Spielsucht Pathologisches Spielen

Glücksspiel trotz Spielsucht

Eine Spielsucht kann für Betroffene und Angehörige jahrelanges Leid bedeuten: Finanzieller Ruin, sozialer Abstieg und zerbrochene Familien sind mögliche Folgen. Zudem kann sie zu anderen Erkrankungen wie Depressionen, Angst- und Persönlichkeitsstörungen und Suchtmittelkonsum führen. 

Lesedauer 12 Min
Thema Glücksspiel
Sucht

Wie die meisten Suchterkrankungen entwickelt sich eine Spielsucht über Jahre hinweg. In allen Phasen der Erkrankung ist Hilfe möglich, die Heilungschancen steigen jedoch bei frühem Behandlungsbeginn. Daher wäre ein rechtzeitiges Erkennen wichtig, allerdings sind die Merkmale der Spielsucht in der Anfangsphase leicht zu übersehen.

Anhand welcher Merkmale Sie eine Spielsucht erkennen können erfahren Sie hier:

Symptome der Spielsucht
Eine Spielsucht erkennen
Die Phasen der Spielsucht

Risikogruppe Spielsucht

Besonders gefährdet sind Jugendliche und junge Erwachsene. Als Grund wird eine erhöhte Risikobereitschaft und ein höheres Verlangen nach Erregung vermutet. Zwar scheinen Männer mehr gefährdet zu sein, allerdings hat der Anteil von Frauen in den letzten Jahren stetig zugenommen.

Warum verlieren Spielsüchtige so häufig?

Im Verlauf der Spielsucht geht die Kontrolle über das Spielverhalten verloren. Dadurch werden häufig unverhältnismäßig hohe Risiken eingegangen, es wird kaum noch vernunftgesteuert gespielt. Dazu kommen eine sogenannte Kontrollillusion und eine kognitive Verzerrung: Der Spieler hat das Gefühl, den Ausgang des Glückspiels kontrollieren zu können. Zu diesen abergläubischen Vorstellungen zählen etwa:

  • Ein besonderer Platz oder Automat würde höhere Gewinne erlauben.
  • Bestimmte Rituale, welche die Gewinnchancen erhöhen.
  • Tricks“, wie beispielsweise eine besondere Art Tasten am Automaten zu drücken.
  • Ein „Gefühl“ dafür, wann große Gewinne kurz bevorstehen.
  • Nutzen von besonders „glücklichen“ Tageszeiten oder „Glückssträhnen“.
  • Meiden von Personen oder Situationen, die einem „Pech“ bringen.
  • Umdeuten eines Verlustes auf einen „Fast-Gewinn“, z.B. wenn man knapp verloren hat.

Dazu kommt das Grundprinzip aller Glücksspiele: Langfristige Gewinne sind nicht möglich. Bei pathologischen Spielern stellen sich schon aufgrund der hohen Spielfrequenz zwangsweise Verluste ein.

Der durchschnittlich zu erwartende Gewinn ist bei Glücksspielen immer negativ. Das bedeutet, dass man beim einmaligen Spiel noch durchaus realistische Chancen auf einen Gewinn hat. Bei wiederholtem Spielen sinkt jedoch die Wahrscheinlichkeit auf einen (Gesamt-)Gewinn. Da pathologische Spieler aber sehr häufig spielen, haben sie praktisch keine Chance, langfristige Verluste zu vermeiden.

Bin ich spielsüchtig?

Zunächst sollte zwischen normalem Spielen, problematischen Spielen und pathologischem (süchtigem) Spielen unterschieden werden. Wenn Sie vermuten, dass Ihre Spielgewohnheiten bereits problematisch sind, helfen Ihnen folgende einfache Fragen weiter:

  • Investiere ich einen Großteil meiner Freizeit ins Glücksspiel?
  • Habe ich die Einsätze während der letzten Monate deutlich gesteigert?
  • Habe ich meine Ersparnisse für das Glücksspiel verwendet?
  • Neige ich dazu, mein Spielverhalten bzw. Verluste zu bagatellisieren?
  • Hatte ich bereits Probleme in der Familie oder mit dem Partner aufgrund meiner Spielgewohnheiten?
  • Verstecke ich das wahre Ausmaß vor meinen Angehörigen und Freunden?

