Symptome einer Depression Bin ich depressiv?

Frau mit den Symptomen einer Depression

Die Symptome einer Depression mindern die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit beträchtlich. Eine „echte“ Depression dauert zumindest 2 Wochen, üblicherweise aber deutlich länger. Der gedrückte Gemütszustand ist dabei weitgehend unbeeinflussbar und wird darüber hinaus oft nur unzureichend behandelt. Dauern die Symptome längere Zeit unverändert an, sollte daher möglich rasch eine ärztliche Abklärung vorgenommen werden.

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Schwerpunkt Behandlung

Depressionen verursachen eine Vielzahl an Symptomen. Dennoch kann eine Diagnose schwierig sein, da viele Merkmale wie z. B. Kopfschmerzen oder Niedergeschlagenheit auch andere Ursachen haben können und erst als Teil des Gesamtbildes auf eine Depression hindeuten. Aus diesem Grund sollte eine Diagnose stets von einem Arzt oder Psychologen durchgeführt werden.

Ein Arztbesuch sollte nicht vom Vorhandensein einzelner Symptome abhängig gemacht werden. Wenn Sie sich schlecht fühlen oder denken an Depressionen zu leiden, ist ein Arztbesuch sicher die richtige Entscheidung. Auch wenn nicht alle Symptome auf Sie zutreffen – wichtigster Hinweis ist immer Ihr eigenes Wohlbefinden.

Manche Symptome sind „normal“. Schlechte Stimmung nach einem Beziehungsende ist ebenso üblich wie Angst und Schlaflosigkeit vor einer schwierigen Prüfung. Die Symptome müssen daher länger als 2 Wochen andauern und nicht auf andere Ursachen zurückzuführen sein.

Symptome nach ICD-10

Das ICD-10 ist ein aktuelles Klassifikationssystem, um verschiedene Krankheiten zu diagnostizieren.

Eine Diagnose sollte nur von einem Arzt oder Psychologen vorgenommen werden.

Hauptsymptome einer Depression

Das ICD-10 unterscheidet zwischen Haupt- und Nebensymtpomen. Für die Diagnose einer leichten oder mittelschweren Depression müssen 2 Hauptsymptome vorliegen. Bei einer schweren Form bestehen alle 3 Hauptsymptome.

  Hauptsymptome
Es müssen zumindest 2 Hauptsymptome vorliegen Depressive Stimmung über mehr als 14 Tage, meiste Zeit des Tages und fast jeden Tag, unbeeinflussbar von äußeren Umständen
Verlust von Interesse und Freude an Tätigkeiten, die sonst als angenehm empfunden wurden
Reduzierter Antrieb und rasche Ermüdbarkeit

Antriebslosigkeit

Mann zeigt erste Symptome einer Depression
Die Symptome einer Depression sind nicht immer einfach zu erkennen.

Es fällt schwer, sich zu motivieren. Die Betroffenen berichten von einer Kraft- und Energielosigkeit. Pflichten werden nicht erfüllt oder immer wieder aufgeschoben. Auch die Motivationsversuche von Angehörigen und Freunden können daran nur wenig ändern. Dies betrifft zum Beispiel auch die Körperpflege – das eigene Aussehen wird vernachlässigt.

Hobbies oder Freizeitaktivitäten werden eingestellt – vor allem, wenn man dazu das Haus oder die Wohnung verlassen müsste. Depressive bevorzugen es, daheim zu bleiben. Das Aufstehen am Morgen fällt schwer, auch unter Tags fühlen sich Betroffene häufig müde und niedergeschlagen. Selbst nach ausgiebigem Schlaf fühlen sie sich energielos und wenig leistungsfähig.

Depressive Stimmung

Es kommt zu einer Verflachung des Affekts. Dies bedeutet, dass Emotionen nur mehr schwächer wahrgenommen werden. Es kommt zu einer inneren Leere oder Traurigkeit, Gefühle wie Freude und Begeisterung können nicht mehr „gespürt“ werden. Dies gilt in gewissen Maßen auch für negative Emotionen, man empfindet eine gewisse „Gefühlskälte“.

Dauerhaft führt die depressive Stimmung zu Hoffnungslosigkeit und einer gedrückten, negativen Sicht auf die Zukunft.

Verlust von Freude

Den Betroffenen fehlt es an Lebensfreude, auch Tätigkeiten welchen früher mit Begeisterung und Interesse nachgegangen wurde, hellen die Stimmung nicht auf. Die Depression führt zu einem allgemeinen Interessensverlust. Da die meisten Aktivitäten ohnehin keine positiven Gefühle auslösen können, werden sie eingestellt, beispielsweise das Treffen von Freunden, Beziehungen werden vernachlässigt.

Nebensymptome einer Depression

Je nach Schweregrad kann es zu einem oder mehreren Nebensymptomen kommen. Bei schweren Fällen können auch alle Nebensymptome auftreten.

