Martingale Strategie

Gewinn dank der Martingale Strategie

Die Martingale-Strategie ist eine Gewinnstrategie, die bei Glücksspielen und Wetten eingesetzt wird. Häufig als „Trick“ für sichere Gewinne beworben, führt sie jedoch früher oder später zu einem Verlust. Wir betrachten die Funktionsweise und erklären, warum ein langfristiger Gewinn nicht möglich ist.

Lesedauer 12 Min
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Thema Glücksspiel

Tatsächlich funktioniert die Martingale-Strategie erstaunlich einfach: Bei jedem Verlust wird der Einsatz erhöht, um im Falle eines Gewinns den eben erlittenen Verlust auszugleichen. Das Ausmaß der Erhöhung hängt von der Gewinnquote ab.

Beispiel für die Martingale-Strategie

Ein Spieler setzt beim Roulette stets auf Rot. Bei einem Gewinn gewinnt der Spieler die Höhe seines Einsatzes, verdoppelt also seinen Einsatz. Bei einem Verlust verliert er den Einsatz.

Nun verdoppelt der Spieler bei jedem Verlust seinen Einsatz. Er macht das so lange, bis sich früher oder später ein Gewinn einstellt. Der Gewinn reicht nun aus, um alle verlorenen Einsätze auszugleichen.

Betrachten wir den Spielverlauf:

Runde Einsatz Ergebnis Gewinn Gesamt
1 100 € verloren -100 € -100 €
2 200 € verloren -200 € -300 €
3 400 € verloren -400 € -700 €
4 800 € verloren -800 € -1500 €
5 1600 € gewonnen 1600 € 100 €

Obwohl der Spieler 4 von 5 Spielen verloren hat, erzielt er am Ende der Serie trotzdem einen Gesamtgewinn. Der Spieler geht nun davon aus, dass bei einer 50:50 Chance früher oder später zumindest ein Spiel gewonnen wird. Schließlich wäre es sehr unwahrscheinlich, bei einer 50:50 Chance über 10 Spiele kein einziges Mal zu gewinnen.

Warum die Martingale Strategie nicht funktioniert

Auf den ersten Blick scheint die Strategie sehr gut zu funktionieren. Setzt man sie einige Male ein, stellt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit tatsächlich ein Gesamtgewinn ein. Warum sollte man die Strategie also nicht anwenden?

Tatsächlich ist die Martingale Strategie keineswegs ein Garant für einen sicheren Gewinn. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Der Spieler kann sich eine Verdoppelung des Einsatzes womöglich nicht mehr leisten.
  • Das Kasino oder der Spielautomat verhindert durch ein Limit das Verdoppeln des Einsatzes.
  • Gewinn und Verlust sind – beispielsweise beim Roulette – nicht 50:50 verteilt. Da auch die Zahl 0 getroffen werden kann, sind Verluste häufiger zu erwarten als Gewinne.

Was passiert, wenn man Martingale spielt?

Viele Spieler setzen trotzdem auf die Martingale-Strategie. Sie gehen davon aus, dass es fast unmöglich wäre, so oft hintereinander zu verlieren, die Limits würden schlicht nie erreicht werden. Das Risiko einer 0 gehen sie in Anbetracht vermeintlich sicherer Gewinne gerne ein.

Tatsächlich ist das Risiko eines Totalverlusts durchaus realistisch: Die Limits werden schneller erreicht als man vermuten würde.

Anhand unseres Beispiels mit 100 € Einsatz merkt man, wie kostspielig eine Serie von 10 verlorenen Spielen wäre:

Runde Einsatz
1 100 €
2 200 €
3 400 €
4 800 €
5 1.600 €
6 3.200 €
7 6.400 €
8 12.800 €
9 25.600 €
10 51.200 €

Beim 10. Spiel würde man also bereits über 51.000 € setzen müssen, nur um einen Gesamtgewinn von 100 € zu erreichen. Verliert man diese Runde jedoch auch noch, würde man mit einem Gesamtverlust von 102.300 € nach Hause fahren.

Beim letzten Spiel hätte man also im Falle eines Verlustes 102.300 € Tagesverlust, bei einem Gewinn jedoch nur 100 € Tagesgewinn.

