Alkoholiker - Alkoholabhängigkeit und Alkoholmissbrauch Ab wann ist man Alkoholiker?

Bild von Alkoholikerin

Haben Sie das Gefühl Alkoholiker zu sein? Neigen Sie zu Alkoholmissbrauch? Sie sind nicht alleine - in Deutschland sind fast 2 Millionen Menschen alkoholabhängig, in Österreich sind es immerhin etwa 350.000 Alkoholkranke. Für Viele ist es schwierig, über ihre Erkrankung zu sprechen oder Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wir versuchen zu helfen.

Benjamin Slezak
Mag.
Benjamin
Slezak
Psychologe
Thema Alkoholismus
Zielgruppe Betroffene
Lesedauer 10 Min.

Eine Alkoholabhängigkeit hat weitreichenden Folgen für Betroffene und deren Familien. Sie haben bereits einen wichtigen Schritt getan und möchten sich über Alkoholabhängigkeit informieren. Das ist gut und wichtig! Denn eine frühe Erkennung und professionelle Hilfe sind die wichtigsten Faktoren um zurück in ein zufriedenes, selbstbestimmtes Leben zu finden

Wie erkenne ich als Angehöriger Alkoholismus?

Ab wann ist man nun Alkoholiker?

Nur etwa ein Drittel der Bevölkerung lebt alkoholabstinent, es lohnt sich also auf jeden Fall, sich darüber Gedanken zu machen. Immerhin entwickelt sich jeder Zehnte im Laufe des Lebens zum Alkoholiker.

Wenn Sie also den Verdacht haben, womöglich zu viel Alkohol zu konsumieren, stellt sich vor allem Fragen nach zu Ausmaß, Dauer und Ihrem individuellen Trinkverhalten. Sich mit Freunden und Bekannten zu vergleichen, reicht hier nicht aus - Alkoholabhängigkeit ist nicht allein eine Frage der konsumierten Menge.

Wissenschaftlich betrachtet sind sechs Kriterien definiert, von denen mindestens drei zutreffen müssen:

  • starker Wunsch oder Zwang, Alkohol zu trinken
  • Kontrollverlust in Bezug auf die Menge, den Beginn oder das Ende des Konsums
  • körperliche Entzugserscheinungen bei Konsumstopp oder Konsumreduktion
  • Toleranzentwicklung
  • Vernachlässigung anderer Tätigkeiten, um stattdessen zu konsumieren, Alkohol zu beschaffen oder sich vom Konsum zu erholen
  • trotz dem Wissen um körperliche Spätfolgen weiterer Alkoholkonsum

Oft fällt es schwer, sich ein ehrlich und offen Antworten auf diesen Fragen zu geben. Was bedeutet Kontrollverlust genau, wie merkt man eine Toleranzentwicklung und wer hat nicht schon mal etwas vernachlässigt um lieber mit Freunden etwas trinken zu gehen?

Einfacher ist es, sich folgende kurze Ja/Nein Fragen zu stellen. Sollten Sie mehr als zweimal mit „Ja“ geantwortet haben ist es zumindest ratsam sich näher mit dem Thema zu beschäftigen.

  • Haben Sie (erfolglos) versucht Ihren Alkoholkonsum einzuschränken?
  • Haben andere Personen Ihr Trinkverhalten kritisiert und Sie damit verärgert?
  • Hatten Sie schon Schuldgefühle wegen Ihres Alkoholkonsums?
  • Haben Sie jemals schon gleich nach dem Aufstehen getrunken, um "in die Gänge zu kommen" oder sich zu beruhigen?

Betroffene spüren häufig, dass Sie ein Problem haben – auch wenn Sie es womöglich nicht eingestehen wollen. Da mit zunehmender Dauer der Ausstieg immer schwieriger wird, empfiehlt es sich, bereits sehr früh problematisches Trinkverhalten abzuklären. Sehen Sie Beratungsstellen nicht als Einrichtungen für ausschließlich langjährige Alkoholiker - Sie können sich zu jeder Zeit mit Fragen und Sorgen betreffend Ihres Alkoholkonsums an sie wenden. Umso früher, desto besser. Auch wenn Sie womöglich der Meinung sind, nicht alkoholabhängig zu sein, eine kurzer Anruf oder eine anonyme Mail hilft, Ihre Fragen zu beantworten und kostet Sie lediglich ein paar Minuten Ihrer Zeit.

