Alkohol: Wissenswertes über Konsum und Wirkung Was sie beim Trinken beachten sollten

Alkohol wird gerade getrunken

Schon geringe Mengen steigern die Kontaktfreude. Das Wohlbefinden wird generell gesteigert, Ängste werden gehemmt. Größere Mengen verursachen Rauschzustände und Trunkenheit. Alkohol ist für Erwachsene legal zu konsumieren.

Benjamin Slezak
Mag.
Benjamin
Slezak
Psychologe
Informationen Suchtmittel
Gesundheits­gefahr
Lesedauer 10 Min.

Vorsicht bei übermäßigem Alkoholkonsum: Alkoholvergiftungen können tödlich enden. Langfristiger Alkoholmissbrauch kann zu einer Alkoholabhängigkeit führen.

Wirkung von Alkohol

Die Wirkung von Alkohol wird von Konsumenten weitgehend als enthemmend und angenehm beschrieben. Dabei ist das subjektive Empfinden stark von Menge, Persönlichkeit, Stimmung und Umgebung abhängig.

 Promille  Wirkung
0,1 Kontaktfreudig, enthemmt, die Stimmung ist aufgehellt.
0,3 Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen herabgesetzt, die Risikobereitschaft steigt
0,5 Erste Gleichgewichtsstörungen. Enthemmung und Selbstüberschätzung nehmen zu.
0,8 Euphorie. Enthemmung und Selbstüberschätzung steigen weiter.
1 Rausch. Es kann zu Verwirrtheit, Sprech- und Orientierungsstörungen kommen. Gesteigerte Emotionalität und veränderte Bewusstseinswahrnehmung. Je nach persönlicher Stimmung kann es zu aggressivem Verhalten kommen.
2 Betäubungsstadium. Gefahr! Kennzeichen sind Erbrechen, Gedächtnis- und Bewusstseinsstörungen sowie Verwirrtheit. Die Muskeln erschlaffen, man bewegt sich weitgehend unkoordiniert.
3 Lebensgefahr. Es kommt zu Bewusstlosigkeit, Gedächtnisverlust und schwacher Atmung. Wer weitertrinkt riskiert Lähmungen, Koma, Atemstillstand und Tod.

Die Promillewerte gelten für Erwachsene. Jugendliche reagieren bereits bei geringeren Alkoholmengen stärker als Erwachsene.

Alkohol und Sex

Alkohol wirkt enthemmend und hilft, Ängste zu überwinden. Selbstzweifel, Schüchternheit und Versagensängste werden abgebaut. Das Sexualverhalten wird dadurch scheinbar einfacher, man wird angriffslustiger, Flirten fällt leichter und die Stimmung wird entspannter.

Stärkere Alkoholisierung führt jedoch zu einer Dämpfung körperlicher Empfindung. Anders formuliert: man spürt weniger. Die Stimmung kann leicht von ausgelassen in müde bis depressiv kippen. Die sexuelle Potenz kann unter Alkoholeinfluss ebenfalls nachlassen. Männer leiden dann häufig unter Erektionsproblemen und haben Schwierigkeiten, einen Orgasmus zu erleben. Bei Frauen zeigen sich Erregungsstörungen, welche zu Schwierigkeiten beim Vollzug führen können.

Paar nach zu viel Alkohol beim Sex
Die Wirkung von Alkohol beim Sex: Wer zuviel erwischt hat womöglich gar keinen Sex.

Eine verzögerte Ejakulation kann bei Männern womöglich durchaus gewollt sein – etwa wenn die Angst vor einem frühzeitigen Samenerguss besteht. Allerdings lässt sich die Wirkung des Alkohols kaum steuern. Ein wenig zu viel "erwischt" und es kann erst recht zu Funktionsstörungen kommen.

Problematisch ist vor allem die langfristige Kombination von Sex und Alkohol. Findet das Liebesleben nur mehr alkoholisiert statt oder wird der Sex nur noch zur Nebensache, empfiehlt es sich, sowohl sein Trink- als auch sein Sexualverhalten kritisch zu hinterfragen.

