Therapie von Alkoholsucht Behandlung von Alkoholismus

Nach einer erfolgreichen Therapie der Alkoholsucht

Die Therapie der Alkoholsucht besteht in der Regel aus einer Kombination von medikamentösen und psychotherapeutischen Methoden. Die genaue Behandlungsform wird gemeinsam mit dem Betroffenen individuell abgestimmt.

Benjamin Slezak
Mag.
Benjamin
Slezak
Psychologe
Thema Alkoholismus
Lesedauer 12 Min
Schwerpunkt Behandlung

Wer sich dafür entscheidet, seine Alkoholsucht zu bekämpfen hat einen wichtigen Entschluss gefasst. Doch auf was muss man sich gefasst machen? Wie sieht der Weg in die Therapie aus? Was ist der nächste Schritt?

Kontaktaufnahme mit Therapiestellen

Nehmen Sie Kontakt zu einer Beratungsstelle oder einem Arzt auf. Hier finden Sie in Frage kommende Beratungsstellen:

Beratungsstellen Alkoholismus

Ihre erste Kontaktaufnahme kann ruhig anonym erfolgen. Niemand wird davon erfahren, auch Ihre Krankenversicherung oder Ihr Arbeitgeber werden nicht informiert. Im Rahmen eines ersten Gesprächs wird Ihre aktuelle Situation geklärt werden. Hier bietet sich auch gleich eine gute Gelegenheit, auf offene Fragen einzugehen und sich nochmals über die Therapiemöglichkeiten informieren zu lassen.

Sie bleiben anonym, niemand wird davon erfahren.

Ein erster Besuch zahlt sich auf jeden Fall aus. Selbst, wenn Sie es sich dann später doch noch anders überlegen – die Beratung ist kostenlos und unverbindlich.

Es hat sich gezeigt, dass Eigenmotivation und der feste Entschluss, seine Sucht zu bewältigen eine Voraussetzung für langfristigen Erfolg sind. Aber auch wenn Sie womöglich noch nicht „bereit“ für eine Therapie sind: es ist immer eine gute Idee, darüber zu reden.

Niemand wird Sie verurteilen, wenn Sie die Therapie dann doch nicht beginnen möchten. Sehen Sie es vielmehr als Möglichkeit. Sie könne die Dinge, die Sie bisher von einer Therapie abgehalten haben, offen und ehrlich zu besprechen. Jeder Mensch hat bestimmte Gründe, welche ihn abschrecken, etwas an seiner Situation zu ändern. Sprechen Sie Ihre Gründe ruhig aus. Womöglich sind Ihre Ängste unbegründet.

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Zögern Sie nicht, auch mit Ihrem Hausarzt über die Behandlung der Alkoholsucht zu sprechen.

Ich würde gerne, aber…“. Das „aber“ ist wichtig! Auch wenn es Ihnen vielleicht seltsam vorkommen mag, darüber zu sprechen. Sie werden rasch merken, die Experten in den Beratungsstellen kennen Ihre Bedenken und können Ihnen helfen, Ihr Ziel zu erreichen.

Entgiftung im Rahmen der Behandlung der Alkoholabhängigkeit

Egal, wie Ihre Ziele für die Therapie sind – ob Sie nun vollständige Abstinenz oder nur eine Reduktion Ihres Konsums versuchen: zunächst müssen körperliche Beschwerden, Entzugserscheinungen und andere Symptome behandelt werden.

Gerade wenn Sie mit Entzugserscheinungen zu kämpfen haben und sich körperlich nicht wohl fühlen, werden Sie über die medizinische Behandlung froh sein. Die Entgiftung dauert nur etwa 10 Tage und verbessert Ihre körperliche Verfassung rapide.

Sie werden feststellen, dass der Entzug mit ärztlicher Unterstützung unter Medikamenteneinsatz deutlich angenehmer als ein Selbstentzug ist.

Ein unbeaufsichtigter Selbstentzug kann sogar gefährlich sein. Vor allem bei starken Alkoholikern kann es bei einem Selbstentzug zu lebensbedrohlichen Entzugserscheinungen kommen.

Wenn die Entzugserscheinungen weitgehend nachgelassen haben, werden Sie auch mehr Kraft und Energie für die weitere Therapie verspüren.

Abstinenz oder Reduktion

Vollständige Abstinenz muss nicht immer das Ziel sein. Wenn Sie sich noch nicht bereit für eine Abstinenz fühlen, bietet sich womöglich eine Reduktionstherapie an. Bereits eine Verringerung des Alkoholkonsums kann Ihre aktuelle Situation spürbar verbessern und fällt in der Regel leichter.

Idealerweise wäre eine Abstinenz natürlich wünschenswert. Wenn Sie sich bereit und stark genug für eine Abstinenz fühlen: Versuchen Sie es!

