Tipps für die Abstinenz Rückfälle vermeiden

Angehöriger hilft bei Abstinenz

Lebenslange Abstinenz erfordert Disziplin und Selbstkontrolle. Als Angehöriger können Sie helfen, diese Herausforderung zu bewältigen. Schon mit einigen wenigen Maßnahmen unterstützen Sie Ihren Angehörigen dabei, die Sucht dauerhaft in den Griff zu bekommen. Aber auch trockene Alkoholiker finden hier wertvolle Tipps für ihre Abstinenz.

Benjamin Slezak
Mag.
Benjamin
Slezak
Psychologe
Lesedauer 7 Min.
Thema Alkoholismus
Zielgruppe Angehörige

Informieren Sie sich über Alkoholismus und kontaktieren Sie professionelle Beratungsstellen. Wenn Sie oder Ihr Angehöriger bereits in Behandlung war, fragen Sie am besten dort nach einer Rückfall-Prävention:

  • Wurde ein Notfall-Plan vereinbart?
  • Gibt es einen Notfallhelfer, den Ihr Angehöriger im Fall des Falles kontaktieren kann?
  • Wurde ein Notfallhelfer bestimmt, sollten Sie die Wahl vorbehaltslos akzeptieren – auch wenn Sie womöglich der Meinung sind, besser geeignet zu sein.
  • Fragen Sie auch nach, ob der auserkorene Notfallhelfer Bescheid weiß und über seine Aufgabe informiert wurde.

Selbsthilfegruppen auch in der Abstinenz

Sie sind nicht alleine! Viele andere Menschen befinden sich in einer ähnlichen Situation. Besuchen Sie eine Selbsthilfegruppe für Betroffene und Angehörige. Sie werden merken: gemeinsam geht es leichter. Es wird Ihnen Halt geben, Ihre Fragen und Probleme offen und ohne Scham mit anderen zu teilen. So vermeiden Sie eigene Fehler und lernen von den Erfahrungen anderer Angehöriger.

Tipp Beschreibung
Leben Sie alkoholabstinent

Auch wenn Ihr Angehöriger es nicht verlangt – gehen Sie mit gutem Beispiel voran und verzichten Sie auf Alkohol. So setzen sie ein Signal: es geht auch ohne Alkohol. Sie zeigen Einfühlungsvermögen und Verständnis. Gemeinsam beginnen sie ein neues Leben in dem Alkohol keinen Platz mehr hat.

Keine Alkoholvorräte

Bewahren Sie keine alkoholischen Getränke im gemeinsamen Haushalt auf. Stattdessen sollte eine Reihe an alkoholfreien Getränken und Säften vorrätig sein. Wird doch einmal – etwa bei Feierlichkeiten – Alkohol getrunken, entsorgen Sie die angefangene Flaschen und Reste umgehend.

Schlussstrich ziehen

Schließen Sie mit der Zeit vor der Abstinenz ab. Vermeiden sie alte Vorwürfe und Versäumnisse in Ihr neues Leben mitzunehmen. Blicken Sie nach vorne – lassen Sie alte Wunden heilen anstatt Sie immer neu aufzureissen.

Gemeinsam in der Abstinenz

Bewältigen Sie Herausforderungen gemeinsam. Alkohol ist nicht nur das Problem eines Einzelnen, alle Angehörigen leiden darunter und eine Lösung kann nur unter Einbeziehung der ganzen Familie funktionieren.

Partnerschaft

Vor der Abstinenz war es für Angehörige nicht immer einfach – sie mussten eine Vielzahl an Verpflichtungen des Alkoholikers. Beginnen Sie wieder, Aufgaben an Ihren Angehörigen zu übertragen. Falls Sie selbst eint trockener Alkoholiker sind, versuchen Sie Ihre Aufgaben und Pflichten gewissenhaft zu erfüllen.

Es ist wichtig, dass er oder sie wieder Verantwortung übernimmt und neues Selbstvertrauen schöpft. Auch wenn es nicht immer klappt – der Betroffene muss lernen, mit Enttäuschungen und Fehlschlägen umzugehen ohne gleich zur Flasche zu greifen.

Vertrauen

Sprechen Sie offen über Ihre Empfindungen, Ängste und Sorgen. Lassen Sie Ihren Angehörigen an Ihren Gefühlen teilhaben und bauen Sie so langsam eine neue Vertrauensbasis auf. Wenn die Zeit vor der Abstinenz von gebrochenen Versprechen geprägt war ist es nun an der Zeit neue Zuversicht zu schöpfen.

Mann trinkt Kaffee in der Abstinenz
Abstinenz ist bei gesellschaftlichen Anlässen eine Herausforderung

Bleiben Sie bei Meinungsverschiedenheiten sachlich und argumentieren Sie ohne Vorwürfe.

Keine 100% Sicherheit

Akzeptieren Sie, dass es keine hundertprozentige Sicherheit gibt. Ein Rückfall ist trotz aller Bemühungen immer möglich. Bleiben Sie realistisch: wie würden Sie reagieren, wenn es wieder zu einem Rückfall in alte Gewohnheiten kommt? Gibt es einen Plan B? Überlegen Sie ohne Druck, was zu tun ist wenn die Situation für sie nicht mehr auszuhalten ist.

Die Abstinenz genießen

Auch wenn es sich seltsam anhören mag: Versuchen Sie die Abstinenz zu genießen und füllen Sie ihr Leben mit neuen, schönen Inhalten. Für viele trockene Alkoholiker war das Trinken ein wichtiger, oft auch schöner Teil ihres alten Lebens. Fällt dieser Teil nun weg, sollten Sie versuchen, den Alltag mit angenehmen, freudvollen Dingen zu füllen.

Halten Sie sich vor Augen: Für den Alkoholiker bedeutet Abstinenz auch, auf etwas Schönes zu verzichten. Stellen Sie sich nun vor, Sie müssten auf das 3. Schönste in Ihrem Leben verzichten. Das können nicht viele. Wenn Sie jedoch lediglich auf das 30. Schönste verzichten müssten, würde dies vermutlich nicht so schwer fallen.

Dieses kleine Gedankenexperiment soll zeigen, wie wichtig es für Betroffene ist, neue Freude am Leben zu finden. Die Abstinenz kann nur erfolgreich sein, wenn Sie es schaffen, neue Lebenslust zu entdecken und die Freiheit vom Alkohol zu genießen. Solche schönen Dinge können durchaus sehr vielfältig sein und sind von Person zu Person unterschiedlich. Versuchen Sie, Ihre ganz persönlichen Glücksmomente zu finden, welche ihnen Freude bereiten - ohne Alkohol.

  • Co-Abhängigkeit: Blaues Kreuz
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  • Blaues Kreuz: Alkoholrückfall – Prophylaxe, Bearbeitung, Therapie
    (Online, letzer Zugriff am )
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