Eine Alkoholsucht entsteht schleichend und bleibt lange unbemerkt. Sie zu erkennen ist oft nicht leicht - von den Betroffenen geleugnet, fehlt es Freunden und Familie oft an Fachwissen um Anzeichen und Symptome richtig zu deuten.

Wenn Sie sich Sorgen um einen Angehörigen oder Bekannten machen, finden Sie hier Tipps und Tricks um Anzeichen von Alkoholmissbrauch bei Freunden und innerhalb der Familie leichter erkennen zu können.

Alkoholiker – und nun?

Die guten Nachrichten zuerst: Eine Alkoholabhängigkeit kann besiegt werden und die Erfolgsaussichten sind gar nicht so übel. Egal wie lange Ihre Erkrankung schon dauert, egal wie groß ihr Alkoholkonsum auch ist – eine Besserung ist immer möglich und es ist nie zu spät sich in Behandlung zu begeben oder eine Beratungsstelle aufzusuchen.

Alkoholsucht ist kein Zeichen von einem labilen oder Schwachen Charakter.

Klar, der Weg aus der Alkoholabhängigkeit ist nicht immer einfach, aber er zahlt sich immer aus. Umso länger die Erkrankung dauert, desto schlechter stehen die Chancen die Abhängigkeit zu überwinden. Wenn Sie also unter Ihrem Alkoholkonsum leiden und derzeit noch nicht in Behandlung sind wäre jetzt der richtige Zeitpunkt: Es gibt eine Vielzahl an Beratungseinrichtungen, welche anonym und kostenlos in Anspruch genommen werden können. Sich dort unverbindlich beraten zu lassen stempelt Sie nicht als Alkoholiker ab sondern zeugt von Verantwortungsbewusstsein und Mut.

Viele der Beratungseinrichtungen sind auch per E-Mail erreichbar, sie können also genau jetzt den ersten Schritt setzen.

Erste Schritte bei einer Alkoholsucht

Wer sich seiner Alkoholsucht stellt macht auf jeden Fall das Richtige! Der Entschluss, sein Leben und sein Trinkverhalten wieder in den Griff zu bekommen verdient Respekt und Unterstützung. Was können Sie also nun tun? Zunächst ist es wichtig, Hilfe und Rückhalt zu finden. Viele finden Unterstützung in der Familie und dem Freundeskreis. Dies ist jedoch kein Ersatz für professionelle Beratung und Hilfe. Es fällt ihnen womöglich nicht leicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ein trockener Alkoholiker mit Tochter
Alkoholiker: Ein Ausstieg ist selbst nach vielen Jahren noch möglich.

Die Angst vor Beratungsstellen ist jedoch unbegründet. Niemand wird Sie verurteilen oder ihre Anliegen nicht ernst nehmen. Im Gegenteil, professionelle Beratungsstellen kennen die Probleme und Schicksale von Alkoholikern aus ihrer täglichen Arbeit. Es gibt sie aus genau einem Grund – um Ihnen zu helfen. Nehmen Sie das Angebot an.

Wenn Sie das Gefühl haben, Ihren Alkoholkonsum nicht mehr kontrollieren zu können und noch keine Hilfe in Anspruch nehmen wollen, machen Sie sich folgendes bewusst:

  • Einsicht - Auch wenn es nicht einfach ist – verschließen Sie nicht die Augen vor ihrer Sucht.
  • Alkoholismus ist eine Krankheit – es handelt sich um keine Charakterschwäche und ist kein Zeichen von fehlendem Willen.
  • Keine Scham – haben Sie keine Angst offen um Hilfe zu Bitten. Sie sind nicht alleine und niemand wird sie verurteilen oder auf Sie herabblicken.
  • Ziele – machen Sie sich bewusst, weshalb es für Sie wichtig ist, mit dem Trinken aufzuhören. Das können etwa die Kinder, der Partner, die Gesundheit u.v.m. sein.
  • Unterstützung – finden Sie eine Person, der sie vertrauen und sprechen sie über ihr Problem. Dies kann etwa ein guter Freund aber auch ein Arzt, ein Seelsorger oder eine Beratungsstelle sein.