Eine Reduktionstherapie kann auch eine Vorstufe zur Abstinenz sein. Sie passt oft besser in die Lebensumstände und ist häufig erfolgsversprechender als gleich komplett mit dem Trinken aufzuhören. Einfach wird es allerdings trotzdem nicht. Auch eine Reduktion verlangt Disziplin. Manche Betroffene empfinden es sogar als einfacher, „gleich ganz“ auf das Trinken zu verzichten. Hier ist jeder anders.

Bei starker Alkoholabhängigkeit kann eine Abstinenz die einzige sinnvolle Lösung sein.

Ob eine Reduktionstherapie in Frage kommt klären Sie am besten direkt mit der Beratungsstelle.

Entwöhnung

Nach der Entgiftung steht zunächst einmal eine schrittweise Entwöhnung auf dem Programm. Ging der erste Entzug relativ schnell, besteht die Aufgabe nun darin, langsam die Kontrolle über sein Trinkverhalten wiederzuerlangen. Über einen Zeitraum von einigen Wochen bis Monaten lernen Sie, Ihr Leben ohne Alkohol in den Griff zu bekommen.

Sie werden neben einer ärztlichen Behandlung mit unterstützenden Medikamenten Wege und Methoden kennen lernen, Ihr Leben neu zu gestalten. Gemeinsam mit Ihrer Familie werden Strategien für einen Neuanfang ausgearbeitet. Sie werden allmählich beginnen, die Dinge mit anderen Augen zu sehen und arbeiten intensiv mit verschiedenen Methoden aus unterschiedlichen Therapierichtungen.

Sie werden neues Selbstvertrauen und Hoffnung schöpfen.

Sie werden merken, was hier als „Therapie“ beschrieben ist, muss nicht immer ein Gespräch oder ein Medikament sein. Sporttherapie, Kreativitätstherapie und vieles mehr können durchaus interessant sein und sogar Spaß machen.

Am Ende der Entwöhnungsphase werden Sie neues Selbstvertrauen und eine gewisse Stabilität in Ihrem Leben erreicht haben.

Nachsorge und Rehabilitation

Eine sorgfältige Nachsorge und Rehabilitation bildet die letzte Phase in Ihrer Entzugstherapie. Wenn Sie es bis hier her geschafft haben, ist bereits viel erreicht. Nun gilt es, das Gelernte anzuwenden und die neugewonnene Zuversicht im Alltag zu verankern.

Unterschätzen Sie diese Phase nicht. Zurück in der alten Umgebung holen einen auch die alten Probleme ein. Die Frage ist nun: Können die Probleme womöglich auch ohne Alkohol gelöst werden?

Ihr Entschluss, in Zukunft ohne Alkohol leben zu wollen, wird erst jetzt so richtig auf die Probe gestellt werden. Viele Baustellen in Ihrem Leben werden Ihnen womöglich erst jetzt bewusst. Es wird nicht einfach werden, alte Verhaltensweisen abzulegen, mit der Vergangenheit abzuschließen und einen Neubeginn zu wagen.

Zum Glück stehen Ihnen auch in diesem, neuen Lebensabschnitt Hilfsangebote zur Verfügung. Besuchen Sie eine Selbsthilfegruppe und kontaktieren Sie bei Bedarf Ihre Therapieeinrichtung.

Erinnern Sie sich, wie mühsam es war, so weit zu kommen. Falls Sie es also nicht ohnehin schon gemacht haben: Zögern Sie nicht, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen. In Anbetracht der Mühen, die Sie auf sich genommen haben um bis hierher zu kommen, ist der regelmäßige Besuch einer Selbsthilfegruppe ein kleiner Aufwand. Er ist es sicher wert!

Medikamentöse Therapie der Alkoholsucht

Eine Reihe an Medikamenten und Wirkstoffen steht zur Verfügung.

Die hier angeführten Medikamente und Wirkstoffe sind nicht zur Behandlung von Entzugssymptomen geeignet und sollten nur nach Absprache mit einem Arzt eingenommen werden.

Für eine vollständige Auflistung aller Nebenwirkungen, Anwendung und Kontraindikationen einfach den behandelnden Arzt fragen oder einen Blick auf den Beipackzettel werfen.

Acamprosat

Dient vor allem der Rückfallprophylaxe. Der Wirkstoff verringert das Verlangen nach Alkohol. In klinischen Studien konnte eine Verbesserung der Abstinenzrate sowie eine Erhöhung der durchschnittlichen Abstinenzdauer nachgewiesen werden. Acamprosat ist nicht süchtigmachend, sollte aber nur im Rahmen einer betreuten Alkoholtherapie eingesetzt werden. Eine typische Behandlung dauert etwa 3 bis 12 Monate.

Als Nebenwirkungen können z.B. Juckreiz, Schlafstörungen, Übelkeit auftreten.

