Führerscheinentzug & CO: Strafen bei Alkohol am Steuer in Österreich (Österreich)

Nach einem Führerscheinentzug durch Alkohol am Steuer in Österreich

Wer sich alkoholisiert ans Steuer setzt, gefährdet sich und seine Mitmenschen. Daher gilt grundsätzlich, dass in einem durch Alkohol oder Suchtgift beeinträchtigten Zustand kein Fahrzeug gelenkt oder in Betrieb genommen werden darf.

Benjamin Slezak
Mag.
Benjamin
Slezak
Psychologe
Thema Straßenverkehr
Gesundheits­gefahr
Lesedauer 10 Min.

Die folgende Tabelle gibt einen kompakten Überblick für Österreich, beachten Sie auch die folgenden Details.

 Promille  Strafe
0,5-0,79  Geldstrafe: 300 - 3.700€, Vormerkdelikt
0,8-1,19  Geldstrafe: 800 - 3.700€, Verkehrscoaching, 1 Monat Führerscheinentzug
1,2-1,59  Geldstrafe: 1.200 - 4.400€, Nachschulung, 4 Monate Führerscheinentzug
>1,6  Geldstrafe: 1.600 - 5.900€, verkehrspsychologische Stellungnahmen, 6 Monate Führerscheinentzug

0,5-0,79 Promille

Geldstrafe zwischen 300 Euro und 3.700 Euro. Zusätzlich erfolgt eine Vormerkung im Führerscheinregister (Vormerkdelikt). Beim zweiten Mal (innerhalb von zwei Jahren) wird zusätzlich eine Nachschulung (Verkehrscoaching) verfügt, beim dritten Mal wird der Führerschein für mindestens 3 Monate eingezogen.

0,8 – 1,19 Promille:

Führerscheinentzug von 1 Monat sowie eine Geldstrafe zwischen 800 Euro und 3.700 Euro. Beim ersten Mal muss zusätzlich ein Verkehrscoaching besucht werden.

Das Verkehrscoaching kostet 100 Euro und ist ein halbtägiger Kurs zum Thema Alkohol am Steuer.

1,2 – 1,59 Promille:

Mindestens 4 Monate Führerscheinentzug und ein Strafrahmen zwischen 1.200 Euro und 4.400 Euro. Zusätzlich muss eine verkehrspsychologische Nachschulung absolviert werden (Kosten: 495 Euro)

Ab 1,6 Promille:

Der Führerschein wird für mindestens 6 Monate eingezogen. Zusätzlich wird eine Geldstrafe von 1.600 Euro bis 5.900 Euro verhängt. Darüber hinaus muss eine verkehrspsychologische Nachschulung (Kosten: 495 Euro) besucht und eine verkehrspsychologische Stellungnahme abgegeben (Kosten 363 Euro) werden. Zuletzt steht dann noch eine Untersuchung beim Amtsarzt an.

Die angeführten Strafen betreffen das Lenken eines Fahrzeuges in alkoholisiertem Zustand. Sollte es zu einem Unfall mit Personenschaden kommen, gelten die Bestimmungen des Strafrechts – dann kommt es zu einer Gerichtsverhandlung, bei der auch Haftstrafen verhängt werden können.

Führerscheinentzug: Was Sie noch beachten sollten

  • Ist der Führerschein mehr als 18 Monate entzogen, muss die Fahrprüfung neu abgelegt werden.
  • Sie sollten den Alkotest nie verweigern, selbst wenn sie alkoholisiert sind. Eine Verweigerung gilt immer als starke Alkoholisierung!
  • Alkoholkontrollen dürfen von der Polizei im Rahmen der Anhaltung ohne konkreten Verdacht durchgeführt werden. Besteht Grund zur Annahme einer Alkoholisierung kann die Polizei den Lenker auch zu einem Besuch der nächsten Diensstelle auffordern.
  • Besteht begründeter Verdacht auf Alkohol am Steuer, darf die Polizei auch Stunden später einen Alkotest durchführen. Autolenker sind dann auch daheim verpflichtet, der Aufforderung zum Alkotest nachzukommen. Eine Alkoholisierung kann also auch nach Fahrtende festgestellt werden.

Versicherung

Sollte es zu einem Unfall in Zusammenhang mit Alkohol am Steuer kommen, kann der Anspruch auf Versicherungsleistungen verfallen. Stand der Lenker zum Zeitpunkt des Unfalls unter dem Einfluss von Alkohol, sind Kasko- und Rechtsschutzversicherungen von ihrer Leistung freigestellt. Die Haftplichtversicherung kann zusätzlich bis zu 11.000 Euro vom (alkoholisierten) Unfallverursacher zurückfordern (Regress).

In der Regel kann die Haftpflichtversicherung ab  0,8 Promille Geld zurückfordern. Vorsicht: Ein Regress ist auch schon unter 0,8 Promille möglich, die Beweislast trifft dann aber die Versicherung.

Restalkohol

Wer sich nach Alkoholkonsum ans Steuer setzt, riskiert auch noch Stunden später eine Strafe. Der Körper kann etwa 0,1 Promille Alkohol pro Stunde abbauen.

Am nächsten Morgen sollte daher die Gefahr von Restalkohol nicht unterschätzt werden. Selbst nach einigen Stunden Schlaf kann die Fahrtüchtigkeit noch deutlich beeinträchtigt sein.

Vorsicht ist bei „Hausmitteln“ geboten: Starker Kaffee oder eine kalte Dusche helfen zwar, am nächsten Morgen aus dem Bett zu kommen, den Alkoholabbau beschleunigen sie aber nicht.

Um den aktuellen Promillewert besser abschätzen zu können, empfiehlt sich der Promillerechner.

Versuchte Inbetriebnahme

Das Gesetz spricht vom „Lenken oder Inbetriebnehmen eines Kraftfahrzeuges“. Daher sollte in alkoholisiertem Zustand unter keinen Umständen der Motor angelassen werden – selbst wenn es nur dem Einschalten der Heizung dient.

Auch wenn ein Fahrzeug nicht in Betrieb genommen wurde: Ein Alkotest sollte nicht verweigert werden.

Alkohlisierter Fahrer am Steuer
Um einer Strafe wegen Alkohol am Steuer zu entgehen sollte man kein Fahrzeug alkoholisiert in Betrieb nehmen.

Um Missverständnissen und Streitigkeiten vorzubeugen, sollte man darauf achten, den Autoschlüssel nicht in das Zündschloss zu stecken. Auch wenn keine Absicht besteht, das Fahrzeug in Betrieb zu nehmen, gilt: niemals alkoholisiert am Steuer. Zwar gilt das Platznehmen am Fahrersitz nicht als Inbetriebnahme des Fahrzeuges, es empfiehlt sich jedoch, dennoch darauf zu verzichten.

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