Nebensymptome Symptom
Ein oder mehrere Nebensymptome müssen vorliegen Mangel an Selbstwert und / oder Selbstvertrauen
Übertriebene Schuldgefühle und / oder grundlose Selbstvorwürfe
Gedanken an den Tod oder Selbstmordgedanken und / oder suizidales Verhalten
Reduziertes Denk- und / oder Konzentrationsvermögen, Unschlüssigkeit bzw. Unentschlossenheit
Psychomotorische Aufgeregtheit oder Hemmung
Störungen des Schlafverhaltens
Verlust oder Steigerung des Appetits mit einhergehender Gewichtsveränderung
  • Konzentrationsschwierigkeiten und Durchhalteschwierigkeiten
    Gerade bei als langweilig empfunden Tätigkeiten fällt es schwer, die notwendige Konzentration aufzubringen. Die Aufgabe wird dann gerne abgebrochen oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.
  • Selbstwertgefühl
    Der Selbstwert und das Selbstvertrauen sind vermindert. Man zweifelt an den eigenen Fähigkeiten und hat ein negatives Selbstbild.
  • Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle
    Betroffene geben sich häufig die Schuld an unterschiedlichsten negativen Umständen und deren Folgen. Sie machen sich (meist unbegründete) Vorwürfe und fühlen sich unterlegen und minderwertig.
  • Pessimistische Zukunftsperspektive
    Kennzeichen sind übertriebene Sorgen und ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit bzw. Hilfslosigkeit. Häufig beziehen sich die Sorgen auch auf den eigenen Körper, etwa wenn kleineren Beschwerden große Bedeutung zugemessen wird.
  • Suizidgedanken
    Durch die empfundene Hoffnungslosigkeit und Leere kann es bei schweren Fällen zu Suizidgedanken und akuter Suizidalität kommen.
  • Schlafstörungen
    Dies kann sich etwa in einem vermehrten Schlafbedürfnis oder unregelmäßigen Schlafrhythmen äußern.
  • Verringerter Appetit, Gewichtsprobleme
    Manche Betroffen leiden unter Appetitlosigkeit. Bei anderen führt ungesundes Essen bei gleichzeitigem Bewegungsmangel zu Übergewicht.

Weitere Symptome einer Depression

Neben den diagnostischen Kriterien kann es zu weiteren Merkmalen einer depressiven Verstimmung kommen. Der Vollständigkeit halber sind in folgender Auflistung auch die bereits erwähnten Symptome nach ICD-10 enthalten.

Affektive und kognitive Symptome

  • depressive Verstimmtheit, Lust- und Gefühlslosigkeit
  • unbestimmte Angstzustände, situationsbezogene Ängste, Zukunftsängste, Existenzängste
  • übersteigerte Befürchtungen, grundlose Sorgen
  • Angst, den Ansprüchen bzw. Anforderungen nicht gerecht zu werden
  • Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung
  • quälendes Grübeln, Leeregefühl und Hemmungen beim Denken
  • Weinkrämpfe aber auch die Unfähigkeit zu Weinen
  • monotone Sprache
  • Selbstvorwürfe, etwa das das Gefühl von Versagen oder Minderwertigkeitsgefühle
  • Hypochondrie, Angst vor Erkrankungen
  • Selbstmordgedanken, Wunsch nach dem Tod
  • Konzentrationsstörungen und Gedächtnisprobleme

Symptome der Antriebsstörung

  • Antriebslosigkeit und das Gefühl von „nicht können“
  • Getriebenheit und Hektik, ohne etwas zu schaffen
  • verlangsamte Bewegungen und Reaktionen
  • Vermeidungsverhalten und Rückzug, z.B. Vermeiden von Verantwortung
  • Sozialer Rückzug

Verhalten und Erscheinungsbild

  • kraftlose und gebeugte Körperhaltung
  • Unruhe, Nervosität, z. B. Händereiben
  • emotionsloser, eher trauriger, maskenhafter Gesichtsausdruck
  • leise, monotone Sprache
  • Aktivitätsverminderung, langsame, träge Bewegung
  • Vermeidungsverhalten, z. B. Vermeiden von Verantwortung

Vegetative Symptome

  • Müdigkeit
  • Rasche Erschöpfung
  • Schweregefühl in den Gliedmaßen
  • Druck und Spannungsgefühl, Verspannungen
  • Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Nackenschmerzen
  • Kreislaufschwankungen
  • Verringerter Appetit, Gewichtsabnahme
  • Ein- bzw. Durchschlafstörungen
  • Fehlende Erholung während des Schlafens
  • innere Unruhe
  • Magen- und Verdauungsstörungen, Verstopfung
  • Sexuelle Unlust, verringerter Sexualtrieb, sexuelle Funktionsstörungen (z.B. Erektionsprobleme, vaginale Trockenheit)
  • Tageschwankungen, z.B. Lustlosigkeit am Morgen, Verbesserung am Abend

Bei anderen Symptomen

Auch wenn die Symptome einer Depression vielfältig sind, so gibt es einige Merkmale, die auf andere Erkrankungen hinweisen.

Depressive sind normalerweise bei klarem Bewusstsein, d.h. sie sind ansprechbar und geben sinnvolle Antworten. Sie zeigen keine Zeichen von Desorientierung und wissen über Ort und Zeit Bescheid. Sollte ein depressiv Kranker Anzeichen von eingetrübtem Bewusstsein oder Desorientierung zeigen kann ein akuter Notfall vorliegen. Hier ist vor allem auf eine Überdosierung von Medikamenten oder einem Suizidversuch zu achten und unverzüglich medizinische Hilfe notwendig.

  • Manfred Wolfersdorf, Springer Verlag: Depressionen verstehen und bewältigen
Redaktionelle Bearbeitung: Benjamin Slezak
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