Verlauf der Spielsucht

Die Phasen einer Spielsucht

Spieler am Beginn seiner Spielsucht

Der Verlauf einer Spielsucht ist in in den meisten Fällen ähnlich: Gelegentliches Spielen entwickelt sich über Jahre zu einer Abhängigkeit. Wir erklären, was Sie in welcher Phase tun können.

Lesedauer 12 Min
Sucht
Thema Glücksspiel

Eine Spielsucht entwickelt sich in den meisten Fällen über einen längeren Zeitraum. Der Verlauf kann zwar individuell unterschiedlich sein, die 3 großen Phasen der Spielsucht sind aber so gut wie immer zu finden:

Anfangsstadium der Spielsucht – Gewinnphase

Zunächst wird weitgehend normal gespielt: Kartenspiele in der Familie, Wetten mit Freunden oder das gemeinsame Tippen auf Fußballergebnisse. Die dabei eingesetzten Beträge sind vergleichsweise gering, ein Verlust leicht zu verschmerzen.

Positive Erzählungen von Freunden, etwa Berichte über Gewinne, können zum Ausprobieren von Glücksspielen motivieren.

Es kommt zu gelegentlichen Erfolgen, die das Selbstwertgefühl stärken und den Spieler von größeren Gewinnen träumen lassen. Da die Verluste überschaubar sind, steht zunächst Optimismus im Vordergrund: Es wird stolz von Gewinnen berichtet, kostspielige Anschaffungen getätigt und sich intensiv mit Gewinnstrategien beschäftigt.

Dies führt zu Anerkennung in der Spielergemeinschaft und gibt dem Spieler das Gefühl, „Experte“ auf dem Gebiet zu sein. Zunächst ist das Spielen auf die Freizeit beschränkt. Allmählich steigert sich jedoch die Frequenz und es wird zur regelmäßigen Beschäftigung. Am Ende der Gewinnphase steigt die Risikobereitschaft, die Einsätze werden höher.

Typisch für die Anfangsphase sind:

  • Häufige, nicht unbedingt hohe Gewinne
  • Zunahme der Spielhäufigkeit
  • Unrealistischer Optimismus
  • Alleine spielen
  • Intensive Beschäftigung mit Gewinnsystemen und Strategien

Was Sie in der Anfangsphase tun können

Jede Spielsucht hat zwar eine Anfangsphase – aber nicht jede Anfangsphase muss auch in eine Spielsucht übergehen. Viele der Verhaltensweisen können zwar problematisch sein, führen aber nicht zwangsläufig in eine Sucht.

Trotzdem empfiehlt es sich, die ersten Warnsignale ernst zu nehmen und das eigene Spielverhalten kritisch zu hinterfragen. Überlegen Sie, ob Sie womöglich gefährdet sind, eine Spielsucht zu entwickeln. Lesen Sie dazu auch den Artikel über das Erkennen von Spielsucht.

  • Informieren Sie sich über Spielsucht
  • Reden Sie mit Angehörigen und Freunden auch über die erlittenen Verluste, beschönigen Sie nichts.
  • Versuchen Sie über einen längeren Zeitraum auf das Spielen zu verzichten. Wie geht es Ihnen damit?
  • Legen Sie einen Betrag fest, der Ihnen als Spielbudget dient. Wenn Sie den Betrag trotzdem überschreiten, sprechen Sie mit Ihren Angehörigen oder eine Beratungsstelle.

Gewöhnungsphase (Verlustphase)

Der Beginn der Gewöhnungsphase ist durch eine Steigerung der Häufigkeit, der Spieldauer und der Einsätze gekennzeichnet. Nun kommt es zu ersten größeren Verlusten, die nicht mehr über das normale Einkommen gedeckt werden können. Es werden Kredite aufgenommen und Geld von Freunden geliehen. Geld verliert zunehmend an Bedeutung und dient in erster Linie als Kapital, um mit erhofften Gewinnen alle Probleme zu lösen.

In Anbetracht der entstehenden finanziellen Schwierigkeiten versuchen viele Spieler nun, mittels Systemen und Gewinnstrategien das Spiel zu „professionalisieren“. Jedoch verhelfen die eingesetzten Techniken nicht zu den ersehnten Gewinnen und selbst auferlegte Limits werden zunehmend ignoriert.

