Abstinenz Tipps für ein abstinentes Leben

Alkoholikerin in der Abstinenz

Wenn Sie den Weg in die Abstinenz geschafft haben, ist bereits viel erreicht! Nun gilt es, die Chance zu nutzen und das Beste aus dem Leben „nach dem Alkohol“ zu machen. Damit das ein wenig leichter geht, haben wir Ratschläge und auch Warnungen für Sie.

Lesedauer 10 Min.
Thema Alkoholismus
Schwerpunkt Gesundheit

In der Theorie ist es sehr einfach: Der Platz, den Alkohol bisher in Ihrem Leben eingenommen hat, muss sinnvoll ausgefüllt werden. Am besten funktioniert das mit etwas Schönem, etwas das Ihnen Freude bereitet.

Das ist jedoch leichter gesagt als getan. Was macht mir überhaupt Freude? Zurückblickend hat der Alkohol viele Dinge, die früher schön waren, verdrängt. Es ist fast so, als ob man wieder lernen müsste etwas zu genießen, sich sinnvoll zu beschäftigen oder einem Hobby nachzugehen.

Eine erste Orientierungshilfe kann die Zeit vor der Alkoholsucht bieten. Was hat Ihnen früher Freude gemacht? Wie hat damals ein schöner Tag ausgesehen? Vielleicht können Sie einige Dinge, die Sie früher genossen haben, wieder entdecken und neu erleben.

Allerdings spricht auch nichts dagegen, neue Dinge auszuprobieren! Was wollten Sie schon immer gerne machen? Welche Angebote gibt es bei Ihnen in der Nähe, etwa in Vereinen oder Bildungseinrichtungen?

Manchmal kann es notwendig sein, einen neuen Freundeskreis aufzubauen. Vor allem, wenn die alten Freunde überwiegend Trinkkumpanen waren, ist es wichtig, Kontakte abseits der früheren Plätze und Orte zu knüpfen. Das mag sich zu Beginn seltsam anfühlen, ist aber ein wichtiger Schritt, um seine Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Wenn Sie sich schwer tun, neue Menschen kennenzulernen, bieten sich Selbsthilfegruppen an. Sie sind eine Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und helfen das Rückfallrisiko zu senken.

Ideal sind auch Sportvereine: Sie schaffen nicht nur soziale Kontakte, die körperliche Aktivität kann helfen, Spannungen abzubauen und zum allgemeinen Wohlbefinden beitragen.

Suchtverlagerung

Manchmal hört man von einer sogenannten „Suchtverlagerung“, das bedeutet, eine Sucht wird durch eine andere Sucht ersetzt. Hat man früher Stunden und Tage mit Trinken verbracht, würde man im Sinne einer Suchtverlagerung nun etwas anderes ähnlich exzessiv betreiben.

Grundsätzlich ist Suchtverhalten nie wünschenswert, muss aber nicht automatisch zu Problemen führen. Alkoholismus gegen eine vergleichsweise harmlose Sucht „einzutauschen“ mag vielleicht nicht ideal sein, ist aber in bestimmten Fällen besser, als weiter zu trinken. Auch hier gilt: Die Menge macht den Unterschied, gesundheitliche Schäden sollten klarerweise in allen Fällen vermieden werden.

Eine Suchtverlagerung sollte man auch nicht „einplanen“. Gerade weil das eigene Verhalten manchmal schwer zu kontrollieren ist, passiert es immer wieder, dass man dann doch in eine neue Sucht abrutscht. Große Gefahr geht hier vor allem von bestimmten Medikamenten aus.

Gefährliche Ersatzmittel Weitgehend ungefährlich
Schmerzmittel Essen
Beruhigungsmittel nichtalkoholische Getränke
Schlafmittel Sport
manche Psychopharmaka Kaffee

Vorsicht ist auch bei vermeintlich ungefährlichen Ersatzmitteln geboten. Wer Sport exzessiv betreibt, kann sich schnell überfordern. Kaffee mag relativ harmlos sein, ist in großen Mengen aber gesundheitsschädlich.
Die negative Wirkung von Zigarettenrauch auf die Gesundheit ist weitgehend bekannt, Rauchen kann daher nicht empfohlen werden. Trotzdem muss hier auch relativiert werden: Gerade für starke Alkoholiker ist es wohl besser Kaffee zu trinken, als rückfällig zu werden.

Alkoholverzicht in der Abstinenz

Ist ein absoluter Alkoholverzicht wirklich notwendig? Muss also auch auf die kleinsten Mengen von Alkohol verzichtet werden? Was ist z.B. mit alkoholhaltigen Süßspeisen, Medikamenten oder alkoholfreiem Bier?

