Autogene Psychotherapie (ATP)

Frau macht autogene Psychotherapie

Das Autogene Training ist die Grundstufe der Autogenen Psychotherapie. Das Wechselspiel von körperlichem und seelischem Erleben und die daraus resultierenden psychosomatischen Zusammenhänge bilden den Ausgangspunkt der Heilung.

Lesedauer 7 Min.
Schwerpunkt Gesundheit
Schwerpunkt Behandlung

Im Mittelpunkt steht die Fokussierung der Aufmerksamkeit auf körperliche "Spür"-Erlebnisse. Das können beispielsweise selbstsuggestive Übungssätze, wie "der rechte Arm ist schwer" sein, welche in Folge zu einer Sensibilisierung und Differenzierung der Körperwahrnehmung führen.

Das "Autogene Training" beschreibt den selbständigen Übungsanteil der Autogenen Psychotherapie. Indem das Vertrauen in die individuellen lebensgesetzlichen (bionomen) Körper-Seele-Regulationsfähigkeiten gefördert wird, kann die Heilung von psychisch bedingten körperlichen Störungen unterstützt werden. Dadurch können etwa stressbedingte Regulationsstörungen wie Schlafstörungen und Ängste überwunden werden. Darüber hinaus ist das Autogene Training ein Beitrag zur Prävention solcher Störungen.

Körperliche Ebene

Auf körperlicher Ebene erfolgt durch eine rein gedankliche Vorstellung von beispielsweise Schwere- und Wärmeerlebnissen in Verbindung mit dem Wahrnehmen des eigenen Atem- und Herzrhythmus eine "Umschaltung" des vegetativen Nervensystems vom Sympathikustonus auf den Parasympathikustonus

Ein erhöhter Sympathikustonus ist die typische Reaktion auf eine erlebte Belastung. Man wird leistungsfähiger und spürt eine nach außen gerichtete Aktionsfähigigkeit. Dieser Zustand wird häufig auch "Angriff-Flucht" oder "Fight-or-flight"-Modus bezeichnet.

Im Gegensatz dazu führt ein Parasympathikustonus zu Entspannung und Erholung. Es kommt zu:

  • Verlangsamung der Herzfrequenz
  • Anregung der Verdauung
  • Erweiterung der Blutgefäße
  • Ausgleich des Blutdrucks
  • Aufbau des Stoffwechsels
  • Verminderung des Cholesterin

Die beiden Reaktionen verhalten sich also gegensätzlich. Langfristig sollte jedoch keine der beiden Reaktion überwiegen. Mit anderen Worten: Zu viel Stress senkt die Leistungsfähigkeit des Organismus – man spricht von einer "synergetischen Beziehung".

Psychische Ebene

Auf psychischer Ebene wird es im Verlauf der Therapie möglich, problem­besetzte Gedanken, Gefühle und Bilder aus einem inneren Zustand der Gelassenheit zu beobachten und damit eine Angst- und Spannungs­reduktion zu erreichen. 

Durch die traum­ähnlichen Symbol­gehalte in den aufsteigenden „inneren Bildern“, wird es möglich, unbewusste Konflikte und Gefühle zu erleben und zu bearbeiten. Dadurch finden die Patienten im Laufe des Therapieprozesses neue Lösungen für belastende Probleme und Situationen. Durch diese Selbst­­erfah­rung können bisher unbekannte, verborgene Anteile der Persönlichkeit entdeckt und entfaltet werden.

Durchführung

Klient bei der autogenen Psychothreapie
Die autogene Psychotherapie findet üblicherweise im Sitzen statt.

Therapeut/in und Patient/in sitzen einander gegenüber. Die Entspannungsübungen nehmen während einer Therapiesitzung nur einen kleinen Teil der Zeit in Anspruch. In der Regel finden sie im Sitzen statt. Auf Wunsch des Patienten können die Übungen aber auch im Liegen durchgeführt werden. Selbstsuggestionen sind rein gedanklich, körperliche Aktivität ist nicht notwendig. Das Autogene Training ist daher für jedes Alter unabhängig von körperlichen Beschwerden gut geeignet.

Die Übungen im Rahmen des Autogenen Trainings werden überwiegend zu Hause gemacht. In den Therapiesitungen werden die erlebten Auswirkungen, Spürerlebnisse, Widerstände, Störungen, etc. der Übungen besprochen.

Methode

Die Autogene Psychotherpaie ist eine tiefenpsychologische Therapiemethode. Dabei wird besonderer Wert auf die Offenheit und Achtsamkeit gegenüber der individuellen Persönlichkeitsentwicklung - als Grundlage für unser Erleben im Hier und Jetzt - gelegt.

"Innere Bilder" sind in diesem Sinne spontan auftauchende Gedanken, Gefühle oder Erinnerungen, die beispielsweise durch die erlebte "Schwere" oder "Wärme" auslöst werden. Diese Erlebnisse und die damit verbundenen Gefühle werden in Sprache gefasst.

Die ausgelösten Gedanken und Gefühle sind von Fall zu Fall höchst unterschiedlich, können aber nicht "richtig" oder "falsch" sein.

Anwendungsbereich

  • Angststörungen, Phobien und Panikattacken
  • Depressionen
  • Schlafstörungen
  • Bei allen Suchtformen als Unterstützung der medikamentösen Therapie
  • Psychosomatische Erkrankungen

Kontraindikationen

Die Autogene Psychotherapie sollte bei akuten Psychosen nicht angewendet werden.

Aufwand

Neben den Therapiesitzungen sollten etwa 5-10 Minuten für eine Übungseinheit eingeplant werden. Optimal wären etwa 1-2 Übungseinheiten während des Tages und eine vor dem Einschlafen.

Kosten

Die Autogene Psychotherapie kostet nicht mehr oder weniger als die meisten anderen zugelassenen psychotherapeutischen Methoden.

Setting Ungefähre Kosten
Einzeltherapie 80€ - 110€/Sitzung á 45-50 min
Gruppentherapie 30 - 40€/Sitzung á 90 min
Redaktionelle Bearbeitung: Benjamin Slezak
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