Da die meisten Spieler in dieser Phase ihr Abgleiten in die Sucht verbergen, erkennen Angehörige und Freunde die entstehende Spielsucht erst spät. Die Betroffenen flüchten sich in Lügen und Ausreden und liefern immer wieder neue Gründe für die finanziellen Probleme und das kaum noch zu verbergende Fernbleiben von Familie  und Arbeit.

Die persönlichen Beziehungen leiden zunehmend, die eigene Familie, der Arbeitsplatz oder die Ausbildung werden vernachlässigt. Von den Angehörigen wird nun eine gewisse Unzuverlässigkeit und der Verlust von Interessen bemerkt.

Kennzeichen der Gewöhnungsphase sind:

  • Höhere Verluste
  • Lügen und Täuschen
  • Häufiges Spielen, Vernachlässigen von Arbeit und Ausbildung
  • Zunehmende Probleme in der Beziehung und Familie
  • Vernachlässigen von Hobbys und Freunden
  • Ständiges Denken an das Spielen
  • Überschreiten von selbst gesetzten Limits, erfolglose Abstinenzversuche

In dieser Phase ist die Kontrolle über die Spielgewohnheiten noch nicht vollständig verloren gegangen. Der Spieler hält sich zwar nicht mehr an alle Vorsätze und selbst auferlegte Limits, kann aber Spiele vor einem drohenden Totalverlust noch rechtzeitig beenden. Gelegentlich kommt es auch zu Tagesgewinnen, die nicht gleich wieder verspielt werden. Am Ende der Gewöhnungsphase zeigt der Spieler zwar ein Suchtverhalten, spielt aber noch vergleichsweise vernunftgesteuert.

Suchtstadium (Verzweiflungsphase)

Während der letzten Phase einer Spielsucht kommt es zu einem völligen Kontrollverlust, das Glücksspiel ist der beherrschende Lebensmittelpunkt geworden. Allerdings stellen sich selbst nach Gewinnen kaum noch positive Emotionen oder Freude ein - der Spieler kann zwar das Spielen nicht lassen, erfährt dadurch aber auch keine Befriedigung mehr.

Die Abhängigkeit beherrscht nun das Leben des Spielers. Es kommt häufig zu Totalverlusten und verzweifelten Versuchen, neues Geld für das Glücksspiel zu besorgen. In Momenten, in denen der Spieler seine Situation überdenkt, kann es zu Panikreaktionen und depressiven Verstimmungen bis hin zu Selbstmordversuchen kommen.

Die Geldbeschaffung wird zunehmend schwieriger, es kommt häufig zu Problemen mit Gläubigern und Banken. Viele Spieler schrecken in dieser Situation selbst vor kriminellen Handlungen nicht zurück – auch wenn diese zunächst nicht so benannt werden. Typisch sind etwa das „Ausborgen“ von Geldbeträgen bei Familienmitgliedern, die nicht zurückbezahlt werden können.

In der Verzweiflungsphase tritt in vielen Fällen eine Persönlichkeitsveränderung ein, der Spieler ist leicht gereizt und antriebslos. Viele Spieler erleben einen sozialen Abstieg und ziehen sich zurück.

Typische Merkmale der Verzweiflungsphase sind:

  • Kredite (legale und illegale)
  • Bürgschaften von Familienangehörigen
  • Hoher finanzieller und zeitlicher Aufwand
  • Schuldgefühle, Selbsthass, Panik, Hoffnungslosigkeit
  • Kriminelles Verhalten
  • Persönlichkeitsveränderung
  • Entfremdung und Isolation
  • Scheidung, Beenden von Beziehungen
  • Sozialer Abstieg
  • Schuldzuweisungen
  • Psychischer Zusammenbruch, Selbstmordgedanken und Selbstmordversuche
  • DHS: Suchtmedizinische Reihe Band 6: Pathologisches Glücksspielen
  • Meyer, Bachmann: Spielsucht - Ursachen, Therapie und Prävention von glücksspielbezogenem Suchtverhalten
  • Batthyány, Pritz: Rausch ohne Drogen - Substanzungebundene Süchte
Redaktionelle Bearbeitung: Benjamin Slezak
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