Spielsucht erkennen Bin ich spielsüchtig?

Freundin erkennt Spielsucht

Viele Spielsüchtige können sich ihre Abhängigkeit nicht eingestehen. Das macht es auch für Angehörige schwieriger, die Spielsucht zu bemerken und rechtzeitig Hilfe anzubieten. Doch woran erkennt man überhaupt krankhaftes Spielen?

Lesedauer 12 Min
Thema Glücksspiel
Sucht

Zunächst ist es wichtig, normales Spielen von problematischem Glücksspiel zu unterscheiden. Nicht jeder Besucher eines Kasinos ist süchtig und nicht jede Pokerrunde unter Freunden ist ein Grund zu Sorge.

Ab wann ist man spielsüchtig?

Zunächst sollte man sich eine einfache Frage stellen: Verursachen meine Spielgewohnheiten Probleme? Dabei geht es nicht ausschließlich um finanzielle Belastungen. Streit mit dem Partner, Schwierigkeiten in der Familie oder das Vernachlässigen von Hobbys und Freunden können gleichermaßen unerwünschte Folgen des Glücksspiels sein.

Problematisches Spielverhalten ist ein Hinweis für eine mögliche Spielsucht, ist mit dieser aber nicht gleichzusetzen.

Ein problematisches Spielverhalten bedeutet nicht automatisch, spielsüchtig zu sein. Trotzdem kann es sinnvoll sein, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wenn Sie die ersten negativen Auswirkungen ihres Spielverhaltens bemerken, ist es an der Zeit, das eigene Handeln kritisch zu hinterfragen. Eine Spielsucht geht immer – wie der Name schon sagt – mit einem suchthaften Verhalten einher. Der Spielsüchtige nimmt die Probleme seiner Spielgewohnheiten in Kauf, kann aber trotz absehbarer Folgeschäden sein Verhalten nicht ändern.

Woran erkennt man Spielsucht?

Die Merkmale des Suchtverhaltens betreffen verschiedene Bereiche:

Bereich Merkmale
Verhalten
  • Häufiges und langes Spielen
  • Kontrollverlust nach Beginn des Spielens
  • Gefühl, nicht mehr aufhören zu können
  • Wiederholtes Spielen trotz der Absicht, damit aufzuhören
  • Überschreiten von selbst gesetzten Limits
  • Rückzug aus dem sozialen Umfeld, Vernachlässigen von Freunden und Familie
  • „Schutzmaßnahmen“ wie beispielsweise das Anlegen von Gelddepots
  • Toleranzentwicklung, stetig steigende Einsätze
  • Rituale und Aberglaube, um die Gewinnchancen (scheinbar) zu verbessern

Folgen

  • Hohe, regelmäßige finanzielle Verluste
  • Folgeschäden wie beispielsweise Probleme in der Familie oder Partnerschaft
  • Psychische Entzugssymptome, wie z.B. Ruhelosigkeit oder Nervosität
  • Kriminelle Handlungen zur Geldbeschaffung
  • Verschuldung
Emotionen
  • Unfähigkeit, längere Zeit ohne Spielen auszukommen
  • Schuldgefühle
  • Drang, erlittene Verluste wieder auszugleichen
  • Gedanken kreisen regelmäßig um das Spielen
  • Beruf, Familie und Hobbys treten in den Hintergrund, die Freizeit wird mit Spielen verbracht

Problematisches Spielen und Spielsucht hängen nicht von Gewinn oder Verlust ab. Ein finanzieller Gewinn kann das Erkennen von problematischem Spielverhalten sogar erschweren. Die Betroffenen haben dann subjektiv „alles richtig“ gemacht, schließlich haben sie ja in kurzer Zeit hohe Geldbeträge gewonnen.

Typische Verhaltensweisen von Spielern

Leider können die Symptome einer Spielsucht von Angehörige kaum erkannt werden. Wie soll man die Gedanken und Emotionen des Betroffenen kennen? In den meisten Fällen ist man während des Spielens nicht anwesend oder kennt die finanzielle Situation des Spielers nicht in allen Details.

Hier hilft es, auf typische Verhaltensweisen von Spielsüchtigen zu achten. Sie sind zwar kein sicherer Nachweis einer Spielsucht, können aber Hinweise darauf geben.

Zu den typischen Verhaltensweisen zählen:

  • Vernachlässigen von Partnerschaft und Familie
  • Spielen ersetzt frühere Hobbys und Freizeitaktivitäten
  • Spielen bis spät in die Nacht
  • Schuldzuweisungen
  • Lügen und Verheimlichen
  • Es wird von hohen Gewinnen erzählt, Verluste werden verschwiegen
  • Geringe Motivation in Beruf oder Ausbildung
  • Gesteigertes Selbstwertgefühl bei Gewinnen
  • Verkauf von persönlichen Dingen aber auch Familienbesitz
  • Häufiges Ausleihen von Geld
  • Depressive Verstimmungen
  • Aussagen, ein Experte bei Glücksspielen zu sein
  • Bagatellisieren von Verlusten

Früherkennung von Spielsucht

Spielsucht entsteht häufig im Jugendalter. Allerdings dauert es oft Jahre, bis die Abhängigkeit erkannt und behandelt wird. Ein möglichst frühes Erkennen des problematischen Verhaltens wäre also wünschenswert. Allerdings ist eine Früherkennung schwierig: Die typischen Verhaltensweisen sind womöglich noch nicht so stark ausgeprägt und Folgeschäden noch nicht sichtbar.