Um abschätzen zu können, ob Ihr Spielverhalten bereits pathologisch ist, können Sie folgende Aussagen als Hilfe heranziehen. Bei mehr als zwei Zustimmungen sollten Sie Ihr Spielverhalten von einer professionellen Beratungsstelle abklären lassen:

  • Ich spiele so lange, bis ich kein Geld mehr habe.
  • Wenn ich verliere, empfinde ich das als persönliche Niederlage, die ich wettmachen möchte.
  • Das Glücksspiel beherrscht meine Gedanken, ich spüre einen inneren Drang bald wieder zu spielen.
  • Um das nötige Geld zu beschaffen, habe ich andere schon belogen und betrogen.

Darüber hinaus finden Sie hier einen Artikel zum Erkennen von Spielsucht. Werfen Sie auch einen Blick auf die Symptome der Spielsucht. Erkennen Sie bestimmte Merkmale wieder?

Kann man von Spielsucht geheilt werden?

Ja. Ziel der Behandlung ist langfristige Abstinenz. Der Weg dorthin kann mühsam sein und dauert oft Jahre. Eine Heilung ist aber immer, in jeder Phase der Spielsucht möglich. Mehr Informationen zur Therapie der Spielsucht erfahren Sie hier.

Therapie der Spielsucht

Wie entsteht eine Spielsucht?

Eine Spielsucht entsteht meistens schleichend über mehrere Jahre. Das Spielverhalten ist zunächst unauffällig und weitgehend normal. Während der ersten Phase stehen kleine Gewinne und optimistische Zukunftsaussichten im Vordergrund. In dieser Gewinnphase besteht noch keine Abhängigkeit, es werden jedoch die Grundlagen dafür gelegt.

Nicht jeder Spieler wird spielsüchtig, aber jeder Spielsüchtige hat einmal klein angefangen.

Während der zweiten, kritischen Phase nehmen die durch das Spielen ausgelösten Probleme zu. Wird nun versucht, die (finanziellen) Schwierigkeiten durch weiteres Spielen zu „lösen“, droht ein Teufelskreis.
Mehr Wissenswertes zu den einzelnen Phasen einer Spielsucht erfahren Sie in diesem Artikel.

Phasen der Spielsucht

Was sind die Folgen der Spielsucht?

Früher oder später stellen sich große Verluste ein. In den meisten Fällen können die finanziellen Einbußen nicht durch das normale Einkommen gedeckt werden, es müssen Kredite aufgenommen werden. Häufig wird Geld aus dem Freundeskreis oder der Familie geborgt, eine Rückzahlung ist aber bei bestehender Spielsucht kaum möglich.

Die finanziellen Verluste können existenzbedrohend sein, dies führt in der Regel zu Problemen mit dem Partner und der Familie. Im Verlauf der Spielsucht kommt es in vielen Fällen zu Scheidungen, Jobverlust und einem Rückzug aus dem bisherigen Freundeskreis. Begleitet wird dies von einem sozialen Abstieg und fehlenden Zukunftsperspektiven.

Die Spätphase der Spielsucht ist durch hohe Schulden, Hoffnungslosigkeit und depressiven Verstimmungen geprägt. Häufig kommt es zu einer Veränderung der Persönlichkeit, Angststörungen und Alkoholmissbrauch. Weitere Folgen können sein:

  • Panikreaktionen
  • kriminelles Verhalten, Beschaffungskriminalität
  • Selbstmordgedanken
  • Verlust der Selbstachtung, Scham, Aggressivität
  • Fremdverwaltung des Vermögens
  • Negative Auswirkungen auf Kinder
  • DHS: Suchtmedizinische Reihe Band 6: Pathologisches Glücksspielen
  • Meyer, Bachmann: Spielsucht - Ursachen, Therapie und Prävention von glücksspielbezogenem Suchtverhalten
  • Batthyány, Pritz: Rausch ohne Drogen - Substanzungebundene Süchte
Redaktionelle Bearbeitung: Benjamin Slezak
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