Behandlung von Depressionen Die Therapie einer Depression

Ein Patient nach der Behandlung seiner Depression

Die Behandlung einer schweren Depression erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus Psychotherapie und unterstützenden Medikamenten. Doch ist das wirklich notwendig und ab wann muss eine Depression überhaupt behandelt werden?

Lesedauer 12 Min
Psychische Erkrankungen
Schwerpunkt Gesundheit

Wer unter Depressionen leidet benötigt Hilfe. Mit der richtigen Behandlung stellt sich bei den meisten Betroffenen innerhalb von 2 bis 6 Monaten eine spürbare Besserung ein. Doch bedeutet das immer, Tabletten schlucken zu müssen? Nein, tatsächlich hängt die Behandlung von Schweregrad, Dauer und empfundener Beeinträchtigung durch die Erkrankung ab.

Ist eine Behandlung notwendig?

Nicht immer sind Medikamente erforderlich

Depressionen können individuell sehr unterschiedlich sein. Manche Formen treten kurzfristig und massiv auf, andere schleichen sich über Jahre in den Alltag ein und werden zunächst kaum bemerkt. Für Betroffene und Angehörige sind schwere Verlaufsformen relativ einfach zu erkennen – die Symptome und die innere „Leere“ sind kaum zu übersehen, es ist klar, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Bei leichten Depressionen kann es schwieriger sein.

Wenn die depressive Verstimmung nur als „schlecht drauf sein“ empfunden wird, besteht meistens kein Bewusstsein dafür, dass Hilfe benötigt wird. Selbst bei andauernder gedrückter Stimmung wird die Depression häufig nicht wahrgenommen oder bagatellisiert. Der Betroffene war schließlich „immer schon so“ oder ist eben ein „eher negativer Mensch“.

Es stimmt ja auch: Nicht jede Verstimmung muss behandelt werden und jeder fühlt sich manchmal lust- und freudlos. Doch wann ist der Zeitpunkt gekommen, sich nach professioneller Hilfe umzusehen?

Depressionen erkennen

Subjektiver Leidensdruck

Egal wie stark die Symptome von außen erkennbar sind, wenn jemand leidet ist eine Behandlung immer angebracht. Auch wenn es offensichtlich erscheint, kann man es nicht oft genug betonen: Wenn Sie sich über einen längeren Zeitraum schlecht fühlen, sollten Sie sich nach Hilfe umsehen. In der Regel zögert man die Entscheidung, um Hilfe zu fragen, zu lange hinaus. Warten Sie nicht, bis es nicht mehr geht. Es ist sinnvoll, sich schon frühzeitig, zu Beginn einer Depression in Behandlung zu begeben.

Leider warten viele Betroffene so lange, bis sie den Leidensdruck nicht mehr aushalten. Häufig ist dann die Depression bereits so stark ausgeprägt, dass ihnen die Motivation und Energie fehlt, sich um eine passende Therapie zu kümmern. Aus diesem Grund bleiben viele depressive Menschen ohne adäquate Behandlung.

Bleiben Sie also konsequent: Wenn es Ihnen schlecht geht, muss die Ursache abgeklärt werden. Wenn Sie diesen Text also lesen, weil Sie sich nicht gut fühlen und nicht wissen, ob Sie sich behandeln lassen sollten: Ja, machen Sie es! Sprechen Sie einfach mit Ihrem Hausarzt darüber oder suchen Sie einen entsprechend Facharzt, Psychologen oder Therapeuten auf. Wenn es Ihnen bei dem Entschluss hilft, die Symptome einer Depression durchzusehen, können Sie das hier machen. Vergessen Sie dabei aber nicht, dass nicht alle Symptome bei jedem auftreten.

Eine einfache Überlegung für Unentschlossene: Wer sich gut fühlt, überlegt normalerweise nicht, ob er sich in Behandlung begeben sollte. Wenn Sie sich also schlecht fühlen, sollten Sie es zumindest abklären lassen.

Ziele der Therapie

Grundsätzlich sind Depressionen gut behandelbar. Doch was bedeutet das in der Praxis? Die Behandlung zielt vor allem auf die Reduktion der depressiven Symptome sowie einer Normalisierung der depressiven Wahrnehmungsverzerrung ab. Man soll zurück in ein weitgehend „normales“ Leben finden. Das bedeutet, bei schönen Dinge Freude und bei schlimmen Dingen Trauer, Wut oder Enttäuschung empfinden zu können. Dazu zählt auch, Situationen, Menschen und sich selbst richtig einschätzen zu können und darauf adäquat zu reagieren. Eine erfolgreiche Therapie hilft also, die eigenen Emotionen wieder mit der realen Welt in Einklang zu bringen.

In diesem Sinne sind die Ziele:

  • die depressive Symptomatik verbessern.
  • die Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit.
  • die Fähigkeit, Liebe zu empfinden und Geborgenheit in Partnerschaft und Familie zu spüren.
  • die Motivation steigern und depressionsfördernde Muster erkennen.
  • die Selbstmordgefahr bannen und Hoffnung schaffen.
  • den Selbstwert und die Selbsteinschätzung verbessern.
  • die depressiven Phasen rechtzeitig erkennen und vermeiden.
  • die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit.