Hier hilft vor allem eine gute Gesprächsbasis mit den Betroffenen. Schildern Sie Ihre Sorgen und Beobachtungen, ohne dabei zu bewerten oder über das Verhalten zu urteilen. Versuchen Sie, das Gespräch ruhig zu führen und drängen Sie nicht. Akzeptieren Sie auch, wenn Ihr Angehöriger gerade keine Lust auf ein Gespräch hat und versuchen Sie es dann einfach nach einiger Zeit wieder.

Versuchen Sie das Gespräch möglichst unvoreingenommen zu führen. Es kann sein, dass Ihr Angehöriger andere Probleme hat, die nicht unbedingt mit Glücksspiel zu tun haben.

Achten Sie auch auf folgende Hinweise:

  • Verwendung von Ausdrücken aus der „Spielersprache“
  • Verfügt plötzlich über hohe Summen
  • Häufige Geldsorgen
  • Größere Geldsummen im Portemonnaie
  • Vernachlässigung von Freunden und Hobbys
  • Lügen über das wahre Ausmaß des Spielens bzw. der Verluste
  • Probleme in der Schule, Lehrstelle oder Arbeitsplatz
  • Häufige Fehlzeiten
  • Körperliche Erschöpfung
  • Prahlen mit Geld
  • Besitz von Dingen wie Lose, Wettscheine, Chips, usw.

Viele dieser Dinge können, müssen aber kein Hinweis für eine Spielsucht sein. Beispielsweise können Schulprobleme oder das Vernachlässigen von Freunden unzählige andere Gründe haben. Eine Früherkennung der Spielsucht ist daher schwierig – ein gutes Gespräch mit dem Betroffenen kann durch Beobachtung von Verhaltensweisen nicht ersetzt werden.

Bin ich spielsüchtig?

Falls Sie sich selbst Sorgen um Ihr Spielverhalten machen, fällt es tatsächlich leichter, problematische Verhaltensweisen zu erkennen. Schließlich wissen Sie am besten, wie Sie sich in bestimmten Situationen verhalten, wie Sie sich dabei fühlen und welche Gedanken Sie dabei beschäftigen.

Freundin erkennt Spielsucht
Das Erkennen einer Spielsucht erfordert viel Selbstkritik.

Trotzdem fällt es den meisten Menschen schwer, sich problematisches Spielverhalten einzugestehen. Versuchen Sie Ihre Spielgewohnheiten von „außen“ zu betrachten und bleiben Sie dabei so ehrlich wie möglich. Wie würde ein Außenstehender Sie beurteilen, wenn er wüsste, was Sie wissen?

Denken Sie auch über Probleme nach, die womöglich durch Ihre Spielgewohnheiten entstanden sind. Vergessen Sie dabei nicht, dass nicht nur finanzielle Verluste zählen. Genauso wichtig sind Schwierigkeiten in der Beziehung, verlorene Lebensfreude oder Zukunftsängste.

Neben den bereits erwähnten Hinweisen auf eine Spielsucht können Sie als Betroffener auf Dinge achten, die anderen Menschen verborgen bleiben.

Dazu zählen:

  • Sehnsüchtiges Warten auf die Öffnung des Kasinos oder der Spielstätte
  • Die Überzeugung oder das Gefühl, den Ausgang des Spiels durch Handlungen, Rituale oder Fachwissen beeinflussen zu können
  • Gleichzeitiges Spielen an mehreren Automaten
  • Schuldzuweisung, z.B. war der Automat, der Croupier oder Mitspieler für den Verlust verantwortlich
  • Gewaltanwendung gegenüber Spielautomaten
  • Steigerung von Einsätzen
  • Das Bedürfnis, Verluste durch höhere Einsätze auszugleichen
  • Anwenden von Gewinnstrategien und Gewinnsystemen
  • Überschreiten selbst gesetzter Limits
  • Besuch von Spielbanken oder Kasinos, obwohl man sich vorgenommen hat, die Besuche zu reduzieren
  • Fehlende Freude bei Gewinnen

Es ist normal, sich die eigene Abhängigkeit zunächst nicht eingestehen zu können. Allerdings ist es ein wichtiger, erster Schritt um die Sucht zu überwinden.

Falls Sie überlegen, ob Sie spielsüchtig sein könnten, wird dies vermutlich einen Grund haben. Besprechen Sie diesen Gedanken doch einfach bei einer professionellen Beratungsstelle. Selbst wenn Sie nicht abhängig sind, ist es immer gut, das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck von Verantwortung und Reife.

  • Meyer, Bachmann: Spielsucht - Ursachen, Therapie und Prävention von glücksspielbezogenem Suchtverhalten
  • Batthyány, Pritz: Rausch ohne Drogen - Substanzungebundene Süchte
  • DHS: Suchtmedizinische Reihe Band 6: Pathologisches Glücksspielen
Redaktionelle Bearbeitung: Benjamin Slezak
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