Sex im alkoholisierten Zustand ist häufig risikofreudiger und unvernünftiger. Vergessen Sie nicht, Kondome zu verwenden. Sie werden am nächsten Morgen froh darüber sein.

Verantwortungsvolles trinken

Langfristiger Alkoholkonsum birgt die Gefahr einer Abhängigkeit.

Wer trotz aller gesundheitlichen Risiken Alkohol konsumieren möchte, sollte auf verantwortungsvolles, kontrolliertes Trinken achten. Daher sollten einige grundlegende Regeln eingehalten werden:

Während der Schwangerschaft sollte auf Alkoholkonsum verzichtet werden. Chronischer Alkoholmissbrauch erhöht die Gefahr von Missbildungen und Entwicklungsstörungen beim ungeborenen Kind.

Risikoarmer Konsum

Um das Risiko einer Alkoholabhängigkeit zu minimieren wird empfohlen, an mindestens zwei bis drei Tagen pro Woche völlig auf Alkohol zu verzichten.

Frauen sollten pro Tag nicht mehr als 12g reinen Alkohols trinken. Das entspricht etwa einem kleinen Glas Bier (0,3l) oder einem "Achterl" Wein (0,15l).

Für Männer gilt als Faustregel: nicht mehr als 24g Alkohol pro Tag. Umgerechnet wären dies ca. ein großes Bier (0,6l) oder zwei "Achterl" Wein (0,3l).

Die Empfindlichkeit gegenüber Alkohol ist individuell stark unterschiedlich. Ein allgemein gültiger Wert kann also nicht mit hundertprozentiger Sicherheit angegeben werden.

Auch wenn Sie risikoarm konsumieren: Beachten Sie, dass Alkoholkonsum, auch wenn es zu keiner Abhängigkeit kommt, langfristig den Körper schädigt.

  • Bedenken Sie, dass Koordinations- und Reaktionsfähigkeit nachlassen. Vermeiden Sie es daher, in beeinträchtigtem Zustand ein Fahrzeug in Betrieb zu nehmen oder andere gefährliche Tätigkeiten auszuüben. Häufig kommt es durch Alkoholkonsum zu Selbstüberschätzung und unüberlegtem, risikofreudigem Verhalten. Im Straßenverkehr kann dies tödlich enden.
  • Alkohol wird bei leerem Magen schneller resorbiert, man ist schneller betrunken. Versuchen Sie, vor dem Konsum etwas zu essen.
  • Die Blutalkoholkonzentration hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Beachten Sie, dass Frauen eine andere Verteilung der Körperfette und durchschnittlich eine geringere Körpermasse als Männer haben. Sie erreichen daher bei derselben Alkoholmenge höhere Promillewerte und reagieren empfindlicher auf Alkohol.
  • Obwohl Alkohol in der Regel in Form von Getränken konsumiert wird, entzieht er dem Körper Flüssigkeit. Dies kann besonders in Kombination mit anderen Suchtmitteln wie Ecstasy oder Speed das Risiko eines Hitzeschlags erhöhen.
  • Der Mischkonsum mit Schlaf- und Beruhigungsmitteln, GHB und Opiaten steigert die Gefahr eines Kollapses sowie einer Bewusstlosigkeit oder lebensbedrohlichen Atemlähmung deutlich.
  • Wenn Sie an einer Alkoholsucht gelitten haben, darf kein Alkohol mehr getrunken werden. Auch kleine Mengen können Auslöser eines Rückfalls sein und Sie zurück in die Abhängigkeit führen.

Mischkonsum

Alkohol ist weit verbreitet und wird zu verschiedensten Anlässen konsumiert. Dadurch ist Mischkonsum mit anderen Suchtmitteln trotz erheblicher gesundheitlichen Risiken relativ häufig.

