Alkohol und Stillen Alkoholkonsum während der Stillperiode

Frau stillt trotz Alkohol

Darf man während der Stillzeit Alkohol trinken? Und wie viel ist zu viel? Tatsächlich scheint das Gesundheitsrisiko für Ihr Kind überschaubar zu sein.

Lesedauer 10 Min.
Thema Alkoholismus
Schwerpunkt Gesundheit

Nach den Monaten der Abstinenz während der Schwangerschaft möchten viele Mütter wieder ein wenig Alkohol trinken. Grundsätzlich ist dagegen wenig einzuwenden, solange Sie sich auf geringe Mengen zu besonderen Anlässen beschränken.

Alkoholkonsum in der Stillzeit

Während der Schwangerschaft ist das Ungeborene Teil des mütterlichen Blutkreislaufs. Das Kind weist also denselben Blutalkoholspiegel wie die Mutter auf. Daher kann Alkohol in der Schwangerschaft zu massiven Entwicklungsstörungen führen.

Beim Stillen wird der Alkohol jedoch stark verdünnt: Die Mutter trinkt ein alkoholisches Getränk, der darin enthaltene Alkohol verteilt sich im Körper der Mutter. Die Muttermilch ist nun nur leicht alkoholisch, in der Regel reicht dies nicht aus, um nachweisbar schädlich für den Säugling zu sein.

Alkohol beim Stillen vs. Schwangerschaft

Die Verdünnung des Alkohols beim Stillen wird anhand eines einfachen Rechenbeispiels deutlich.

Nehmen wir an, Sie trinken einige Gläser Wein und sind danach alkoholisiert, haben beispielsweise 0,8 Promille. Dies entspricht etwa einer Alkoholkonzentration von 0,8g Alkohol pro Liter Muttermilch.

Während der Schwangerschaft würde das Kind nun dieselbe Alkoholkonzentration im Blut aufweisen und könnte dadurch bleibende Schäden erleiden.

Da Sie aber stillen, verteilt sich der Alkohol zunächst in Ihrem Körper - Ihre Muttermilch ist nun mit 0,8g pro Liter leicht alkoholisch. Trinkt ihr Kind nun beispielsweise 100ml Milch, würde es lediglich 0,08g Alkohol aufnehmen. Zum Vergleich: 100ml frisch gepresster Apfelsaft würde 0,2g Alkohol enthalten.

Ist Alkohol beim Stillen unbedenklich?

Die Alkoholkonzentration in der Muttermilch ist sehr gering - so lässt sich beispielsweise in frischgepressten Fruchtsäften (aufgrund natürlicher Gärprozesse) schon nach kurzer Zeit mehr Alkohol pro Liter nachweisen.

Betrachtet man lediglich die Alkoholkonzentration, die durch das Stillen beim Kind erreicht werden kann, kann bedenkenlos ein wenig Alkohol konsumiert werden.

Trotzdem wird empfohlen, während des Stillens komplett auf Alkohol zu verzichten. Warum ist das so? Während Schäden durch den Blutalkohol innerhalb des kindlichen Organismus weitgehend ausgeschlossen werden können, sind andere, indirekte Effekte erst unzureichend erforscht.

Zwar ist gegen ein Glas Wein zu bestimmten Anlässen nichts einzuwenden, empfohlen kann es aber dennoch nicht werden. Verzichten Sie daher soweit wie möglich auf Alkohol. Machen Sie sich aber keine Sorgen oder Vorwürfe, falls Sie doch das eine oder andere Mal Alkohol trinken. Vermeiden Sie aber stark alkoholische Getränke und beschränken Sie sich auf gelegentlich 1-2 Gläser.

Mögliche Schäden durch Alkohol beim Stillen

Eine direkte Schädigung Ihres Kindes ist durch das gelegentliche Trinken von Alkohol während der Stillperiode nicht zu befürchten. Allerdings weisen einige Untersuchungen auf indirekte Gefahren für das Kind hin. Leider sind die möglichen Folgen für das Kind noch ungenügend erforscht, negative Auswirkungen sind also denkbar, aber nicht nachgewiesen:

Möglicher Schaden Erklärung
Kind trinkt weniger Womöglich verändert der Alkohol den Geschmack der Muttermilch. Ein ähnlicher Effekt wäre jedoch auch bei anderen Getränken denkbar. So könnten Fruchtsäfte, Tees, usw. ebenfalls den Geschmack verändern. Die tatsächlichen Auswirkungen scheinen fraglich: Selbst wenn das Kind vereinzelt weniger Muttermilch trinkt, würde es beim nächsten Stillen einfach mehr zu sich nehmen.
Kind gewöhnt sich an Alkohol Die Hypothese geht davon aus, dass sich das Kind an den Alkohol gewöhnt und Jahre später ein höheres Risiko besteht, eine Alkoholsucht zu entwickeln. Bisher konnte dafür aber kein Nachweis erbracht werden.
Weniger Muttermilch vorhanden Auch für diese Hypothese konnten einige Studien Hinweise finden, es gibt jedoch keine gesicherten Belege.
Schlechtere Mutter-Kind Interaktion Leicht alkoholisierte Mütter könnten anders mit ihren Kindern interagieren. Dies kann z.B. die Dauer des Stillens beeinflussen oder zu einer nicht optimalen Position beim Stillen führen.
Verändertes Schlafverhalten Die in einzelnen Studien beobachteten Veränderungen im Schlafverhalten konnten nicht eindeutig auf den Alkohol zurückgeführt werden. Denkbar wäre etwa auch ein Einfluss einer geänderten Mutter-Kind-Interaktion oder andere Ursachen.

Achten Sie darauf, nicht exzessiv zu trinken. Die Verantwortung für ein Kind zu übernehmen, bedeutet auch, auf spontane Dinge richtig zu reagieren. Im berauschten Zustand ist dies nicht möglich.

Alkohol trotz Stillen

Die Alkoholkonzentration in der Muttermilch steigt beim Trinken im selben Ausmaß wie die Blutalkoholkonzentration. Sie können daher auch den Promillerechner verwenden, um die ungefähre Alkoholkonzentration in der Muttermilch zu bestimmen. Dementsprechend gelten auch die „Regeln“ des Alkoholabbaus: Pro Stunde sinkt die Alkoholkonzentration in der Muttermilch um etwa 0,1 – 0,2 Promille.

Etwa 30 Minuten nach der Konsumation wird die höchste Alkoholkonzentration erreicht.

Viele Mütter pumpen die Milch vor dem Trinken ab, um statt des Stillens „alkoholfreie“ Milch füttern zu können. Unbedingt notwendig ist dies nicht – allerdings kann es sinnvoll sein, um letzte Bedenken zu zerstreuen.

Tatsächlich bleibt eines der wichtigsten Argumente für Abstinenz während der Stillperiode häufig unerwähnt: Sie tun damit sich selbst etwas Gutes. Regelmäßiger, stärkerer Alkoholkonsum schadet auch der eigenen Gesundheit.

Tipps Alkohol & Stilllen

  • Versuchen Sie den Alkohol unmittelbar nach dem Stillen zu trinken. Damit gewährleisten Sie eine ausreichende Pause, in der der konsumierte Alkohol abgebaut werden kann.
  • Wenn Ihr Kind keinen regelmäßigen Trinkrhythmus hat oder sehr häufig kleine Mengen trinkt, kann es sinnvoll sein, komplett auf Alkohol zu verzichten.
  • Je nach getrunkener Menge benötigen Sie einige Stunden, um den Alkohol abzubauen. Bei größeren Mengen kann es länger dauern. Verwenden Sie für eine ungefähre Schätzung den Promillerechner.
  • Wenn Sie ausschließlich stillen, sollten keine größeren Stillpausen eingelegt werden. Halten Sie Ihren Alkoholkonsum dementsprechend gering.
  • Womöglich setzt Alkohol ihre Reaktionszeit herab. Achten Sie darauf, dass zumindest eine nicht alkoholisierte Person in der Nähe ist (z.B., wenn spontan ein Auto gelenkt werden muss).
  • Bedenken Sie, dass Sie durch den Alkohol womöglich tiefer schlafen und Ihr Kind überhören könnten.
  • Trinken Sie keinen Alkohol, wenn Sie das Bett mit Ihrem Kind teilen.
  • Ändern Sie nicht Ihre Stillgewohnheiten.
  • Handbuch Alkohol – Österreich, 3. Auflage
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: Alkohol in der Stillzeit – Eine Risikobewertung unter Berücksichtigung der Stillförderung
Redaktionelle Bearbeitung: Benjamin Slezak
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