Nun wenden viele Spieler ein, dass es doch sehr unwahrscheinlich wäre, 10 Spiele in Serie zu verlieren. Tatsächlich kommt dies relativ häufig vor, die Wahrscheinlichkeit beträgt etwas über 0,1275 Prozent. Die Zahl hört sich zwar sehr gering an, durch die hohe Anzahl an Durchgängen stellt sich der Totalverlust aber trotzdem regelmäßig ein.

Darin liegt auch die große Gefahr der Martingale: Sie „funktioniert“ die ersten Male scheinbar sehr gut, wenn sie dann jedoch einmal nicht funktioniert wird es sehr kostspielig.

Trigger und Angriffssignale

Wenn die Wahrscheinlichkeit für 10 mal die falsche Farbe 0,1275% beträgt, wie hoch ist dann die Wahrscheinlichkeit für 15 mal die falsche Farbe? Natürlich deutlich geringer! Diesen Umstand möchten manche Spieler nutzen.

Ihre Idee:

Man müsse nur warten, bis 5x hintereinander die falsche Farbe getroffen wird. Das ist dann ihr „Trigger“ oder „Angriffssignal“, um mit der Martingale Strategie zu starten. Zwar bedeuten 10 Fehlschläge hintereinander einen Totalverlust – da aber davor schon 5 mal die falsche Farbe gefallen ist, wäre es im Falle eines Totalverlustes insgesamt 15 mal die falsche Farbe. Und 15 mal hintereinander die falsche Farbe, das wäre doch sehr unwahrscheinlich!

Tatsächlich ist diese Annahme falsch. Die einzelnen Ergebnisse sind voneinander unabhängig, die letzten 5 Spieldurchgänge beeinflussen nicht die nächsten 10 Durchgänge. Die nachträgliche Betrachtung der Eintrittswahrscheinlichkeit hilft dem Spieler nicht: Zu dem Zeitpunkt, an dem bereits 5 mal die falsche Farbe gefallen ist, geht es um die kommenden 10 Runden, nicht um die kommenden 15 Runden.

Varianten der Martingale Strategie

Über die Jahre haben sich verschiedene Varianten der klassischen Martingale Strategie etabliert. Ein großer Nachteil der klassischen Gewinnstrategie ist das notwendige Verdoppeln der Einsätze. Dadurch stößt man vergleichsweise schnell an Limits oder kann sich ein Verdoppeln schlicht nicht mehr leisten.

Die Varianten ermöglichen ein geringeres Erhöhen des Einsatzes: Während bei der klassischen Martingale alle Verluste durch einen einzigen Gewinn ausgeglichen werden, versuchen die Varianten beispielsweise zwei Verluste durch einen Gewinn auszugleichen. Die Idee dahinter ist simpel: Wenn Gewinne und Verluste gleichermaßen häufig sind, wäre eine Strategie, die selbst mit häufigeren Verlusten noch funktioniert, sicher erfolgreich.

Tatsächlich führen jedoch alle Varianten der Martingale Strategie auf lange Sicht zu einem Verlust. Kasino- und Automatenspiele sind keine fairen Glücksspiele, die Bank sichert sich stets einen Vorteil. Selbst wenn dieser Bankenvorteil sehr gering erscheint, reicht er dennoch aus – egal mit welcher Strategie – einen langfristigen Gewinn zu verunmöglichen.

Eine Übersicht der verschiedenen Gewinnsysteme finden Sie hier.

Gewinnsysteme beim Glücksspiel

Wahrscheinlichkeit eines Totalverlusts

Die Martingale Strategie funktioniert nur, wenn sich innerhalb relativ kurzer Zeit zumindest ein Gewinn einstellt.

Doch wie wahrscheinlich ist es, dass in den nächsten Runden kein Gewinn erfolgt?
Folgende Tabelle gibt die Wahrscheinlichkeit für einen ausbleibenden Gewinn beim Spiel auf einfache Chancen (Roulette) an:

Runden Wahrscheinlichkeit für ausbleibenden Gewinn
1 51 %
2 26 %
3 13,5 %
4 7 %
5 3,6 %
6 1,8 %
7 0,94 %
8 0,48 %
9 0,248 %
10 0, 128 %
Redaktionelle Bearbeitung: Benjamin Slezak
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