Sturztrunk & Nachtrunk

Sturztrunk bei einem Mann

Häufig hört man in Zusammenhang mit Alkohol am Steuer die Begriffe „Sturztrunk“ und „Nachtrunk“. Doch was versteht man darunter und mit welchen rechtliche Auswirkungen muss man rechnen?

Benjamin Slezak
Mag.
Benjamin
Slezak
Psychologe
Thema Straßenverkehr
Gesetzliche Bestimmungen
Lesedauer 2 Min.
Bezeichnung Erklärung
Sturztrunk Rasches Konsumieren von verhältnismäßig viel Alkohol.
Nachtrunk Trinken, nachdem etwas passiert ist (z.B. Unfall).
Anflutungsphase Zeit, zu der Alkohol bereits im Körper ist, aber noch nicht im Blut aufgenommen wurde.
Mitwirkungspflicht Alle an einem Unfall beteiligten Personen sind verpflichtet, so gut wie möglich an der Aufklärung des Unfalls mitzuwirken.

Sturztrunk

Manche meinen, Sturztrunk wäre das Austrinken auf einen Zug. Tatsächlich beschreibt der Sturztrunk das rasche Trinken einer relativ großen Menge in verhältnismäßig kurzer Zeit. Besondere Bedeutung hat der Sturztrunk im Zusammenhang mit Unfällen im Straßenverkehr. 

Manche alkoholisierten Lenker geben an, erst knapp vor der Messung eine größere Menge Alkohol konsumiert zu haben. Sie argumentieren, der Alkohol könne in der kurzen Zeit noch gar nicht in den Blutkreislauf gelangt sein. Daher hätte er auch noch keine Auswirkung auf die Verkehrstauglichkeit.

Fahrer nach Sturztrunk am Straßenrand
Nach einem Sturztrunk darf kein Fahrzeug gesteuert werden.

Leider ist die Behauptung falsch. Bereits in der sogenannten Anflutungsphase, also jener Zeitspanne, während der Alkohol resorbiert wird, ist die Fahrtüchtigkeit deutlich eingeschränkt. Mehrere Gerichtsentscheide haben bestätigt, dass ein Autolenker nach einem Sturztrunk als alkoholisiert gilt und nicht am Verkehr teilnehmen darf.

Mehr noch, durch den Sturztrunk kann die berauschende Wirkung von Alkohol sogar noch verstärkt sein. 

Sturztrunk ist also keine geeignete Schutzbehauptung.

Nachtrunk

Als Nachtrunk wird der Konsum von Alkohol nach einer Autofahrt bezeichnet. Der Nachtrunk wird häufig als Schutzbehauptung nach Unfällen angeführt. Wird ein Alkotest erst Stunden nach dem Vorfall durchgeführt, könnte der Alkohol auch erst nach der Fahrt getrunken worden sein. Manche Alkofahrer behaupten daher, während der Fahrt noch nicht alkoholisiert gewesen zu sein. Der Alkohol wäre erst danach konsumiert worden, sie wären also schuldlos.

Gibt ein Autolenker Nachtrunk als Grund für seine Alkoholisierung an, ermittelt die Behörde, ob von einer Schutzbehauptung auszugehen ist. Der Lenker muss an diesen Ermittlungen mitwirken, dezidierte Angaben zum Alkoholkonsum machen und wenn möglich Beweise für seine Behauptung liefern. Die behaupteten Mengen müssen mit dem gemessenen Blutalkohol-Wert und der bereits verstrichenen Zeit zusammenpassen.

Möglicherweise falsche Zeugenaussagen sollten unterlassen werden. Diese führen in der Regel nur zu weiteren strafrechtlichen Konsequenzen.

Ein Nachtrunk sollte immer zum frühest möglichen Zeitpunkt, auch ohne direkte Nachfrage bekanntgegeben werden. Eine sofortige Meldung des Nachtrunks erhöht die Glaubwürdigkeit der Behauptung vor Gericht.

Im Rahmen der Mitwirkungspflicht zur Feststellung des Sachverhaltes bei Verkehrsunfällen sollte grundsätzlich auf alkoholische Getränke nach Unfällen verzichtet werden.

Was kann die berauschende Wirkung von Alkohol verstärken?

Die Frage ist nicht nur für die Führerscheinprüfung wichtig, sondern kann Leben retten.

  • Trinken auf „nüchternen“ Magen
  • Schlaf-, Schmerz- oder Beruhigungsmittel
  • Sturztrunk
  • Handbuch Alkohol – Österreich, 3. Auflage
    (Online, letzer Zugriff am )

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