Was macht ein Psychiater? Wann Sie sich an einen Psychiater wenden sollten

Ein Psychiater bei der Arbeit

Wer psychische Probleme hat und sich in Behandlung begeben möchte, steht vor einer Entscheidung: An wen soll ich mich wenden? Psychiater, Therapeut, Psychologe, Neurologe oder Hausarzt? Wir erklären, wann ein Psychiater die Ansprechperson sein sollte.

Lesedauer 12 Min
Psychische Erkrankungen
Schwerpunkt Behandlung

Leider ist eine psychiatrische Behandlung noch immer mit vielen Vorurteilen behaftet. Viele Patienten fühlen sich bereits bei dem Gedanken daran unwohl. Tatsächlich sind jedoch viele der Ängste unbegründet, schließlich ist der Psychiater ein Facharzt für viele seelische Leiden.

Vielleicht gehören Sie auch zu den Menschen, die den Besuch beim Psychiater so lange wie möglich hinauszögern. Dabei wäre es bei vielen Leiden wichtig, frühzeitig mit einer Behandlung zu beginnen. Es gibt wirklich keinen Grund zur Sorge. Viele Menschen fühlen sich nach dem ersten Besuch besser und der Lösung ihrer Probleme einen Schritt näher.

Verschreibt der Psychiater immer Medikamente?

Häufig wird die Arbeit des Psychiaters mit dem Verschreiben von Medikamenten verbunden. Manche Patienten lassen sich von dieser Vorstellung abschrecken – sie wollen unter keinen Umständen psychopharmakologische Medikamente einnehmen.

Tatsächlich kann in vielen Fällen eine Behandlung auch ohne Medikamente erfolgen. Der Psychiater kann beurteilen, ob ein Medikament wirklich notwendig ist und gegebenenfalls Alternativen aufzeigen. Unter Umständen wird er Ihnen raten, eine Psychotherapie zu beginnen.

Die Entscheidung, ob Sie nun lieber zum Therapeuten oder Psychiater gehen sollten, kann also gemeinsam mit einem Experten getroffen werden.

Auch wenn Sie eine Psychotherapie bevorzugen, sollten Sie zumindest einmal einen Psychiater konsultieren. Er kann eventuelle medizinische bzw. körperliche Ursachen für Ihr Leiden abklären oder ausschließen.
Gemeinsam können alle zur Verfügung stehenden Therapieoptionen besprochen und geplant werden. Zusätzlich kann der Psychiater eine Zuweisung zur Psychotherapie ausstellen, mit der eine teilweise Kostenübernahme durch die Krankenkasse beantragt werden kann.

Ein Psychiater im Gespräch
Eine psychiatrische Behandlung bedeutet nicht immer, Medikamente schlucken zu müssen.

Wenn Ihr Hausarzt bereits ein Medikament verschrieben hat, kann es eine gute Idee sein, Rücksprache mit einem Psychiater zu halten. In den meisten Fällen stehen verschiedene Medikamente zur Auswahl und der Psychiater kann die Behandlung individuell an Ihre Bedürfnisse anpassen.

Nebenwirkungen von Psychopharmaka

Die Angst vor Medikamenten hat häufig auch mit möglichen Nebenwirkungen zu tun. Wer schon einmal einen Beipackzettel gelesen hat, verliert womöglich schnell die „Lust“ auf die Medikamenteneinnahme. Angesichts der dort angeführten möglichen Nebenwirkungen ist das nur verständlich.

Der Psychiater kann helfen, den Beipackzettel korrekt zu interpretieren und im Fall des Falles richtig zu reagieren. In der Regel ist die Angst vor Nebenwirkungen unbegründet und sollte Sie nicht von einer Behandlung abhalten. Wenn Sie Bedenken vor der Einnahme haben, sprechen Sie diese offen an: Sie sollten wissen, warum die Medikamenteneinnahme notwendig ist und das Gefühl haben, das Richtige zu tun.

Ab wann zum Psychiater?

Viel zu oft begibt man sich erst spät in Behandlung. Man versucht zunächst, selbst mit dem Problem fertig zu werden und erst mit der Zeit stellt man fest, dass professionelle Hilfe notwendig ist. Doch wann ist nun der richtige Zeitpunkt? Wann ist die Grenze erreicht, an der es nicht mehr weitergeht und man handeln sollte?

Es gibt kein psychisches Problem, welches „zu klein“ wäre.

