Missbrauch von Medikamenten

Medikamentenmissbrauch

Medikamente werden missbraucht

Wir nehmen Medikamente, damit es uns besser geht. Sei es zur Behandlung von Schmerzen oder um Krankheitssymptome zu lindern. Gerade weil manche Medikamente gut wirken, kann es verlockend sein, sie häufiger oder in höheren Dosen zu verwenden, als ursprünglich verordnet. Doch was sind die Risiken eines solchen Missbrauchs?

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Unter Medikamentenmissbrauch versteht man eine vom ursprünglichen Zweck abweichende Verwendung. Missbrauch unterscheidet sich vom sogennanten "off label"-Gebrauch und ist nicht gleichbedeutend mit einer Medikamentenabhängigkeit.

Off Label Use

Manchmal möchten Ärzte ein Leiden mit einem Medikament behandeln, welches nicht dafür zugelassen wurde. Der Einsatz erfolgt also "Off Label": Er erfüllt einen medizinischen Zweck und gilt daher nicht als Missbrauch.

"Off-Label-Use" bedeutet also, ein Medikament abseits des ursprünglich angedachten Anwendungsbereich sinnvoll einzusetzen. Ebenso spricht man vom "Off Label"-Gebrauch, wenn Medikamente außerhalb der empfohlenen Alters- bzw. Zielgruppe verschrieben werden.

Ein Off-Label-Use ist also nichts Schlechtes: Ihr Arzt wägt Nutzen und Risiken ab und wird das Medikament nur verordnen, wenn es sinnvoll und sicher ist. Das bedeutet aber auch, dass die Einnahme nur nach einer vorherigen Abklärung durch Ihren Arzt erfolgen darf!

Unterschied Medikamentenmissbrauch und Medikamentensucht

Von einem Missbrauch spricht man, wenn das Präparat nicht bestimmungsgemäß angewendet wird. Das ist nicht gleichbedeutend mit einer Sucht: So können beispielsweise Antidepressiva missbraucht werden, sie machen jedoch nicht abhängig.

Ein Medikamentenmissbrauch muss nicht unbedingt in einer Abhängigkeit enden. Einige Medikamente haben ein hohes Missbrauchspotential, ohne eine Abhängigkeit zu verursachen.

Leider ist das kein Grund für Entwarnung: Viele der Medikamente, welche regelmäßig missbraucht werden haben auch ein Suchtpotential.

Dazu kommt, dass ein Missbrauch - selbst ohne Abhängigkeit - immer ein gesundheitliches Risiko bedeutet. Medikamente werden aus gutem Grund nur für bestimmte Zwecke zugelassen, ein Missbrauch kann zu bleibenden Schäden und unerwarteten Nebenwirkungen führen.

Weiter Informationen zur Medikamentenabhängigkeit finden Sie hier.

Medikamentenabhängigkeit und Tablettensucht

Welche Medikamente verleiten zu Missbrauch?

Grundsätzlich könnte jedes Medikament missbraucht werden. Praktisch kommt es aber nur bei bestimmten Präparaten bzw. Wirkstoffen zu häufigem Missbrauch. Dabei kann zwischen Medikamentenmissbrauch mit und ohne dem Risiko einer Abhängigkeit unterschieden werden.

Bei folgenden Medikamentengruppen kann es zu einem Missbrauch kommen, es besteht aber keine oder nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit einer Abhängigkeit im engeren Sinn:

  • Antidepressiva
    Wirken langfristig und ein erster Effekt tritt erst nach Tagen bis Wochen ein. Missbrauch findet gelegentlich statt, indem Dosis bzw. Dauer eigenmächtig erhöht werden.
  • Antihistaminika
    Dienen zur Behandlung allergischer Reaktionen. Können die Wirkung bestimmter Suchtmittel wie beispielsweise Alkohol verstärken.
  • Analgetika / Schmerzmittel
    Zu häufige oder überdosierte Einnahme können Kopfschmerzen auslösen, die nicht durch eine weitere Einnahme der Schmerzmittel behandelt werden dürfen.
  • Ephedrin
    Wird als Wirkstoff bei Erkältungen und Asthma verwendet. Schwaches Suchtpotential.
  • Abführmittel und Entwässerungsmittel
    Werden häufig zur raschen Gewichtsreduktion missbraucht.
  • Abschwellender Nasenspray
    Manche Nasensprays haben eine abschwellende Wirkung auf die Nasenschleimhaut. Sie dürfen nur wenige Tage verwendet werden, ansonsten droht eine Schädigung der Schleimhaut und ein durch das Medikament ausgelöster Schnupfen.
  • Beta-Blocker
    Dienen zur Behandlung von Bluthochdruck. Werden manchmal zur Bewältigung von Stress- und Angstsituationen (z.B.: Lampenfieber, Prüfung) missbraucht.

Einige Medikamente können bei wiederholtem Missbrauch abhängig machen. Eine Liste der entsprechen Wirkstoffe finden Sie hier.

Medikamente mit Suchtgefahr

  • DHS: DHS Suchtmedizinische Reihe Band 5: Medikamente
  • Thomas Geschwinde, Springer: 8. Auflage
Redaktionelle Bearbeitung: Benjamin Slezak
Erste Veröffentlichung:
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