Alkoholvergiftung Erste Hilfe und Symptome bei einer Alkoholintoxikation

Alkoholvergiftung bei einer Frau

Eine Alkoholvergiftung kann tödlich enden. Rechtzeitiges Erkennen und richtiges Handeln kann Leben retten. Doch häufig stehen Freunde und Angehörige vor der Frage: nur ein wenig zu viel getrunken oder ist Gefahr im Verzug? Einmal gut ausschlafen oder doch lieber die Rettung rufen? Denn bei einer Alkoholintoxikation gilt es, rasch zu handeln.

Benjamin Slezak
Mag.
Benjamin
Slezak
Psychologe
Lesedauer 10 Min.
Gesundheits­gefahr
Schwerpunkt Gesundheit

Über eine Alkoholvergiftung macht man sich häufig erst Gedanken, wenn es vielleicht schon zu spät ist. Es sind dann die  Angehörigen oder Freunde, welche rasch entscheiden müssen: Mit der Rettung ins Krankenhaus oder einfach mit dem Taxi nach Hause. Eine Checkliste, um die Entscheidung zu erleichtern:

Auf jeden Fall ins Krankenhaus bei folgenden Symptomen:

  • Bewusstlosigkeit / Störung des Bewusstseins
  • Atem- und Pulsunregelmäßigkeiten
  • Schwache oder unregelmäßiger Atmung.
  • Unterkühlung
  • Mischkonsum mit anderen Suchtmitteln
  • Erweiterte Pupillen
  • Reaktionslose Pupillen
  • Heftigem Zittern oder Schwitzen
  • Wenn die Person kaum ansprechbar ist oder sehr verwirrt wirkt.
  • Sich der Zustand auch nach einmaligem oder mehrmaligem Erbrechen nicht verbessert.

Symptome die bei einer Alkoholintoxikation auftreten können, aber nicht alleine tödlich sind:

  • Wahrnehmungs- und Gedächtnisstörungen
  • Erbrechen
  • Störung der Emotionalität
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • Verwirrtheit

Einen Anhaltspunkt kann auch der Promillewert geben. Um den ungefähren Wert zu bestimmen, empfiehlt sich der Promillerechner.

Der Promillewert alleine reicht nicht aus, um die Gefährlichkeit einer Alkoholvergiftung beurteilen zu können. Ein langjähriger Alkoholiker „verträgt“ deutlich mehr Alkohol, als Jugendliche oder Gelegenheitstrinker.

Besonders für Kinder und Jugendliche können vergleichsweise niedrige Promillewerte bereits kritisch sein. Beachten Sie auch, dass der Promillewert stark von Gewicht und Geschlecht abhängt.

Einen genauen Wert, ab wann die Rettung verständig werden sollte gibt es nicht. Spätestens wenn Sie die Verantwortung für die Person nicht mehr übernehmen können (oder wollen) sollte der Notruf gewählt werden.

Im Zweifel lieber handeln. Das Schlimmste ist, nichts zu tun.

Notrufnummern

Deutschland:
Euronotruf: 112
Ärztlicher Bereitschaftsdienst:    116 117
 
Österreich:
Rettung: 144
Euronotruf: 112
Vergiftungszentrale AKH:  144
Ärztenotdienst: 141
 
Schweiz:
Euronotruf: 112
Medizinische Notfälle: 144
Giftinfo und Notfallberatung:  145
 

Leisten Sie nach Benachrichtigung der Rettungskräfte erste Hilfe und halten Sie den Betroffenen bis zum Eintreffen des Arztes bei Bewusstsein.

Wenn Sie Anzeichen einer Alkoholvergiftung beobachten: lassen Sie die Person nicht alleine. Auch wenn der Zustand womöglich eine ärztliche Behandlung nicht notwendig macht: vor allem im Winter sollten Sie verhindern, dass sich der Betroffene alleine auf den Heimweg macht. Vergewissern Sie sich, dass er oder sie gut daheim ankommt. Es kommt regelmäßig zu Todesfällen durch Unterkühlung, etwa wenn der Rausch im Freien „ausgeschlafen“ wird.

