Ursachen von Alkoholismus

Frau trinkt einen Cocktail - eine Ursache für Alkoholismus

Der Beginn einer Alkoholsucht verläuft schleichend und kaum bemerkbar. Die Gründe für den Alkoholkonsum sind dabei so unterschiedlich wie die Menschen. Sei es um "Probleme zu vergessen", Ängste zu überwinden oder einfach um geselliger zu werden. 

Benjamin Slezak
Mag.
Benjamin
Slezak
Psychologe
Lesedauer 5 Min.
Thema Alkoholismus
Schwerpunkt Gesundheit

Alkohol gehört zum gesellschaftlichen Leben, viele verbinden damit eine ausgelassene Stimmung, Geselligkeit und Wohlbefinden. Der Alkoholkonsum wird von unserem Umfeld zunächst durchaus positiv gesehen. Die Verwendung als Genussmittel steht lange Zeit im Vordergrund, kaum jemand denkt an gesundheitliche Schäden oder das Risiko einer Suchterkrankung. Erst wenn die Auswirkungen auf Körper, Verhalten und Familie nicht mehr zu übersehen sind, wird der übermäßige Konsum als Krankheit wahrgenommen.

Risikofaktoren für Alkoholismus

Man geht heute von einer „multifaktoriellen Genese“ aus – verschiedene Faktoren sind in gegenseitigem Wechselspiel an der Entstehung beteiligt. Es gibt keine einzelne Ursache, vielmehr ist es das gemeinsame Wirken unterschiedlichster Erfahrungen, psychischer Verfassung, genetischer Anlagen und vielem anderen mehr.

Zwar konnten viele der zugrunde liegenden Faktoren weitgehend identifiziert werden, eine individuelle Prognose ist jedoch nicht möglich. Das Zusammenspiel der einzelnen Ursachen ist individuell stark unterschiedlich – hinter jeder Alkoholerkrankung steht eine persönliche, einzigartige Krankengeschichte. Man kennt also die Ursachen, welche eine Alkoholsucht begünstigen können – einen greifbaren „Grund“ für die Erkrankung einer Person gibt es jedoch nicht. Die Frage „warum gerade ich“ oder „warum gerade er“ kann in dieser Form nicht beantwortet werden.

Ganz klar kann jedoch gesagt werden, was KEINE Ursache ist:

  • Es gibt keine „Suchtpersönlichkeit“.
    Die Annahme, es würde sich bei Alkoholkranken um besonders labile oder willensschwache Personen handeln, wird durch wissenschaftliche Untersuchungen nicht gestützt.
  • Vererbung
    Zwar besteht für Angehörige und Kinder von Alkoholkranken ein höheres Risiko ebenfalls im Laufe ihres Lebens alkoholabhängig zu werden – eine „Vererbung“ der Krankheit bedeutet dies freilich nicht. Sie sind zwar genetisch vorbelastet, dies bedeutet jedoch nicht, automatisch eine Abhängigkeit zu entwicklen.
  • Schicksalsschläge
    Die Lebensgeschichten der Betroffenen können stark unterschiedlich sein. Ein Vergleich zwischen abhängigen und nicht abhängigen Lebensläufen zeigte keine Unterschiede hinsichtlich erlebter Schicksalsschläge. Auch eine schwierige Kindheit ist kein Auslöser von Alkoholismus.

Was sind nun aber jene Faktoren, welche die Entstehung einer Alkoholkrankheit begünstigen?

Familiäre Ursachen

Eine der Hauptursachen scheint die psychosoziale Entwicklung zu sein. Darunter versteht man verschiedenste Aspekte: die Rolle in der Familie, erlernte Problemlösungsstrategien, (unbewusst) suchtfördernde Partner, persönliche Anerkennung, das eigene Selbstwertgefühl und vieles mehr.

Anders formuliert: ein stabiles, gesundes Umfeld hilft mit Belastungen fertig zu werden. Dies senkt auch das Risiko für Suchterkrankungen.

Gesellschaftliche Gründe

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Die gesellschaftliche Akzeptanz von Alkohol ist eine der Ursachen für den weit verbreiteten Alkoholismus.

Wer in unserem Kulturkreis aufwächst, macht früher oder später Erfahrungen mit Alkohol. Das gesellschaftlich akzeptierte Trinken bereitet den Boden für spätere Suchtprobleme. Eine ständige Verfügbarkeit bei niedrigen Kosten sorgt für eine kontinuierliche Versorgung mit dem Suchtmittel. Hinzu kommt der in Kultur und Alltag verankerte, sozial akzeptierte Konsum. Alkohol ist sozusagen „immer und überall“, quer durch alle Altersschichten.

Genetische Faktoren

Auch wenn die genetische Veranlagung kein alleiniger Grund für die Entwicklung einer Alkoholsucht ist, stellt sie doch einen bedeutenden Risikofaktor dar. Angehörige von Alkoholikern sollten sich diesem erhöhten Risiko bewusst sein. Dies bedeutet nicht, dass sie zwangsläufig selber irgendwann alkoholkrank werden – es kann aber als Warnung verstanden werden, seine Trinkgewohnheiten kritisch zu hinterfragen.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob ihre derzeitigen Trinkgewohnheiten ein Risiko darstellen, hilft ein einfacher Selbstest. Er umfasst nur 4 Fragen, die sie gleich hier und jetzt beantworten können.

  • Handbuch Alkohol – Österreich, 3. Auflage
    (Online, letzer Zugriff am )
  • Blaues Kreuz: Alkoholkrankheit – Diagnostik, Therapie, Abstinenz
    (Online, letzer Zugriff am )

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