Häufig hört man, dass trockene Alkoholiker sehr vorsichtig sein müssen und jegliche Form von Alkohol in der Abstinenz vermeiden sollten. Selbst ein kleiner Schluck könnte einen Rückfall auslösen. Stimmt das?

Es mag vorkommen, dass während der Abstinenz hin und wieder zufällig Alkohol konsumiert wird. Man kostet ein Stück Kuchen, ohne zu wissen, dass dieser Alkohol enthält. Auch Pralinen oder Medikamente sind typische „Fallen“, bei denen womöglich unwissentlich Alkohol konsumiert wird. 

Zum Glück sind die Mengen oft zu gering, um eine deutliche Alkoholwirkung zu entfalten. Trotzdem sollte wenn möglich – darauf verzichtet werden.

Selbst wenn eine alkoholhaltige Praline keinen Rückfall bedeutet, stellt sich die Frage, warum man sie überhaupt gegessen hat. Ist es aus Unwissenheit, etwa durch einen unglücklichen Zufall geschehen, stellt dies in der Regel kein großes Problem dar. Verbergen sich hinter dem „Missgeschick“ aber erste Gedanken „es doch mal auszuprobieren“, besteht tatsächlich die Gefahr eines beginnenden Rückfalls

Abstinenz bedeutet, sich der Gefahr eines Rückfalls bewusst zu sein. Wer es nur halbherzig versucht, etwa indem er auch kleine Mengen Alkohol als „problemlos“ oder „nicht der Rede wert“ abtut, hat ein deutlich höheres Rückfallrisiko. Es ist die Bereitschaft  im Glaube es kontrollieren zu können sich wieder dem Risiko Alkohol auszusetzen. In diesem Sinne findet der Rückfall also bereits im Kopf statt. Der Konsum kleiner Mengen ist Ausdruck der falschen Vorstellung, Alkohol hätte zumindest einen kleinen Platz im Leben und könne kontrolliert werden.

Alkoholfreies Bier in der Abstinenz

Alkoholfreies Bier hat einen sehr geringen Alkoholgehalt, normalerweise reicht die Alkoholmenge nicht für eine spürbare Wirkung aus.

Trotzdem sollte in der Abstinenz auf alkoholfreies Bier verzichtet werden. Die Gefahr alte Verhaltensmuster wieder zu aktiveren ist zu groß. Der Geschmack von Bier, das Anstoßen mit dem Bier anderer, die Erinnerung an „echtes Bier“, usw. können Risikosituationen für einen Rückfall darstellen.

Auch wenn es nicht unbedingt zu einem Rückfall durch alkoholfreies Bier kommen muss das Risiko sollte nicht unterschätzt werden. Ein einfaches „Nein“ ist bestimmt die bessere Wahl.

Verhalten von Angehörigen in der Abstinenz

Angehörige spielen eine wichtige Rolle für eine erfolgreiche Abstinenz. Ein Umfeld, das weitgehend auf Alkohol verzichtet, bietet weniger Risikofaktoren und zeigt, dass ein erfülltes Leben auch ohne Alkohol möglich ist. Vor allem die engsten Angehörigen sollten sich der Verantwortung bewusst sein und die Abstinenz aktiv unterstützen. Konkret bedeutet das etwa, selbst auf Alkohol zu verzichten und Risikosituationen aktiv zu vermeiden, ohne dabei den trockenen Alkoholiker zu bevormunden.

  • Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und verzichten Sie weitgehend auf Alkohol.
  • Vermeiden Sie es, den Angehörigen ständig zu kontrollieren.
  • Verzichten Sie auf Vorwürfe insbesondere, wenn es um die Vergangenheit geht.
  • Führen Sie keine „Tests“ durch, etwa indem Sie beobachten, wie Ihr Angehöriger auf angebotenen Alkohol reagiert.
  • Besprechen Sie mögliche Gefahrensituationen.
  • Vertrauen Sie Ihrem Angehörigen.
  • Seien Sie sich bewusst, dass ein Rückfall immer möglich ist.

Weitere Tipps und Ratschläge, wie Sie die Abstinenz unterstützen können, finden Sie hier.

Tipps für die Abstinenz von Angehörigen

 

  • Wenn Alkohol zum Problem wird - Suchtgefahren erkennen - den Weg aus der Abhängigkeit finden
    (Online, letzer Zugriff am )
  • Blaues Kreuz: Alkoholrückfall – Prophylaxe, Bearbeitung, Therapie
    (Online, letzer Zugriff am )
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