Kinder haben ein deutlich kleineres Blutvolumen und Körpergewicht als Erwachsene. Zudem sind sie nicht an Alkoholkonsum gewöhnt. Eine Alkoholvergiftung kann bei ihnen schneller tödliche oder dauerhafte Schäden verursachen. Zögern Sie nicht, ein Krankenhaus aufzusuchen, wenn Sie bei Ihrem Kind eine Alkoholvergiftung vermuten.

Erste Hilfe

Bei einer akuten Alkoholvergiftung können Sie effektive Erste Hilfe leisten:

  • Ist die Person ansprechbar?
  • Falls er oder sie bewusstlos ist, kontrollieren Sie die Atmung und bringen Sie die Person bei vorhandener Atmung in die stabile Seitenlage.
  • Bei Atemstillstand führen Sie eine Mund zu Mund Beatmung durch.
  • Bei Herzstillstand führen Sie eine Herzmassage durch.
  • Versuchen Sie die Person bei Bewusstsein zu halten.
  • Kontrollieren Sie den Puls. Bringen Sie bei schwachem Puls die Person in die stabile Seitenlage.
  • Halten Sie die Atemwege frei. Achten Sie insbesondere auf Erbrochenes.
  • Schützen Sie den Betroffene vor Unterkühlung, z.B. mit einer Decke oder einem warmen (alkoholfreien) Getränk.
  • Falls die Person erbricht, helfen Sie ihr beim Sitzen oder Stehen.
  • Sprechen Sie beruhigend auf den Betroffenen ein und lassen Sie ihn nicht alleine.
  • Um Stürze zu vermeiden sollte sich der oder die Betroffene hinsetzen.
Erste Hilfe bei Alkoholvergiftung: Kontrollieren der Atmung
Erste Hilfe bei Alkoholintoxikation: Kontrolle der Atmung

Wenn die Person bei Bewusstsein ist und vor kurzem noch getrunken hat empfiehlt es sich, das Erbrechen selbst auszulösen. Der sich noch im Magen befindende Alkohol kann so rasch aus dem Körper befördert werden, bevor er in den Blutkreislauf gelangt. Achten Sie auf frische Luft und geben Sie Wasser zu trinken.

Achten Sie besonders auf Erbrochenes, welches die Atemwege blockieren könnte. Beachten Sie auch, dass die typischen Würgegeräusche beim Erbrechen fehlen können: Bei starker Alkoholisierung und Bewusstlosigkeit rinnt das Erbrochene langsam aus dem Mund heraus, der Hustenreflex ist blockiert. Häufig wird das Problem erst bemerkt, wenn der Betroffene reflexartig nach Luft schnappt. Das Erbrochene muss dann unbedingt aus den Atemwegen entfernt werden.

Erste Hilfe bei Alkoholvergiftung: Stabile Seitenlage
Erste Hilfe bei Alkoholvergiftung: Die stabile Seitenlage

Um eigene Verletzungen, etwa durch spontanes Zubeißen, zu vermeiden sollten Finger nicht in den Mund gesteckt werden. Lagern Sie den Kopf möglichst tief, das Erbrochene kann so durch das entstehende natürliche Gefälle abfließen. Um den Vorgang zu beschleunigen kann leicht auf den Rücken geklopft werden.

Erste Hilfe bei Alkoholvergiftung: Atemwege freilegen
Erste Hilfe bei Alkoholvergiftung: Achten Sie auf freie Atemwege

Verhindern Sie eine Unterkühlung – bedenken Sie, dass selbst eine warme Sommernacht deutlich kühler als die 36 °C Körpertemperatur ist. Der Betroffene spürt seine Unterkühlung nicht und wird Sie nicht darüber informieren. Bereits eine einfache Decke oder Jacke kann eine gefährliche Unterkühlung vermeiden.