Depressionen überwindet man nicht von heute auf morgen. Daher ist es wichtig, trotz der Erkrankung einen lebenswerten Alltag zu schaffen. Dabei spielt das gesamte Umfeld eine wichtige Rolle – sei es die Familie, Freunde oder der Arbeitgeber.

Medikamente oder Psychotherapie?

Viele Menschen verbinden die Behandlung einer psychischen Erkrankung mit der Einnahme von Psychopharmaka. Diese Vorstellung ist nicht unbedingt richtig, tatsächlich gibt es durchaus Alternativen. Wichtig ist eine genaue Berücksichtigung der individuellen Symptome, des bisherigen Krankheitsverlaufs sowie des persönlichen Umfelds. Die Entscheidung für eine medikamentöse Behandlung oder für eine Psychotherapie sollte sorgfältig überlegt werden und gemeinsam mit dem behandelnden Arzt getroffen werden.

Ohne genaue Kenntnis der persönlichen Situation kann nicht zu der einen oder der anderen Behandlungsmethode geraten werden. Womöglich leiden Sie nur unter leichten depressiven Verstimmungen die mit Psychotherapie gut zu behandeln wären. Wer jedoch häufig mit Selbstmordgedanken spielt benötigt akute Hilfe, welche nur durch Medikamente erreicht werden kann.

Häufig empfiehlt sich eine Kombination von psychotherapeutischer und medikamentöser Behandlung: Die Medikamente helfen, die Antriebslosigkeit zu bekämpfen und mit der neu gewonnen Energie kann eine Therapie begonnen und aufrecht erhalten werden.

Falls Sie sich Sorgen über die möglichen Nebenwirkungen von Psychopharmaka machen, sollten Sie das Thema offen ansprechen. Wer einmal den Beipackzettel der Medikamente aufmerksam gelesen hat, verliert vielleicht schnell die Lust sie einzunehmen. Wenn Sie bei der Medikamenteneinnahme ein ungutes Gefühl haben, können Sie die einzelnen Nebenwirkungen einfach mit dem behandelnden Arzt besprechen.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich schlimme Nebenwirkungen zu erleiden? Was kann dagegen getan werden? Und wie verhält man sich, wenn nicht der gewünschte Effekt eintritt? Sie werden merken, dass die Angst vor Psychopharmaka weitgehend unbegründet ist und Nebenwirkungen in der Regel gut zu kontrollieren sind.

Grundsätzlich ist eine Psychotherapie immer eine gute Idee, trotzdem sollte man sich vorher über einige Dinge klar werden:

  • Es gibt verschiedene Arten an Psychotherapien. Ist die gewählte auch die richtige für mich?
  • Psychotherapie kann teuer sein. Informieren Sie sich über Kosten und eine mögliche Kostenübernahme durch die Krankenkasse.
  • Eine Verbesserung der Situation dauert womöglich Wochen bis Monate. Komme ich so lange mit meiner aktuellen Situation klar?
  • Verfügt mein Psychotherapeut bzw. meine Psychotherapeutin über genügend Erfahrung bei der Behandlung von Depressionen?

Psychopharmaka

Die Behandlung von Depressionen kennt unterschiedliche Typen an antidepressiv wirkenden Medikamenten mit jeweils anderen Funktionsweisen. Für Betroffene ist allerdings die Frage, warum ein Medikament wirkt häufig gar nicht so wichtig. Vor der ersten Einnahme beschäftigt man sich vielmehr mit der Frage wie ein Medikament wirkt. Wie fühlt sich ein Antidepressivum an? Fühlt man sich berauscht? Entspannt? Geht es einem sofort besser? Wie merkt man überhaupt die Wirkung?

Antidepressiva wirken langsam, oft erst nach Tagen oder Wochen.

Nun, vermutlich werden Sie zunächst überhaupt keinen Unterschied spüren. Tatsächlich setzt die antidepressive Wirkung erst langsam, nach Tagen oder Wochen ein. Die Wirkung bemerkt man daher häufig erst rückblickend. Sie werden nach einigen Tagen feststellen, dass die depressiven Gedanken nachlassen und sich die Symptomatik gebessert hat. Wann genau diese Besserung eingesetzt hat, ist womöglich gar nicht so einfach zu sagen.

Einige Antidepressiva haben zusätzlich eine beruhigende oder aktivierende Wirkung die deutlich schneller einsetzt.

Viele Depressive sehnen sich nach einer raschen Besserung – vergessen Sie nicht, dass es bis zur vollständigen Wirkung Tage und Wochen dauern kann.

Doch auch wenn sich kein Behandlungserfolg einstellt, sollte die Hoffnung nicht aufgegeben werden. Nicht jedes Antidepressivum „funktioniert“ bei allen Patienten. Es ist durchaus normal, mehrere Medikamente auszuprobieren, bis das passende gefunden wird. Die Entscheidung, ob ein Präparat das richtige ist wird dann gemeinsam mit dem Arzt getroffen.