Grundsätzlich gibt es kein Problem, welches „zu klein“ für einen Besuch beim Psychiater ist. Wenn Ihr Problem groß genug ist, um Sie zu bedrücken, dann ist es auch groß genug für eine Abklärung beim Experten. Manchmal kann sogar ein einziges Gespräch mit einem Psychiater helfen, unter Umständen ist dann ein einmaliger Termin ausreichend und keine weitere Therapie notwendig.

Handelt es sich bei Ihrem Anliegen um ein schwerwiegenderes Problem, sollte ohnehin frühzeitig mit einer Behandlung begonnen werden. Es ist also auf jeden Fall eine gute Idee, zumindest ein Erstgespräch zu vereinbaren. Dort kann Ihr Anliegen besprochen und – wenn notwendig – weitere Termine vereinbart werden.

Wenn Sie sich darüber Gedanken machen, ob sie zu einem Psychiater gehen sollten, ist es vermutlich besser, einfach einen Termin zu vereinbaren.

Manche psychiatrischen Erkrankungen können auch körperliche Symptome hervorrufen. Diese werden in der Regel vom Hausarzt behandelt, die zu Grunde liegende Ursache bleibt jedoch häufig unentdeckt. Wenn Sie vermuten, dass Ihre körperlichen Symptome eine psychische Ursache haben könnten, ist eine weitere Abklärung empfehlenswert.

Anonymität beim Psychiater

Wenn Sie einen Psychiater besuchen, bleibt Ihre Anonymität gewahrt. Der Psychiater teilt keine Informationen, sofern der Klient dies nicht explizit möchte. Das gilt natürlich auch für Kinder und Jugendliche, welche unter Umständen nicht wollen, dass ihre Eltern oder Lehrer von ihrem Besuch wissen.

Beachten Sie, dass Ihre Krankenversicherung zwecks Kostenabrechnung von Ihrer Behandlung informiert wird. Wenn Sie nicht möchten, dass Ihre Krankenkasse davon erfährt sollten Sie einen Wahlarzt aufsuchen.

Akute Notfälle – etwa wenn das Leben einer Person in Gefahr ist – stellen eine Ausnahme der Schweigepflicht dar: Die Rettung von Leben hat immer Vorrang.

Typische Symptome

Grundsätzlich können Sie sich mit allen psychischen Problemen bzw. Symptomen an einen Psychiater wenden. Hier einige Beispiele:

  • niedergeschlagene Stimmung
  • Energielosigkeit
  • Ängste aller Art
  • das Hören von Stimmen
  • Panikattacken
  • persönliche Krisen
  • das Gefühl „nicht mehr zu können“
  • ständige Unruhe

Angehörige

Es kann auch sein, dass man gar nicht selber betroffen ist. Wenn Angehörige leiden, hat das natürlich auch Auswirkungen auf das eigene Wohlbefinden. Was tun? Sollte man auch zum Psychiater gehen, wenn man mitbetroffen ist?

Angehörige von psychisch Kranken benötigen ebenso Hilfe.

Für die Angehörigen von Menschen mit einer psychischen Erkrankung ist es wichtig, die Diagnose bzw. Erkrankung zu verstehen. Der Psychiater kann Ihnen das Verhalten von psychisch kranke Angehörigen verständlich erklären. Das reduziert nicht nur Ängste und Vorurteile sondern erleichtert auch den Umgang mit den Betroffenen.

Auch hier gilt: Wenn Sie etwas belastet, holen Sie sich Hilfe. Psychische Erkrankungen von Angehörigen stellen immer auch eine große Herausforderung für die Familie und das Umfeld dar. Vergessen Sie dabei nicht, dass Sie nur helfen können, wenn es Ihnen selbst gut geht.

Wenn Ihr Angehöriger sich weigert, eine Behandlung zu beginnen, ist Hilfe natürlich schwierig. In diesem Fall kann ein Informationsgespräch mit einem Psychiater helfen, die Gründe besser zu verstehen. Fragen Sie auch nach konkreten Ratschlägen, etwa wie Sie Ihrem Angehörigen helfen können oder einer Lösung näher kommen.

Ein Besuch beim Psychiater ist immer freiwillig, niemand kann dazu gezwungen werden, außer er stellt eine ernste Gefahr für sich selbst oder andere dar. Ein Beispiel wäre etwa drängende Selbstmordgedanken. In diesem Fall sollte der Angehörige umgehend in ein Krankenhaus gebracht werden.

Redaktionelle Bearbeitung: Benjamin Slezak
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