Entzugserscheinungen Alkoholentzug Symptome

Mann hat Symptome des Alkoholentzugs

Wird bei einer fortgeschrittenen Alkoholerkrankung über einen längeren Zeitraum kein Alkohol konsumiert, kommt es zu Entzugserscheinungen. Ausmaß und Ausprägung der Symptome können dabei stark unterschiedlich sein.

Thema Alkoholismus
Gesundheits­gefahr
Lesedauer 5 Min.

Die körperlichen und psychischen Entzugserscheinungen werden als das sogenannte „Alkoholentzugssyndrom“ zusammengefasst. Ob und welche der hier aufgelisteten Symptome tatsächlich auftreten ist individuell stark unterschiedlich. Während manche Betroffene bereits nach wenigen Stunden der Abstinenz schwere Entzugssymptome zeigen, kommt es bei anderen nur zu leichten Beschwerden.

Typ Beschreibung
Körperliche Entzugs­erscheinungen Beschreiben die direkten Auswirkungen auf den Körper. Sie treten relativ kurz nach dem letzten Konsum auf.
Vegetative und neurologische Entzugs­erscheinungen Beziehen sich auf das autonome Nervensystem und beeinträchtigen körpereigene, in der Regel unbewusst ablaufende Prozesse.
Psychische Entzugs­erscheinungen Können individuell stark unterschiedlich ausgeprägt sein. Dauern üblicherweise länger als körperliche Entzugssymptome.

Körperliche Entzugserscheinungen

  • Herz-Kreislaufstörungen
  • Artikulationsstörungen
  • Durchfall, Magenschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Allgemeines Unwohlsein und Schwäche
  • Herzrasen
  • Krampfanfälle
  • Abnormaler Blutdruck

Vegetative Symptome beim Alkoholentzug

  • Schwitzen
  • Mundtrockenheit
  • Händezittern
  • Juckreiz
  • Schlafstörungen, Albträume
  • Koordinations- und Sehstörungen
  • Kopf- und Muskelschmerzen

Psychische Entzugserscheinungen Alkohol

  • Angst
  • Ruhelosigkeit
  • Nervosität
  • Verminderte Konzentrationsfähigkeit
  • Gedächtnissstörungen
  • Depressionen und Niedergeschlagenheit
  • Reizbarkeit
  • Wahrnehmungsstörungen, Halluzinationen

Delirium Tremens

Entzugserscheinungen bei einer Alkoholikerin
Reizbarkeit ist eine der häufigsten Entzugserscheinungen.

Tritt meistens innerhalb der ersten zwei bis vier Tage nach Beginn einer Abstinenz (oder drastischen Reduktion der Alkoholmenge) auf. Das Delirium Tremens kann tödlich verlaufen, eine medizinische Betreuung ist unbedingt notwendig. Symptome sind Desorientiertheit, motorische Unruhe und Halluzinationen. Dazu kommen Erinnerungsverfälschungen, starkes Zittern und Schwitzen.

Ein Beispiel für Halluzinationen ist das Sehen von kleinen Tieren, etwa weißen Mäusen.

Ein Delirium Tremens muss unverzüglich ärztlich behandelt werden. Es besteht akute Lebensgefahr.

Vorsicht ist auch geboten, wenn der Alkoholiker wegen einer anderen Erkrankung oder eines Unfalls stationär behandelt werden muss. Wenn die behandelnden Ärzte nicht von der Alkoholsucht des Patienten informiert sind können sich rasch Entzugserscheinungen einstellen. Angehörige sollten daher auf eine umfassende Information des medizinischen Personals achten.

Was tun bei Entzugserscheinungen?

Zunächst gilt es Ruhe zu bewahren. Ausmaß und Dauer der Entzugserscheinungen hängen mit der Schwere Ihrer Suchterkrankung zusammen. Starke Alkoholiker sollten daher keinen kalten Entzug vornehmen. Der warme Entzug findet unter ärztlicher Kontrolle statt, Sie bekommen dann Medikamente, die Ihre Entzugssymptome lindern.