Suchtpotential

Antidepressiva machen nicht süchtig. Sie werden in den Stunden nach der Einnahme keine Wirkung spüren, es gibt kein Rauschgefühl oder intensive Glücksgefühle. Es ist also sehr einfach, die Einnahme zu beenden. Es gibt praktisch kein Suchtpotential.

Allerdings sollten Antidepressiva nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt abgesetzt werden. Gerade, wenn die Wirkung eingesetzt hat und die Depression überwunden scheint, neigen Patienten dazu, die Einnahme eigenmächtig zu beenden. Das Problem dabei: Die Depression kann danach relativ rasch zurückkehren und man findet sich in der alten Situation wieder. Das Absetzen von Antidepressiva sollte langsam erfolgen. Die Dosis wird über Wochen langsam reduziert, was Nebenwirkungen minimiert und eine ärztliche Kontrolle ermöglicht.

Psychotherapie

Frau lässt ihre Depression behandeln
Psychotherapie ist eine sinnvolle Behandlung bei einer Depression.

Wer sich nach einer Psychotherapie umsieht steht vor der Qual der Wahl: Welcher ist der richtige Therapeut für mich? Klar, es muss „menschlich“ passen. Eine Therapie macht schließlich nur Sinn, wenn eine gute zwischenmenschliche Beziehung besteht. Doch das ist nicht alles. Sich verstanden zu fühlen mag die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung sein, ist jedoch nicht die einzige. Schließlich bringt es nichts, wenn Sie sich zwar gut betreut fühlen, sich aber – selbst nach monatelanger Behandlung – die depressive Symptomatik noch immer nicht verbessert hat.

Psychotherapeuten bedienen sich unterschiedlicher Arbeitsmethoden. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an psychotherapeutischen Richtungen und nicht alle sind für die Behandlung von Depression gut geeignet.

Im Allgemeinen ist die Effektivität der Psychotherapie wissenschaftlich belegt. Über die Wirksamkeit einzelner Therapierichtungen und Methoden kann jedoch häufig keine Aussage getroffen werden.

Alternativen

Gerade bei leichten Depressionsformen oder zu Beginn einer depressiven Phase wird häufig versucht, ohne therapeutische Maßnahmen gegen die Verstimmung anzukämpfen. Man merkt, dass die schlechte Stimmung zunimmt und doch möchte man einen Arztbesuch vermeiden. Im Sinne von „man müsse doch sein Leben auch selbst wieder in den Griff bekommen“ verzichten viele auf eine professionelle Therapie.

Wenn Sie bereits früher unter Depressionen gelitten haben, sollten die ersten Anzeichen einer depressiven Phase nicht unterschätzt oder ignoriert werden. Womöglich hat die letzte Phase auch so begonnen und rückblickend hätte man sich gewünscht, schon früher mit der Behandlung begonnen zu haben. Wenn Sie also bereits wissen, anfällig für Depressionen zu sein, sollte so schnell wie möglich professionelle Hilfe aufgesucht werden. Erinnern Sie sich daran, was Ihnen bei der Überwindung der letzten depressiven Phase geholfen hat und versuchen Sie es erst gar nicht wieder so weit kommen zu lassen. In vielen Fällen wird das bedeuten, eine Psychotherapie (wieder) aufzunehmen oder sich an den damaligen Arzt zu wenden.

Für den Fall, dass Sie noch nie an einer Depression erkrankt sind und Sie sich leistungsfähig genug fühlen, um eigene Schritte setzen zu können, versuchen Sie folgende Dinge:

  • Betreiben Sie regelmäßig Sport und setzen Sie sich erreichbare, nicht zu leichte Ziele.
  • Halten Sie eine Tagesstruktur ein und planen Sie Zeiten im Freien ein.
  • Wenn Sie kein Hobby haben, suchen Sie sich eine Beschäftigung die Ihnen Freude bereitet. Wenn Sie früher einem Hobby nachgegangen sind, versuchen Sie, es wieder aufzunehmen.
  • Beobachten Sie, welche Gewohnheiten Sie zu depressiven Gedanken verleiten und vermeiden Sie diese.
  • Vertrauen Sie sich einer nahestehenden Person an und sprechen Sie auch die negativen Gedanken und Gefühle an.
  • Setzen Sie sich ein Zeitlimit, bis wohin eine Besserung eintreten soll. Wenn es Ihnen bis dahin noch immer nicht besser geht, wenden Sie sich an Ihren Arzt.
  • Machen Sie sich keine Vorwürfe, wenn Sie nicht motiviert genug sind, um Ihre Tagesstruktur und Ihre guten Vorsätze einhalten zu können. Die Lustlosigkeit ist ein Symptom der Depression und kein Ausdruck von Versagen. Sehen Sie Ihr „Nicht-können“ stattdessen als Zeichen, sich nun nach professioneller Hilfe umzusehen.

  • Manfred Wolfersdorf, Springer Verlag: Depressionen verstehen und bewältigen
Redaktionelle Bearbeitung: Benjamin Slezak
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