln – idealerweise, bevor dies die Bank tut. In vielen Fällen wird es auch notwendig sein, den Umgang mit Geld neu zu lernen.

Finanzielle Probleme bei Spielsucht

Selbst hochpreisige Konsumgüter können – verglichen mit Verlusten bzw. Gewinnen beim Spielen – vergleichsweise günstig scheinen. In Phasen der Abstinenz kann es für Spieler verlockend sein, das ansonst verspielte Geld in Konsumgüter zu „investieren“ oder sich für Abstinenz zu belohnen. Das Leben über den eigenen Verhältnissen reduziert auch den Spieldruck: So würden hohe angesparte Geldbeträge verlockend wirken und den Spieler zurück in seine Sucht führen.

Langfristig führen jedoch alle hohen Ausgaben nur zu weiteren Schulden und verzweifelten Versuchen, die Schulden durch abermaliges Spielen zu tilgen.

Leihen Sie Ihrem Angehörigen kein Geld und übernehmen Sie keine Schulden.

Wird sich der Spieler seiner misslichen finanziellen Lage bewusst, kann es zu depressiven Verstimmungen bis hin zu Selbstmordversuchen kommen. Bleiben Sie daher möglichst optimistisch, aber realistisch. Zeigen Sie Möglichkeiten und Wege auf, die Schulden zu reduzieren und bieten Sie Ihre Hilfe bei der Erstellung eines Haushaltsplans bzw. eines Geldmanagements an. Machen Sie aber auch deutlich, dass Sie unter keinen Umständen Geld verleihen oder Schulden übernehmen.

Beim Geldmanagement können Sie folgende Punkte beachten:

  • Erstellen Sie zunächst eine genaue Auflistung aller Schulden. Dazu zählen nicht nur Schulden bei der Bank, sondern auch bei Freunden und Verwandten.
  • Erstellen Sie einen Haushaltsplan:
    1.) Überlegen Sie die monatlichen Einnahmen.
    2.) Notieren Sie nun die unbedingt notwendigen Ausgaben zur Lebensführung. Achten Sie dabei auf eine realistische Einschätzung der Kosten für Nahrungsmittel, laufende Kosten (Wohnen, Versicherungen, Telefon, Abgaben, etc…), Kinder, usw.
    3.) Zählen Sie die Raten für die Schuldenrückzahlung zu den Fixkosten.
  • Führen Sie ein Tagebuch, in dem alle Ausgaben vermerkt werden.
  • Legen Sie gemeinsam einen Betrag zur persönlichen Verfügung fest. Der Betrag sollte (um einem Rückfall vorzubeugen) nicht zu hoch sein. Achten Sie aber darauf, dass ein zu geringer Betrag als Bevormundung oder Beleidigung empfunden werden kann.
  • Richten Sie bei Ihrer Bank jeweils ein Konto zur Abdeckung von Fixkosten und eines zur persönlichen Verfügung ein. Achten Sie darauf, dass der spielsüchtige Angehörige keinen Zugriff auf das Fixkosten-Konto hat und das persönliche Konto nicht überziehen kann.
  • Bedenken Sie, dass die komplette Übernahme der Geldverwaltung als Eingriff in die persönliche Freiheit empfunden werden kann. Weitere Tipps finden Sie hier.
  • Überprüfen Sie regelmäßig, ob alle notwendigen Rechnungen bezahlt wurden und die Kontoauszüge zu den Vereinbarungen passen.

Motivation ist nicht nur zur Einhaltung der Abstinenz notwendig, sondern auch zum langsamen Abtragen der Schulden.

Verantwortung für sich selbst

Spielsucht betrifft nur selten den Spieler alleine. Das soziale Umfeld, die Familie und der Partner leiden in den meisten Fällen ebenso unter der Krankheit. Als Angehöriger zählen Sie also auch zum betroffenen Personenkreis: Nicht nur der Spielsüchtige benötigt Hilfe, auch Sie verdienen Unterstützung.