Besonders in folgenden Kombinationen sollte auf Mischkonsum verzichtet werden:

  • Alkohol und Ecstasy
    Leber und Nieren werden stark beansprucht. Es kommt zu einer Erwärmung des Körpers bei gleichzeitigem Flüssigkeitsverlust. Dadurch steigt die Gefahr eines Hitzeschlags und einer Dehydrierung.
  • Alkohol und Speed oder Kokain
    Durch den Einfluss von Speed oder Kokain geht die Wahrnehmung der Alkoholwirkung verloren. Der Rauscheffekt tritt nicht so stark ein, man fühlt sich relativ nüchtern. Dies verleitet zu weiterem Alkoholkonsum, die Gefahr einer Alkoholvergiftung steigt.

    Durch das abgeschwächte Rauschgefühl kommt es zu Selbstüberschätzung, was vor allem im Straßenverkehr tödlich enden kann.

  • Alkohol und GHB, Benzodiazepine oder Opioide
    Die Effekte der einzelnen Substanzen verstärken sich. Es kann zu Bewusstlosigkeit, komatösen Zuständen und Atemstillstand kommen. Es besteht Lebensgefahr!
  • Alkohol und Medikamente
    Beide werden über die Leber abgebaut, die Stoffe bleiben also unter Umständen länger im Körper als gewünscht. Je nach Art des Medikamentes kann es zu gefährlichen Wechsel- und Nebenwirkungen kommen. Besondere Vorsicht ist bei Schlaf- und Beruhigungsmitteln geboten.

Wirkmechanismus

Alkohol wird vorwiegend im Verdauungstrakt aufgenommen, ein kleiner Teil wird bereits von der Mundschleimhaut resorbiert. Über den Blutkreislauf wird der Alkohol (genauer gesagt: der Ethanolanteil) über den gesamten Körper verteilt. Das Ethanol kann die Blut-Hirn-Schranke durchdringen und gelangt so auch in das Gehirn.

Nach etwa 30-60 Minuten ist die Resorption im Magen und Dünndarm weitgehend abgeschlossen, es wird die höchste Blutalkoholkonzentration erreicht. Die genauen Werte hängen von verschiedenen Faktoren wie der Art des Getränkes oder der zu sich genommenen Nahrung ab. So beschleunigen etwa süße, warme oder prickelnde Getränke die Aufnahme, während fettige Speisen sie verzögern können.

Fettes Essen verzögert lediglich die Geschwindigkeit der Resorption. Die Menge des aufgenommenen Alkohols wird dadurch nicht reduziert.

Im Gehirn kommt es zu einer Hemmung der Reizübertragung im Zentralnervensystem bei einer gleichzeitigen Sensibilitätssteigerung. Die GABA-Rezeptoren im Gehirn werden stimuliert, während NMDA-Rezeptoren gehemmt werden. Größere Mengen wirken dämpfend und beeinflussen verschiedene Sinneswahrnehmungen (z.B. Gleichgewichtssinn, Sehvermögen, Schmerzempfindung).

Alkohol erweitert die peripheren Blutgefäße und beeinträchtigt gleichzeitig das Temperaturempfinden. Besonders im Winter ist Vorsicht geboten: Der Körper kühlt rascher aus, ohne dass die Kälte wahrgenommen wird. Es drohen Erfrierungen bis hin zum Kältetod.

Verbreitung

Kein anderes Suchtmittel ist derart gesellschaftlich akzeptiert und weit verbreitet. Die Beliebtheit erklärt sich weitgehend durch die als angenehm empfundene Wirkung in Verbindung mit breiter Verfügbarkeit und niedrigem Preis.

Der durchschnittliche Alkoholkonsum pro Jahr liegt bei knapp 10 Liter pro Kopf (Deutschland, 2013). Etwa 1,6 Millionen Menschen sind alleine in Deutschland akut alkoholsüchtig.

Jugendliche machen im Durchschnitt bereits mit etwa 13 – 14 Jahren erste Erfahrungen mit Alkohol. Mit 16 – 17 Jahren konsumiert bereits etwa jeder Vierte regelmäßig mindestens einmal pro Woche.

Weltweit sind etwas mehr als 25% aller Todesfälle im Alter von 15 – 29 Jahren auf Alkohol zurückzuführen.

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