Milde Entzugserscheinungen verschwinden nach einiger Zeit von selber. Sie sind zwar unangenehm, aber kein Grund für übertriebene Sorge. Dazu zählen etwa:

  • Schlafstörungen
  • Angst
  • Niedergeschlagenheit
  • Konzentrationsprobleme
  • Gedächtnisprobleme
  • Unruhe

Wenn Sie starker Alkoholiker sind, sollte immer ein Arzt aufgesucht werden!

Bei stärkeren oder lange anhaltenden Beschwerden sollte umgehend ein Arzt kontaktiert werden. Dies gilt insbesondere, wenn Sie eines der folgenden Entzugssymptome bemerken:

  • Hoher Blutdruck
  • Halluzinationen
  • Wahrnehmungsstörungen
  • Probleme bei der Orientierung, Verwirrtheit
  • Krampfanfälle
  • Suizidgedanken
  • Herzrasen

Alkoholentzug Symptome

Sie sollten aber auch schon bei leichten Symptomen überlegen, sich in medizinische Behandlung zu begeben: Der Entzug wird angenehmer, die Entzugserscheinungen lassen sich besser kontrollieren, die Chancen auf eine langfristige Abstinenz steigen. Es besteht wirklich kein Grund, alleine durch diese schwierige Zeit zu gehen. Suchen Sie sich Hilfe und Unterstützung von Freunden, Familie und professionellen Einrichtungen.

Informieren Sie Ihre Freunde und Ihre Familie bereits vor den ersten Entzugserscheinungen. So können diese eine möglicherweise auftretende Reizbarkeit, Niedergeschlagenheit oder Ängstlichkeit besser interpretieren. Erklären Sie auch, was bei schweren Entzugssymptomen zu tun ist: Unverzüglich einen Arzt verständigen!

Krampfanfälle können innerhalb der ersten 24 - 48 Stunden auftreten. Durch den plötzlichen Bewusstseinsverlust kann es zu Stürzten und Unfällen kommen.

Dauer der Entzugserscheinungen

Wann ist beim Alkoholentzug das Schlimmste vorbei? Der körperliche Entzug dauert etwa 10 Tage. Ausmaß und Dauer der Entzugssymptome hängen von der Schwere der Alkoholsucht ab. Die schlimmste Phase sind die ersten 4 – 5 Tage.

Wann treten erste Entzugserscheinungen auf?

Starke Alkoholiker spüren relativ schnell erste Symptome, es kann bereits nach etwa 4 – 12 Stunden zu ersten Alkoholentzugserscheinungen kommen. Als Richtwert gelten 24 Stunden.

Behandlung von Entzugserscheinungen

Entzugssymptome sollten nie selbst oder mit Hausmitteln behandelt werden. Nehmen Sie nur Medikamente, die von Ihrem Arzt verschrieben wurde.

Zur Behandlung von Entzugserscheinungen werden vor allem beruhigende Medikamente eingesetzt. Dazu zählen:

  • Clomethiazol (Distraneurin)
  • Diazepam (Valium)
  • andere Benzodiazepine

Vorsicht: Beruhigungsmittel können süchtig machen. Es droht die Gefahr einer Suchtverlagerung. Daher sollte eine medikamentöse Behandlung der Entzugssymptome ausschließlich im Rahmen eines warmen Entzugs erfolgen.

  • Handbuch Alkohol – Österreich, 3. Auflage
  • DHS: Suchtmedizinische Reihe Band 1: Alkohol
  • DHS: Basisinfo: Alkohol
  • Wenn Alkohol zum Problem wird - Suchtgefahren erkennen - den Weg aus der Abhängigkeit finden
    (Online, letzer Zugriff am )
Redaktionelle Bearbeitung: Benjamin Slezak
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