In diesem Sinne sollten Sie also auch überlegen, wie Sie sich selbst helfen können. Zunächst betrifft dies die finanzielle Sicherheit: Richten Sie sich ein eigenes Konto ein, auf das nur Sie Zugriff haben. Sorgen Sie dann im Rahmen eines gemeinsamen Geldmanagements dafür, dass eine Reserve für Notfälle auf Ihrem privaten Konto bleibt.

Aber auch Ihr emotionales Wohlbefinden ist wichtig! Sorgen Sie für einen Ausgleich und halten Sie sich Freiräume offen. Versuchen Sie, so gut es eben geht, die Sucht nicht auch zu Ihrem Problem werden zu lassen. Vermutlich haben Ihnen die Folgen der Spielsucht auch schon einige schlaflose Nächte bereitet. Nehmen Sie sich hin und wieder eine kurze Auszeit und gönnen Sie sich genügend Erholung.

Eine Suchterkrankung kann sich über mehrere Jahre erstrecken. Sie müssen also lernen, mit Ihrer Kraft sorgsam umzugehen. Fragen Sie bei Freunden und Verwandten um Hilfe, sobald Sie merken, an Ihre Grenzen zu stoßen. Denken Sie auch an die Möglichkeit einer professionellen Beratung oder Selbsthilfegruppe.

Es ist völlig normal, wenn Sie von Rückfällen frustriert und enttäuscht sind. Rückschläge sind ein Teil des Heilungsprozesses und sollten nicht überbewertet werden. Viele Angehörige haben dann das Gefühl, nicht genug getan zu haben oder womöglich sogar selbst Mitschuld an der Sucht zu tragen. Solche Gedanken sind in der Regel unbegründet – die Verantwortung für das Spielen trägt der Spieler allein.

Wenn das Kind spielsüchtig ist

In vielen Fällen handelt es sich bei dem spielsüchtigen Angehörigen um das eigene Kind. Da sich eine Spielsucht häufig im jungen Erwachsenenalter entwickelt, wohnen viele Spieler bei ihren Eltern. Dazu kommt, dass durch die finanziellen Probleme das Wohnen im Elternhaus die einzige leistbare Möglichkeit ist.

Für Eltern ist das eine schwierige Situation: Sie möchten dem Kind helfen, finanzieren häufig aber nur dessen Sucht. Manchmal geben sich die Eltern auch eine Mitschuld an der Erkrankung und haben nun das Gefühl, als Eltern versagt zu haben.

Wenn Sie ein betroffener Elternteil sind, sollten Sie einige Dinge beachten:

  • Übernehmen Sie keine Schulden und lassen Sie sich nicht zur Finanzierung der Sucht drängen.
  • Es ist gut, wenn Sie Verantwortung für Ihr Kind übernehmen möchten, Sie sind aber nicht für die Sucht verantwortlich.
  • Sie können eine wichtige Rolle im Therapieprozess spielen, lassen Sie sich dazu von einer professionellen Spielerberatungsstelle helfen.
  • Die Persönlichkeit Ihres Kindes kann durch die Spielsucht (oder die Therapie) verändert sein. Dadurch kann es notwendig sein, die alte, gewohnte Form des Familienlebens den neuen Gegebenheiten anzupassen.
  • Lassen Sie dem Kind – trotz allem – genügend Freiräume, den eigenen Weg zu gehen.
  • Versuchen Sie sich als Eltern zu emanzipieren: Indem Sie Ihr eigenes Leben nach Ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen gestalten, helfen Sie auch Ihrem Kind, schneller in ein eigenständiges, selbstbestimmtes Leben zu finden.
  • DHS: Suchtmedizinische Reihe Band 6: Pathologisches Glücksspielen
  • Meyer, Bachmann: Spielsucht - Ursachen, Therapie und Prävention von glücksspielbezogenem Suchtverhalten
  • Batthyány, Pritz: Rausch ohne Drogen - Substanzungebundene Süchte
Redaktionelle Bearbeitung: Benjamin Slezak
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