Angehörige von Alkoholikern

Frau gibt Tipps für Angehörige von Alkoholikern

Die Sorge um einen suchtkranken Angehörigen kann mühsam und aufreibend sein. Persönlichkeitsveränderungen, Lügen und Enttäuschungen machen das Zusammenleben zu einer ständigen Herausforderung. Doch wie soll man sich nun gegenüber einem Alkoholiker verhalten?

Lesedauer 5 Min.
Thema Alkoholismus
Zielgruppe Angehörige

Zunächst ist es wichtig, zwischen „nassen“ und „trockenen“ Alkoholikern zu unterscheiden. Wie Sie den Alltag mit einem trockenen Alkoholiker richtig gestalten können erfahren Sie in unserem Artikel über trockene Alkoholiker.

Leben mit einem trockenen Alkoholiker

Angehörige von Alkoholikern

Angehöre von Alkoholikern versuchen ihr Bestes, dem geliebten Menschen zu helfen. Das ist jedoch gar nicht so einfach. Häufig stoßen sie auf Widerstand oder werden ignoriert. Viele stellen sich dann die Frage, ob sie sich richtig verhalten. Dazu kommen Selbstzweifel, ob sie nicht besser helfen könnten und womöglich Fehler in der Vergangenheit gemacht haben.

Wenn Sie gerade dabei sind, sich zu informieren, machen Sie bereits genau das Richtige. Die Krankheit zu kennen gibt Sicherheit und Selbstvertrauen.

Es ist gut, wenn Sie Ihrem Angehörigen helfen möchten. Vergessen Sie dabei aber nicht, dass Sie nur unterstützen können – es ist nicht Ihre Aufgabe, die Sucht zu besiegen. Wie Sie einem Alkoholiker helfen können, erfahren Sie hier.

Einem Alkoholiker helfen

Wenn Sie sich gerade in einer Beziehung mit einem Alkoholiker befinden oder sich in einen alkoholkranken Menschen verliebt haben, finden Sie hier wertvolle Ratschläge.

Beziehung mit einem Alkoholiker

Wie geht man mit einem Alkoholiker um?

Doch wie soll man sich nun konkret verhalten? Gibt es Verhaltensweisen, die das Zusammenleben erträglicher machen? Tatsächlich gibt es einige Punkte, die Sie beachten sollten:

  • Zeigen Sie Geduld und akzeptieren Sie auch Rückschläge als Teil des Heilungsprozesses.
  • Führen Sie Gespräche ruhig und sachlich.
  • Verwenden Sie dabei stets die „Ich“-Form.
  • Bieten Sie Unterstützung an, versuchen Sie aber nicht die Probleme des anderen zu lösen.
  • Klären Sie den Betroffenen über seine finanzielle Situation auf, übernehmen Sie aber keine Schulden.
  • Konfrontieren Sie mit Fakten und Tatsachen, ohne emotional zu werden.
  • Zeigen Sie Verständnis und Einfühlungsvermögen für die Situation des anderen.

Was tun als Angehöriger?

Neben den oben beschrieben Verhaltensweisen gegenüber dem Alkoholiker gibt es eine Reihe an Dingen, die Sie von sich aus unternehmen können:

  • Informieren Sie sich über die körperlichen Folgen des Alkoholmissbrauchs und unterstützen Sie eine gesunde Ernährung.
  • Zögern Sie nicht, selbst um Hilfe zu fragen.
  • Nehmen Sie Kontakt mit einer Beratungsstelle auf.
  • Sprechen Sie mit guten Freunden über Ihre Sorgen und Gefühle. Verdrängen Sie das Thema nicht.
  • Machen Sie sich bewusst, dass es sich bei Alkoholsucht um eine Krankheit handelt.
  • Bleiben Sie konsequent. Es kann notwendig sein, die nächsten Schritte zu planen – so vermeiden Sie spontane, nicht ernstgemeinte Drohungen und Versprechen.
  • Leichter gesagt als getan: Bleiben Sie optimistisch!
  • Achten Sie auf Ihre eigenen Grenzen und lassen Sie los, wenn es nicht mehr geht.

Was Sie als Angehöriger nicht tun sollten

Achten Sie auch auf einige Dinge, die Sie besser nicht tun sollten:

  • Versuchen Sie nicht, den Kranken zu kontrollieren.
  • Verzichten Sie darauf, den Alkohol zu rationieren oder sich auf bestimmte Mengen die „OK“ wären festzulegen.
  • Versorgen Sie Ihren Angehörigen nicht mit Alkohol, auch wenn er selbst dazu nicht in der Lage ist.
  • Lügen Sie nicht, um etwa ein Fehlen am Arbeitsplatz zu entschuldigen.
  • Vermeiden Sie es, dem Alkoholkranken Schuldgefühle zu vermitteln oder ihn zum Sündenbock zu machen.
  • Besprechen Sie das Thema nicht in alkoholisiertem Zustand.
  • Machen Sie keine Vorwürfe – die macht sich der oder die Alkoholkranke bereits selbst.
  • Versprechen Sie nichts, was Sie später nicht einhalten können.
  • Sprechen Sie auch keine Drohungen aus, die dann später nicht umgesetzt werden.
  • Versuchen Sie nicht die Sucht zu „behandeln“. Finger weg von Hausmitteln und Medikamenten!
  • Entleeren oder verstecken Sie keine Alkoholvorräte.
  • Lösen Sie nicht alle Probleme Ihres Angehörigen, er muss sich den Konsequenzen seiner Sucht bewusst sein.

Umgang mit einem Alkoholiker in der Familie

In vielen Fällen wohnt der Alkoholiker im geteilten Haushalt und ist Teil der Familie. Vor allem, wenn gemeinsame Kinder am Alltag teilnehmen, sollten Sie folgende Ratschläge berücksichtigen

  • Reden Sie mit den Kinder über das Problem. Tipps dazu finden Sie hier.
  • Verwenden Sie Kinder nicht als Druckmittel.
  • Schützen Sie Ihre Kinder, wenn es notwendig ist. Überlegen Sie sich einen Notfallplan: Was ist zu tun, wenn die Situation eskaliert?
  • Womöglich benötigt das Kind Unterstützung von Experten. Beratungsstellen, Therapeuten und Psychologen sind auch für Kinder zuständig.
  • Die Therapie einer Alkoholsucht ist erfolgsversprechender, wenn die gesamte Familie einbezogen wird. Informieren Sie sich über Behandlungsmöglichkeiten und nehmen Sie – wenn notwendig – an der Behandlung teil.

Kinder in suchtbelasteten Familien

Redaktionelle Bearbeitung: Benjamin Slezak
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