Behandlung von Alkoholabhängigkeit

Die Behandlung Alkoholismus ist ein langwieriger und individuell unterschiedlicher Prozess. Ziel ist immer eine Veränderung der Trinkverhaltens oder vollständige Abstinenz. Eine Reihe an medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlungsmöglichen steht zur Verfügung.

Der Weg aus der Sucht kann in 5 Stufen gegliedert werden:

Stufe 1: Problembewußtsein
Stufe 2: Änderungswunsch
Stufe 3: Erste Initiativen
Stufe 4: Konkrete Maßnahmen
Stufe 5: Gewöhnung an die Abstizenz

Egal in welcher Stufe Sie sich gerade befinden, spezialisierte Beratungsstellen können Ihnen dabei helfen, den Schritt zur nächsten Stufe erfolgreich zu bewältigen!

Prognose Alkoholkrankheit

Eine genaue Prognose zum Erfolg einer Therapie oder eines Entzuges ist vor Beginn der Behandlung kaum möglich. Individuelle Faktoren, Dauer der Krankheit und das Ausmaß bereits eingetretener körperlicher und psychischer Schäden sind unter anderem für eine „Heilung“ ausschlaggebend. Tatsächlich hängt die Prognose stark vom persönlichen Ziel bzw. dem Erfolgskriterium ab. Patienten die nach Jahren der Abstinenz einen Rückfall erleben haben das strenge Ziel der Totalabstinenz womöglich nicht erreicht – ein Erfolg ist es freilich allemal.

Ein Leben ohne wesentlichen Beeinträchtigungen ist auch ohne totaler Abstinenz möglich, die Prognose im Sinne einer chronischen Erkrankung ist daher als gut zu bezeichnen und deutlich besser als angenommen. Voraussetzung ist immer Eigenmotivation, professionelle Hilfe durch Suchtambulanzen, Suchtberatungsstellen oder Fachärzte und eine entsprechende Nachbetreuung.

Alkoholiker bei einer Selbsthilfegruppe
Im Kampf gegen die Alkoholsucht stehen dem Alkoholiker eine Reihe an Einrichtungen, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen zur Verfügung.

Der regelmäßige Besuch von Selbsthilfegruppen hilft ebenfalls, die Sucht langfristig zu kontrollieren und mit Rückschlägen fertig zu werden. Wie eine Reihe von Studien zeigen konnte, sind die wichtigste Faktoren für eine erfolgreiche Heilung ein früher Behandlungsbeginn und regelmäßige Behandlungskontakte. In diesem Sinne sind Betroffene dazu angehalten, vom den verschiedenen Einrichtungen und Angeboten Gebrauch zu machen.

Der nächste Schritt

Niemand liest Artikel über Alkoholsucht aus Vergnügen. Schön, dass Sie beschlossen haben, sich zu informieren und ihre aktuellen Situation zu verbessern! Egal ob sie Angehöriger oder selbst betroffen sind - es ist nicht immer einfach, den nächsten Schritt zu machen. Hier ein paar Vorschläge: Falls Sie aktuell unter einer Alkoholabhängigkeit leiden und diese gerne überwinden möchten finden Sie hier die passende Beratungsstelle. Angehörige finden hier Rat und Hilfe.

  • Handbuch Alkohol – Österreich, 3. Auflage
    (Online, letzer Zugriff am )
  • Alkohol ohne Schatten: Basisinformationen
    (Online, letzer Zugriff am )
  • Blaues Kreuz: Alkoholkrankheit – Diagnostik, Therapie, Abstinenz
    (Online, letzer Zugriff am )
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