Herzrasen / Holiday-Heart-Syndrom

Nach Alkoholkonsum kann es vor allem in der Nacht zu supraventrikulären Tachykardien kommen. In anderen Worten: der Pulsschlag ist beschleunigt, der Rhythmus des Herzschlags kann gestört sein. Das Herzrasen vergeht üblicherweise innerhalb eines Tages.

Weil die Herzrhythmusstörungen vor allem an Wochenenden nach übermäßigem Alkoholkonsum auftreten hat sich im englischen Sprachraum der Begriff des „Holiday-Heart-Syndroms“ etabliert.

Meistens sind Jugendliche nach ausgiebigem Feiern betroffen. Das durch Alkohol ausgelöste Herzrasen beschränkt sich vorwiegend auf die Nachtstunden vergeht nach einiger Zeit. Sofern keine zugrundeliegende Herzerkrankung besteht ist das Holiday-Heart-Syndrom für junge, gesunde Menschen in der Regel harmlos.

Allerdings sollte der eigene Alkoholkonsum gegebenenfalls reduziert werden. Außerdem empfiehlt es sich, mögliche Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder eine Schilddrüsenüberfunktion abklären zu lassen. Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen wie Übergewicht, Stress und Bluthochdruck sollten ebenfalls vermieden werden.

Sollte das Herzrasen öfters oder auch ohne vorherigen Alkoholkonsum auftreten, lassen Sie es im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung abklären.

Behandlung

Ist der Alkohol in den Blutkreislauf gelangt lässt er sich nicht mehr entfernen. Auch eine Neutralisation oder ein beschleunigter Abbau durch Medikamente ist nicht möglich. Der erste Schritt bei einer Alkoholintoxikation ist also das Entleeren des Mageninhalts. Dadurch kann zumindest die weitere Aufnahme von Alkohol verhindert werden.

Das Auspumpen des Magens ist jedoch nur sinnvoll, wenn der letzte Alkoholkonsum nur wenige Minuten zurückliegt. Ist der Alkohol bereits resorbiert wird in der Regel auf einen natürlichen Abbau des Alkohols gewartet. In lebensbedrohlichen Notfällen kann eine Dialyse (Blutwäsche) durchgeführt werden.

Während der Ausnüchterung konzentriert sich die Behandlung der Alkoholvergiftung vor allem auf die Kontrolle und Erhaltung der Vitalfunktionen. Ab 2 Promille besteht Schockgefahr. Bei starker Vergiftung kann daher die Behandlung auf der Intensivstation notwendig sein.

Um eine Stabilisierung des Kreislaufs zu erreichen und verlorene Flüssigkeit auszugleichen kann eine Infusion mit einer Kochsalzlösung angehängt werden. Bei drohender Unterzuckerung (Hypoglykämie) wird zusätzlich eine Glukoselösung verabreicht.

Folgen der Alkoholvergiftung

Alkoholintoxikationen heilen in der Regel ohne bleibende Schäden ab. Regelmäßiger Alkoholkonsum verursacht jedoch eine Reihe an körperlichen Schäden und kann zu einer Alkoholabhängigkeit führen.

In schweren Fällen kann eine Alkoholvergiftung tödlich enden oder bleibende Schäden nach sich ziehen. Besonders bei Komplikationen wie Schockzustände oder einer Unterversorgung mit Sauerstoff (verlegte Atemwege) besteht akute Lebensgefahr.

Schwangere sollten komplett auf alkoholische Getränke verzichten. Alkohol während der Schwangerschaft kann schwere Hirnschäden und Missbildungen des Ungeborenen verursachen, das fetale Alkoholsyndrom.
Selbst gemäßigter Konsum kann später zu Entwicklungsstörungen und kognitiven Defiziten führen.

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