Naltrexon

Wirkt auf den Endorphinstoffwechsel, und soll das Verlangen nach Alkohol reduzieren. Naltrexon wird zur unterstützenden Behandlung als Rückfallprophylaxe eingesetzt. Gewöhnungseffekte sind nicht bekannt, der Wirkstoff ist nicht süchtig machend. Vorsicht: Eine gleichzeitige Einnahme von opioidhaltigen Medikamenten (z.B. bestimmte Husten- und Schmerzmittel) ist zu vermeiden.

Disulfiram

Wurde früher zur Unterstützung der Abstinenz angewendet. Bei gemeinsamen Konsum von Alkohol und Disulfiram stellt sich bereits bei kleinen Alkoholmengen ein deutliches Unwohlsein ein. Da bei größeren Mengen Nebenwirkungen bis hin zum Tod eintreten können, ist die Anwendung nur bei Patienten mit guter Compliance (Mitarbeit) möglich.

Nalmefen

Hilft, den Alkoholkonsum zu verringern und reduziert das Verlangen nach Alkohol. Es wird vor allem bei starken Alkoholikern im Rahmen einer Reduktionstherapie angewendet. Nalmefen darf nur bei Personen ohne körperlichen Entzugserscheinungen angewendet werden.

Wie auch die anderen Medikamente, darf es nur nach ärztlicher Verordnung und sorgfältiger Abwägung eingenommen werden. Der Wirkstoff ist mit Naltrexon verwandt und darf ebenfalls nicht gleichzeitig bzw. kurz nach dem Konsum von Opioiden eingenommen werden. Auch hier gilt: Der Wirkstoff soll nur begleitend zu einer psychosozialen Betreuung verwendet werden.

Die hier aufgelisteten Medikamente dürfen nur im Rahmen einer ärztlichen Verschreibung angewendet werden.

Psychotherapeutische Methoden bei Alkoholsucht

Niemand ändert sein Leben von heute auf morgen. Für einen echten Neubeginn wird es notwendig sein, alte Verhaltensweisen zu überwinden und den Alltag mit neuen, sinnvollen Inhalten zu füllen. Klar, das ist leichter gesagt als getan. Aus diesem Grund helfen Ihnen eine Reihe an Experten und Therapeuten im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung.

Sie werden Menschen kennen lernen, denen es ähnlich ergeht. Und Sie werden lernen, „Nein“ zu sagen. Im Rahmen von Gruppen- und gelegentlichen Einzelgesprächen können Ihre individuellen, persönlichen Gründe für die Alkoholabhängigkeit aufgearbeitet werden.

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Psychotherapie ist Teil der Behandlung von Alkoholsucht.

Sie werden bald merken, dass die „alkoholischen“ Denk- und Gefühlsstrukturen durchbrochen werden können. Ziel ist es, die alten Verhaltens- und Trinkgewohnheiten zu erkennen, zu verstehen und sie schließlich zu überwinden. Damit Sie das nicht alleine schaffen müssen, stehen unterschiedlichste Experten an Ihrer Seite – Sozialpädagogen, Psychiater, Psychotherapeuten, Ergotherapeuten und viele mehr.

Da eine Alkoholsucht nicht nur dem Leben des Alkoholikers schadet, sondern auch dessen Familie, Freunde und Lebensgefährten betrifft, werden diese in der Regel in die Behandlung einbezogen. So stärken Sie durch eine Therapie letztendlich auch Ihr persönliches Umfeld, die Menschen die Ihnen am wichtigsten sind.

Häufig wird die Behandlung der Alkoholerkrankung als Langzeit- oder Kurzzeittherapie durchgeführt. Dabei kann auf ein breites Spektrum verschiedener Methoden zurückgegriffen werden: Therapeutische Gemeinschaft, Soziales Kompetenztraining, Selbsthilfegruppe, Reizexpositionsverfahren, Systemische Familientherapie, und viele mehr. Welche Form für Sie persönlich am besten geeignet ist, wird im Vorfeld abgeklärt werden.

Grundvoraussetzung für alle Behandlungsformen ist immer die Bereitschaft auf Änderung. Den ersten Schritt können Sie bereits jetzt setzen.

Wenn Sie unter Ihrem Alkoholkonsum leiden und es noch nicht gemacht haben: Hier finden Sie Anlaufstellen an die Sie sich anonym und vertrauensvoll wenden können.

Eine Beratungsstelle für Alkoholismus finden

  • Handbuch Alkohol – Österreich, 3. Auflage
    (Online, letzer Zugriff am )
  • Blaues Kreuz: Alkoholkrankheit – Diagnostik, Therapie, Abstinenz
    (Online, letzer Zugriff am )
  • Blaues Kreuz: Entstehung und Behandlung der Alkoholkrankheit
    (Online, letzer Zugriff am )
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